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Mittwoch, 15.11.2017

Lausitzer Wirtschaft in Hochstimmung

So gute Zahlen wie jetzt präsentierten die Industrie- und Handelskammern noch nie. Aber auch nie so ein Alarmzeichen.

Bei der Firma Borbet im Industriegebiet Kodersdorf werden Felgen hergestellt. Die Investition ist nur eine von vielen in der Lausitz.
Bei der Firma Borbet im Industriegebiet Kodersdorf werden Felgen hergestellt. Die Investition ist nur eine von vielen in der Lausitz.

© ronaldbonss.com

Lausitz. Seit sieben Jahren befragen die Industrie- und Handelskammern (IHK) Dresden und Cottbus Lausitzer Unternehmer nach ihrem Befinden, und noch nie waren die Zahlen so gut wie jetzt. Rund 2200 Unternehmen in Ober- und Niederlausitz hatten die Kammern angeschrieben, 617 davon legten ihre Stimmung offen. Das entspricht der Quote der vergangenen Jahre und macht die Umfrage repräsentativ, sagte der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. „Unter den Chefs, die diesmal geantwortet haben, sind viele, die dies auch in den letzten Jahren schon getan haben. Das macht die Zahlen vergleichbar.

So sieht die Lausitzer Wirtschaft aus

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Gut gelaunte Unternehmer geben mehr Geld für Neues aus

56 Prozent der Firmenchefs beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 38 immerhin als befriedigend und nur sechs als schlecht. Im Herbst 2016 hatten 51Prozent der Unternehmer ihre Lage als gut bezeichnet, 41 Prozent als befriedigend, acht Prozent als schlecht. „Seit wir die Konjunktur für den grenzüberschreitenden Wirtschaftsraum Lausitz analysieren, konnten wir noch nie über ein solch positives Stimmungsbild berichten“, freute sich Hamann gestern bei der Vorstellung des Papiers in Bad Muskau. „Ein gewisser Durchbruch scheint sich auch bei den Investitionsplänen abzuzeichnen. Nachdem jahrelang Ersatz und Rationalisierung dominierten, wollen jetzt gut ein Drittel der Unternehmen ihre Kapazitäten ausweiten.“ In Zahlen heißt das, dass 37 Prozent der Firmen mehr Geld als bisher für Investitionen ausgeben wollen. Vor einem Jahr sagten das 27 Prozent der Chefs.

Prognosen eher verhalten – und das hat Gründe

Die Prognosen sind zwar zuversichtlich, verharren aber trotz der insgesamt ausgezeichneten Lage auf dem Niveau des Jahresbeginns. So rechnen 18 Prozent der Befragten in den kommenden Monaten mit günstigeren Geschäftsverläufen, 70 Prozent erwarten gleichbleibende und zwölf Prozent ungünstigere Geschäfte. Sorgen bereiten vor allem die Entwicklung der Arbeitskosten, der Mangel an Fachkräften sowie die Energie- und Rohstoffpreise.

Suche nach Fachleuten wird für Firmen zum Problem

In vergangenen Jahren nannten die meisten Chefs als größte Risiken vor allem die Arbeitskosten sowie die Ausgaben für Energie und Rohstoffe. In diesem Herbst rangiert erstmals eine andere Sorge auf Platz eins der Probleme: der zunehmende Mangel an Fachkräften. Es macht sich bemerkbar, dass nach und nach jene Generation in Rente geht, die beim Start in die Marktwirtschaft in den Dreißigern war. Mehr als 135000 Arbeitnehmer in Ober- und Niederlausitz sind älter als 50 Jahre, aber nicht einmal 25000 jünger als 25. Es fehlen als Lehrlinge und junge Arbeiter die Kinder derer, die vor allem in den 90er Jahren der Arbeit nachzogen und in den Westen gingen. Die Kammern hoffen, dass die Schere zwischen Alt und Jung nicht noch weiter auseinander geht.

So reagieren Unternehmen auf Personalmangel

Besteht Personalmangel, äußern sich die Folgen in erster Linie (72 Prozent) durch eine stärkere Belastung der vorhandenen Belegschaft – zum Beispiel in Form von Überstunden. Bereits heute wirkt sich Personalmangel wachstumshemmend aus. So mussten 53 Prozent der Befragten ihr Angebot einschränken oder Aufträge ablehnen, weil sie nicht genug qualifizierte Mitarbeiter dafür haben. Sechs Prozent der Unternehmer spielen deshalb mit dem Gedanken, ihren Standort zu wechseln.

Mit Vollzeitstellen (92 Prozent) und unbefristeten Verträgen (85 Prozent) kommen die Unternehmen nicht nur den Forderungen der Mitarbeiter entgegen, sie zeigen auch, dass sie an langfristigen Arbeitsverhältnissen interessiert sind. Auch flexible Arbeitszeiten werden mittlerweile von 84 Prozent der Unternehmen angeboten. 37 Prozent der Firmenchefs zahlen übertarifliche Löhne und Gehälter, fast jede zehnte Firma will diese einführen.

Arbeitgeber unterstützen ihre Beschäftigten mehr und mehr auch im privaten Bereich. So werden bei fast drei von vier Firmen Arbeitsmittel wie Computer, Mobilfunkgeräte, Bekleidung oder Dienstfahrzeuge gestellt. 61 Prozent der Unternehmen bieten mittlerweile eine private Altersvorsorge an.