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Donnerstag, 17.01.2013

Zwei Kilo Beinkleid

Die Semperoper präsentiert historische Aufnahmen und Raritäten zum Jubiläum von Richard Wagner. Derzeit geht’s um Ritter Lohengrins Hose.

Von Bernd Klempnow

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Zwei Pavillons sind in den Foyers der Semperoper aufgebaut. Im elbseitigen kann man in der ersten, bei einem Brand zerstörten Semperoper Platz nehmen (gr. Foto). Dort steht auch eine Vitrine mit historischen Exponaten – derzeit ein Paar Hosenschuhe der Heldentenöre um 1895. Fotos: Matthias Creutziger
Zwei Pavillons sind in den Foyers der Semperoper aufgebaut. Im elbseitigen kann man in der ersten, bei einem Brand zerstörten Semperoper Platz nehmen (gr. Foto). Dort steht auch eine Vitrine mit historischen Exponaten – derzeit ein Paar Hosenschuhe der Heldentenöre um 1895. Fotos: Matthias Creutziger
  • Zwei Pavillons sind in den Foyers der Semperoper aufgebaut. Im elbseitigen kann man in der ersten, bei einem Brand zerstörten Semperoper Platz nehmen (gr. Foto). Dort steht auch eine Vitrine mit historischen Exponaten – derzeit ein Paar Hosenschuhe der Heldentenöre um 1895. Fotos: Matthias Creutziger
    Zwei Pavillons sind in den Foyers der Semperoper aufgebaut. Im elbseitigen kann man in der ersten, bei einem Brand zerstörten Semperoper Platz nehmen (gr. Foto). Dort steht auch eine Vitrine mit historischen Exponaten – derzeit ein Paar Hosenschuhe der Heldentenöre um 1895. Fotos: Matthias Creutziger

Wer vor 100 Jahren in Dresdens Oper den Helden geben wollte, hatte nicht nur musikalisch eine anstrengende Partie zu stemmen. Der Lohengrin-Sänger beispielsweise wurde, wie es im Text des Chores heißt, als „Ritter mit glänzendem Waffenschmuck“ gewandet. Doch mit Goldhelm, Schwert, Horn, Schild und Kettenhemd war es nicht getan. Dem romantischen Ritterbild folgend, trug der Sänger auch Kettenstrümpfe. Diese sogenannten Hosenschuhe wogen allein schon zwei Kilogramm – „Lohengrin“ war in jeder Hinsicht Schwerstarbeit.

Zu sehen ist so ein originales Beinkleid derzeit in der Semperoper. Diese feiert den Komponisten Richard Wagner zu dessen 200.Geburtstag im Mai nicht nur auf der Bühne, sondern auch mit einer eigenen einjährigen Schau in den Foyers. Zwei begehbare Wagner-Pavillons stehen neuerdings dort.

Im zwingerseitigen Vestibül gibt es eine anheimelige Hörbar mit historischen Wagner-Aufnahmen. Erstaunlich: Die Dresdner Philharmonie und das Leipziger Rundfunksinfonieorchester statt der Staatskapelle hatten nach 1945 einige Platten des eigentlichen Hausgottes der Staatsoper eingespielt. „In der Nachkriegszeit gab es offenbar einen recht unkomplizierten Austausch“, sagt Chefdramaturgin Nora Schmid. Zugleich betont sie, dass die Fremdorchester bei diesen Aufnahmen „stets mit den Sängern, den Dirigenten und den Noten der Staatsoper“ gearbeitet haben.

Im elbseitigen Vestibül wiederum ist die alte Dresdner Oper, wie sie Richard Wagner 1842 bei der umjubelten Uraufführung seines „Rienzi“ und in seiner Zeit als Hofkapellmeister erlebt hat, auferstanden. Mitarbeiter von Werkstätten, Technik und Archiv haben die erste, 1869 abgebrannte Semperoper rekonstruiert inklusive des prächtigen Schmuckvorhangs und Portals.

Der Clou dieses Pavillons sind aber sicher die monatlich wechselnden Raritäten aus dem Fundus der Oper, die hier präsentiert werden. Derzeit ist es eben Lohengrins Beinkleid, das eine ganz eigene Geschichte hat. Es ist ja nicht irgendeine Hose, sondern eine edle, wovon schon das Königliche Hofopern-Siegel im Hosenbund zeugt.

Entstanden ist sie um 1890, und es waren Experten lange am Werk. Denn die Hosenschuhe sind eine feste Strumpfhose, in deren Füßen komplette Lederschuhe eingearbeitet und von außen besohlt wurden. Dann nähte man gut 4200Messingnieten an. Wochen dürfte allein das gedauert haben.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Zumindest zeigt die ebenfalls ausgestellte Fotografie von 1896 einen schmucken, nicht unmännlichen Kammersänger Georg Anthes. Der war der angesagteste Lohengrin-Tenor seiner Zeit. Dresdner Kritiker bescheinigten ihm ein „Material von echtem Heldentenorklange, von Jugendfrische und Biegsamkeit, Wohllaut und Kraft“. Nur hatte der Kammersänger mit diesen edlen Rüstfüßen so seine Probleme.

Damals wurden Kostüme und Schuhe noch nicht für ihren Träger maßgeschneidert. Lohengrin jedenfalls hatte vor 100 Jahren die Schuhgröße 40. Sänger Anthes, kein Mann von zierlichem Wuchs, dürften sie ordentlich gedrückt haben. Eine Aufführung geht schließlich viereinhalb Stunden. Doch das war ja noch zu verschmerzen.

Schlimmer dürfte gewesen sein, dass sich der Star das Kostüm mit Kollegen teilen musste. Der Aufwand, solch ritterliches Kleid mehrfach herzustellen, war zu groß – zugleich gehörte es aber zur offiziellen Uniform der Wagner-Helden jener Jahre. Aber selbst das wäre noch okay gewesen, hätte man damals die schonend reinigenden Mittel und Methoden von heute gehabt. Da es sie nicht gab, und das Kostüm ja keinen Schaden nehmen sollte, dürften die Rüstfüße eher selten frisch gewesen sein.

In der Ausstellung freilich müffelt es nicht. Lohengrins Beinkleid wurde zum Wagner-Jubiläum gelüftet, gewaschen und restauriert.

In loser Folge wird die SZ die Exponate der Richard-Wagner-Schau vorstellen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Hans-Dieter Opitz

    Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich muß wiederholt feststellen, dass die Artikel bei SZ-online entweder nicht oder auch nur verkürzt erscheinen. Das betrifft z.B. Brückenbauer bauen auf und reißen nieder (Nicht) Fischleim für die Fürsten (nicht) Brücke reloaded (fehlt Niederwarthaer Stahlseile...) Zwei Kilo Beinkleid (fehlt das kleine Bild) Mitunter ist es schwer, einen Artikel zu finden. Eine Sucheingabe würde sicher helfen. Die Bezeichnung "Ältere Artikel" ist so ungewiss, dass ich mich nach der alten Fassung mit den Tagesangaben regelrecht sehne vielleicht können Sie Abhilfe schaffen Mit freunddlichen Grüßen Hans-Dieter Opitz, ehemals Sektorenleiter Foto vor Klaus Thiere.

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