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Lebensretter aus Hartha

Christoph Zenker hilft einem Leukämiepatienten zum zweiten Mal. Das ist für den Zahnarzt selbstverständlich.

30.09.2017
Von Sylvia Jentzsch

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Christoph Zenker aus Hartha hat bereits im Jahr 2014 Stammzellen für einen leukämiekranken Patienten gespendet. Jetzt hat dieser einen Rückfall und benötigt Lymphozyten.

© Dietmar Thomas

Hartha. Für manchen Zahnpatienten ist Christoph Zenker ein Lebensretter, weil er ihn von schlimmen Schmerzen befreit hat. Dabei ist nicht jedem bewusst, dass der Zahnarzt, der ihn behandelt, wirklich ein Lebensretter ist.

Der 32-jährige Harthaer will auch nicht, dass seine Hilfe „an die große Glocke gehangen“ wird. Für ihn ist das selbstverständlich und persönlich wichtig, einem Menschen zumindest ein paar Lebensjahre durch eine Stammzellenspende geschenkt zu haben. Deshalb hat auch die Dankeschönkarte von dem unbekannten Absender einen Platz in seinem Büro gefunden. Christoph Zenker hat dem Unbekannten sogar ein zweites Mal geholfen.

Blutabwehrzellen sind gefragt

Vor acht Wochen erhielt der Zahnarzt einen Anruf von der Deutschen Stammzellen Datei (SDK). Ihm wurde mitgeteilt, dass der Patient einen Rückfall habe. Christoph Zenker wurde gefragt, ob er bereit sei, Blutabwehrzellen (Lymphozyten) zur Unterstützung der Therapie zu spenden. Für den Harthaer war die Antwort klar. Er musste sich durchchecken lassen, und fuhr nach Leipzig, um zu spenden.

„Bis auf die Tatsache, dass ich viereinhalb Stunden ruhig sitzen musste und die Arme kaum bewegen konnte, gab es keine Probleme“, so Christoph Zenker. Während der Spende sei man unbeweglich, da man angeschlossen an der Zentrifuge hänge. „Viele Laien denken, bei der Spende werde ihnen im Rücken rumgekratzt. Dem ist aber ja nicht so“, sagte Zenker. Er vergleicht das Prozedere eher mit einer sehr lange Blutspende. Es sei also ganz harmlos. Schließlich werde man während der Zeit des Stillsitzens rundum versorgt. Nun hofft der Zahnarzt, dass seine gespendeten Abwehrzellen den Kampf gegen die krebsbelasteten Zellen des Leukämiepatienten gewinnen.

Seit 13 Jahren in der Kartei erfasst

Christoph Zenker hat sich bereits im Jahr 2004 als Stammzellenspender registrieren lassen. „Damals war ich Student der Zahnmedizin in Jena. Nach Informationen zur Stammzellenspende ging es direkt vom Hörsaal zur Blutabnahme“, so der Mediziner. Er habe sich da noch wenig Gedanken gemacht. Schließlich sei die Chance, dass die Gewerbemerkmale mit einem leukämiekranken Patienten übereinstimmen, sehr gering. „Ich habe es einfach ruhen lassen“, so Zenker.

Doch dann kam nach drei Jahren der Anruf, dass er als Spender in die nähere Auswahl gekommen sei. Untersuchungen folgten. Dann kam die Absage. Nach fünf Jahren wurde wiederum festgestellt, dass die Gewebemerkmale zu einem leukämiekranken Patienten passten. Die gleiche Prozedur folgte – mit dem Ergebnis einer erneuten Absage.

Zahnarzt hasst Spritzen

Im Sommer 2014 hatte Christoph Zenker wieder einmal eine unbekannte Nummer auf seinem Telefon. Damals praktizierte er schon zwei Jahre in Hartha. „Mit wurde mitgeteilt, dass ich als Spender infrage komme. Diesmal schien alles zu passen“, so der Mediziner.

Zunächst wurde ihm ein Päckchen von der SDK mit mehreren Röhrchen für die Blutentnahme zugeschickt. Das Blutziehen übernahm dann eine Arztpraxis. „Dabei hasse ich Spritzen, wenn ich sie bekomme“, gibt der Zahnarzt ehrlich zu. Nach der Blutentnahme wurde er in Jena im Krankenhaus noch einmal richtig durchgecheckt. „Ich wurde sozusagen auf Herz und Nieren geprüft. Auch ein Virentest war dabei. Da habe ich mir schon überlegt, was ist, wenn bei mir etwas festgestellt wird, von dem ich noch gar nichts weiß“, so Zenker.

Doch darüber brauchte er nicht länger nachzudenken. Es war alles in bester Ordnung, und er gab seine Einverständniserklärung zur Stammzellenspende. „Die hätte ich bis zum Schluss zurückziehen können. Doch ich wollte helfen“, sagte der 32-Jährige. Beim leukämiekranken Patienten wurden die entsprechenden Maßnahmen für die Übertragung getroffen, sein Immunsystem völlig zerstört.

Auch Christoph Zenker bereitete sich auf die Spende vor. Und das war für ihn nicht angenehm. Denn er musste sich dreimal täglich an fünf Tagen in die Baudecke spritzen. Das Serum bewirkt, dass sich mehr Stammzellen als sonst von den Knochen lösen. Zenker biss für den guten Zweck die Zähne zusammen und nahm die Spritzen in Kauf.

„Nach der Spende ging es mir richtig gut, nicht nur mental. Der Druck, ausgelöst durch die größere Anzahl an Stammzellen, war einfach weg“, so Christoph Zenker.

Empfänger bleibt weiter unbekannt

Damals war ihm nur bekannt, dass er einem Mann, der 80 Kilogramm wog und aus einer schönen Region stammt, geholfen hat. Vier Wochen später ging es noch einmal zur Nachuntersuchung und im Januar durfte er die anonyme Postkarte an den Empfänger der Spende schicken. Die Antwort kam in Form einer Karte vier Wochen später.

„Nach zwei Jahren hätte ich die Möglichkeit gehabt, mich mit dem Empfänger meiner Spende im beiderseitigen Einvernehmen zu treffen. Doch irgendwie habe ich es immer wieder vor mir hergeschoben“, so der Zahnarzt. Wenn er von einem Freund gefragt würde, ob er Stammzellen spenden soll, würde er ihm zuraten.