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Dienstag, 14.11.2017

Leben = Wasser

Die Hilfsorganisation Arche Nova bringt frisches Wasser zu notleidenden Menschen - weil Dresdner das mit ihren Spenden ermöglichen: Sechs erzählen, warum sie das tun.

Kinder trinken Wasser an Wasserstellen im Qoratou-Camp.
Kinder trinken Wasser an Wasserstellen im Qoratou-Camp.

© Emily Kinsley

Dresden. Statt hinunter ins Meer, steigt Andrea Bindel auf einen Lkw. Gerade hat sie als studierte Wasserwirtschaftlerin die Uni verlassen, Meeresbiologin wäre sie gern geworden oder hätte sich dem grauen Feld der deutschen demokratischen Ökologie gewidmet. Doch die DDR ist Vergangenheit und der Erste Irakkrieg samt seinen Folgen Gegenwart.

Arche Nova Alltag in irakischen Flüchtling-Camps

Ihre Arbeit, die sie im Anschluss an ihr Studium in einem Ingenieurbüro angenommen hat, mag die junge Frau. Aber von dort aus die Welt verbessern zu können, erscheint ihr recht unrealistisch. Die Wende ist noch nicht lange her, der Sog des Umbruchs in ganz Europa hält viele ihrer Freunde in Atem, und auch weltweit geschehen solch ungeheuerliche Dinge, dass es unmöglich zu sein scheint, unbeteiligt ein stilles, bürgerliches Leben zu führen.


Entwicklungshelferin Andrea Bindel. (Foto: Sven Ellger)


Vom ersten Hilfskonvoi, den der spätere Arche-Nova-Chef Sven Seifert zusammen mit Freunden organisiert, um kurdischen Flüchtlingen zu helfen, hört Andrea Bindel nur. Beim zweiten ist sie dabei, sammelt zusammen mit ihren Mitstreitern Decken, Kleidung, medizinische Gerätschaften, Medikamente, Wasserfilter, Hygieneartikel, und sie absolviert ihren Lkw-Führerschein. Für die Tour durch elf Länder nimmt Andrea Bindel Urlaub. Nach aufregender Fahrt mit einem ausrangierten NVA-Laster im Irak angekommen, sind die Hilfsgüter rasch an die kurdische Bevölkerung verteilt, doch das Leid ist viel zu groß, um es dabei zu belassen.

Ein halbes Dutzend junger Leute hat sich gefunden, es will mehr tun und konzentriert sich zunehmend auf das Thema Wasser. In Kriegs- und Katastrophengebieten fehlt nämlich genau das: sauberes Trinkwasser. Andrea Bindel ist in ihrem Element, und die Hilfsorganisation im Geiste geboren. Im Jahr 1992 gründet sich der Verein und bekommt seinen Namen „Arche Nova“. „Wir haben erst ein wenig gezweifelt, ob das keine zu christliche Analogie ist und wir dadurch einseitig wahrgenommen werden.“ Heute ist klar: Die neue Arche hat sich genau die Akzeptanz errungen, die sie braucht, um in den 25 Jahren ihres Bestehens 123 Hilfsprojekte in 45 verschiedenen Ländern zu verwirklichen.


Mitarbeiterin des Arche-Teams im Irak bei der Hygiene-Schulung. (Foto: Arche Nova)


Derzeit ist Arche Nova in 14 Ländern aktiv. In Syrien unterstützt der Verein den Schulunterricht für rund 9000 Kinder, in Mali bewässert er 480 Hektar Reisanbaufläche, in Uganda bauen Mitarbeiter sechs Wassertanks für Schulen und Gesundheitszentren, im Erdbebengebiet Ecuador erhalten 2500 Menschen Trinkwasser, im Irak sind Gesundheitsteams für 45000 Dorfbewohner im Einsatz, in Pakistan erhalten Dorfgemeinschaften Trainings für mögliche Evakuierungen im Katastrophenfall. Außerdem fördert die Organisation Projekttage in Schulen, Jugendarbeit und Bildungsangebote für Erwachsene auch in Deutschland und lässt 20 Geflüchtete für die Arbeit in Hilfsprojekten ausbilden.

Laut dem aktuellen Geschäftsbericht hat Arche Nova im vergangenen Jahr 12,4 Millionen Euro eingenommen und davon 9,7 Millionen für Auslandsprojekte, reichlich eine halbe Million für Fluthilfe und knapp 400000 Euro für Bildungsarbeit ausgegeben. Weniger als vier Prozent der Einnahmen fließen in Verwaltung, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit.


Spender erzählen, warum sie regelmäßig Geld für die gute Sache geben:


"Uns hat die Arbeit des Dresdner Vereins von Anfang an imponiert. Das Konzept, nicht nur zu helfen, sondern auch langfristig dafür zu sorgen, dass die Menschen in den ärmsten Regionen dieser Welt ihr Leben verbessern können, gefällt uns. Über eine Pumpenbauaktion in Asien sind wir auf diese einfache Form praktischer Hilfe aufmerksam geworden und unterstützen Arche Nova schon seit 20 Jahren."

Bärbel und Andreas Fiedler (Foto: Sven Ellger)



"Wasserversorgung ist extrem wichtig. Auch das Herangehen, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten, überzeugt uns als Unternehmen schon seit 15 Jahren von Arche Nova. So verzichten wir auf Weihnachtsgeschenke für Partner und Kunden und lassen das Geld lieber Notleidenden zukommen. Außerdem verschenken wir zu Jubiläen Brunnenaktien des Vereins. Es ist doch schön, Anteile an Hilfe zu halten."

Manfred Freimüller, SBS Bühnentechnik GmbH (Fotos: Sven Ellger)



"In unserer Kirchgemeinde Leubnitz-Neuostra hat das Spenden Tradition. Immer am Martinstag sammeln wir Geld, anfangs für das Kinderkurheim Volkersdorf. Seit vier Jahren kommen am 11. November rund 700 Euro für Arche Nova zusammen. Gemeindemitglieder und Anwohner treffen sich zum Gottesdienst und Umzug mit Posaunenorchester, dabei denken sie an die Ärmsten der Welt."

Pfarrer Andreas Horn & Tobias Hanitzsch (Foto: Christian Juppe)



"Wir nutzen die Welt für eine der schönsten Dinge, die sich Menschen gönnen: Urlaubsreisen. Deshalb wollen wir auch etwas zurückgeben. So haben wir nach einem nachhaltigen, transparenten Hilfsprojekt gesucht und sind auf Arche Nova gestoßen. Pro Fluggast spendet unser Unternehmen einen Euro und hilft damit, Brunnen in Myanmar zu bauen. Im Jahr 2016 kamen 4332 Euro zusammen."

Dagmar Pittelkow, SZ-Reisen GmbH (Foto: Sven Ellger)


Für Andrea Bindel wird aus dem ehrenamtlichen Engagement schließlich eine Berufung. Für ein Jahr geht sie als Expertin für Brunnenreinigung und -rekonstruktion in den Kosovo. Durch Munition, Gift, Schutt und auch Leichen sind dort zahlreiche Brunnen unbenutzbar geworden.

Später arbeitet sie im Irak, in Sri Lanka, Kaschmir. Überall kämpft sie gegen zerstörte Trink- und Abwassersysteme. Während eines Arche-Einsatzes in Pakistan lernt Andrea Bindel ihren heutigen Mann kennen. Mit ihm und den gemeinsamen Töchtern fühlt sie sich in seiner Heimat zuhause, inzwischen lebt die Familie in Berlin. Wie lange noch, kann die Entwicklungshelferin nicht genau sagen. Dieser Tage gehen Bilder vom Erdbeben in der Grenzregion zwischen Iran und Irak um die Welt. Eine Katastrophe folgt der nächsten, in quälender Endlosigkeit.

Überblick und Einblick in die Arbeit von Arche Nova:


Spendenkonto Arche Nova: Bank für Sozialwirtschaft; arche noVa – Initiative für Menschen in Not e.V.; IBAN: DE78850205000003573500; BIC: BFSWDE33DRE



Kinder im irakischen Flüchtlings-Camp Qoratou freuen sich über frisches Wasser. (Foto: Arche Nova)