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Lasterfahrer verurteilt

Ein gebürtiger Waldheimer nimmt mit seinem Lkw einem Radfahrer die Vorfahrt. Der stirbt im Krankenhaus.

27.07.2013
Von Helene Krause

Wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr steht der kräftige Döbelner, der in Waldheim geboren wurde, vor Gericht. Immer wieder erklärt er: „Es tut mir leid. Ich wollte das nicht.“

Am 8. Oktober 2012, gegen 14.45 Uhr, fuhr der 46-Jährige mit seinem Lkw und einem Anhänger auf der Autobahn 72. In der Nähe von Penig verließ er die Autobahn. Er fuhr, obwohl sich von links ein Radfahrer näherte, auf die Bundesstraße 175 auf. Der Radfahrer geriet unter die linke Vorderachse des Lkws, direkt zwischen die Zwillingsräder, und wurde schwer verletzt. Er verstarb einen Monat später im Krankenhaus an multiplem Organversagen. Dort hatte er sich mit Bakterien infiziert, die eine Blutvergiftung auslöste.

Wegen des Unfalls erhielt der Angeklagte einen Strafbefehl. Er sollte 8 100 Euro zahlen. Gegen den Strafbefehl erhob er Einspruch. Die Sache landete vor Gericht. Gemeinsam mit seinem Anwalt möchte er das Strafmaß verringern.

„Ich bin an dem Tag an die Abfahrt gekommen“, sagt der Unfallverursacher vor Gericht. „Ich habe ihn erst gesehen, als er schon am Lkw war. Ich habe sofort angehalten.“

Zeugen belasten den Fahrer

Dass der Lkw-Fahrer den Radler nicht gesehen hat, glauben weder Richter Janko Ehrlich noch Staatsanwalt Dennis Michalski. Der Aussage des Beschuldigten widersprechen auch die nachfolgenden Pkw-Fahrer, die Zeugen des Unfalls waren. Alle sahen den Fahrradfahrer von links kommen. Die Straße war trocken und in Ordnung. Es herrschte gute Sicht.

Der Radfahrer erlitt bei dem Unfall schwerste innere Verletzungen, Prellungen und Quetschungen. Ihm musste der rechte Oberschenkel amputiert werden. Noch an der Unfallstelle wurde er wegen eines hämorrhagischen Schocks wiederbelebt.

Auch an dem Kraftfahrer ging der Unfall nicht spurlos vorüber. Noch am Unfalltag musste er sich wegen eines Schocks in ärztliche Behandlung begeben. Er war zwei Wochen krankgeschrieben und musste anschließend psychologisch behandelt werden.

Das Unfallgutachten bescheinigt dem Lkw einen einwandfreien technischen Zustand. Auch das Fahrrad war technisch in Ordnung. Allerdings ließ sich wegen der fehlenden Bremsspuren des Rades (der Radfahrer fuhr ungebremst in den Lkw) eine Fahrgeschwindigkeit des Rades nicht feststellen. Dass der Radfahrer wegen seines starken Übergewichts nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, ist ebenfalls zweifelhaft.

Geldstrafe und Fahrverbot

Während Staatsanwalt Dennis Michalski in seinem Plädoyer die Anklage bestätigt, stellt der Verteidiger, Rechtsanwalt Roland Scholz aus Döbeln, die Erkennbarkeit des Radfahrers infrage. „Selbst Pkws werden übersehen“, sagt er in seinem Plädoyer. Nur die Vorfahrtsverletzung lässt er gelten. „Es war ein Augenblicksversagen. Jedermann kann bei leichtestem Verschulden zum Straftäter werden.“

„Damit ein größeres Mitverschulden des Radfahrers zu vermuten, tue ich mich schwer“, sagt Richter Ehrlich in der Urteilsbegründung. „Dass er die schweren Verletzungen zunächst überstanden hat, grenzt an ein Wunder.“ Er verurteilt den Angeklagten, der weder im Bundeszentralregister noch im Verkehrszentralregister einen Eintrag hat, zu einer Geldstrafe von 5880 Euro. Außerdem wird ihm für einen Monat Fahrverbot erteilt.