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Donnerstag, 06.10.2016

Zukunft der Ostrale weiter ungewiss

Deutschlands drittgrößte internationale Kunstausstellung wird künftig nur noch aller zwei Jahre in Dresden zu sehen sein.

Von Birgit Grimm

Die Plastik „Friendly Fire“ von Heinz Schmöller, ausgestellt auf der Ostrale 2015.
Die Plastik „Friendly Fire“ von Heinz Schmöller, ausgestellt auf der Ostrale 2015.

© dpa

Dresden. Die Ostrale ist das, was Dresden gern sein möchte: Weltoffen, modern, international gefeiert. Die zehnte Ausgabe der drittgrößten internationalen Kunstausstellung in Deutschland ging vor wenigen Tagen mit einem Besucherrekord zu Ende: 25 000 Menschen, 5 000 mehr als 2015, kamen in die Futterställe des denkmalgeschützten Erlweinschlachthofs, um sich aktuelle Arbeiten von Künstlern aus 42  Ländern anzuschauen. Hinzu kommen 17 000 Kunstfreunde, die bereits im Frühjahr einen Ostrale-Ableger in Breslau bewunderten und die noch ungezählten Neugierigen, die derzeit in Poznan eine Ostrale-Ausstellung frequentieren. Das mediale Echo auf die Dresdner Schau ist international. Besucher kamen in diesem Sommer aus ganz Deutschland und 25 Ländern weltweit. Mehr als ein Fünftel von ihnen sind sächsische Schüler. Seit es die Ostrale gibt, schafft es zeitgenössische Kunst von gesellschaftlicher Relevanz auf den Lehrplan von Kunstpädagogen in Bautzen und Pirna, Zwickau und Hoyerswerda. Allein das wäre ein triftiger Grund, diese Ausstellung nach Kräften zu unterstützen und gezielt weiterzuentwickeln.

Doch die Realität ist eine andere und die Zukunft ungewiss. Die Ostrale ist chronisch unterfinanziert. Die elfte Ostrale, so gab deren Direktorin Andrea Hilger jetzt bekannt, wird vorerst die letzte am angestammten Ort sein. Die Futterställe und Heuböden müssen saniert werden. „Bis Ende 2017 haben wir eine Nutzungsgenehmigung, danach ist definitiv Schluss“, erklärt Bernd Kugelberg, Schatzmeister des Vereins Ostrale.freunde. In einem Schreiben an Dresdens Stadtpolitiker formuliert der Verein die Hoffnung, dass die Futterställe nach der Sanierung, die nicht vor 2019 beginnt, wieder der Ostrale zur Verfügung stehen und deren institutionelle Förderung erhöht wird. Mit den derzeit 59 000 Euro von der Stadt seien nicht einmal die laufenden Kosten von 225 000 Euro gedeckt. „Projektkosten von 275 000 Euro sind da noch gar nicht eingerechnet“, erklärt Kugelberg.

Wenn Kritiker der Ausstellung vorwerfen, dass sie zu viel Videokunst zeige, sei das auch ein Ausdruck der finanziellen Lage, erklärt Andrea Hilger. Videos lassen sich preisgünstig verschicken. Der Transport einer oder mehrerer großer Skulpturen aber, die im Freigelände für Aufsehen sorgen könnten, sei zu teuer. „Wir können bis heute keine Ausstellungsvergütung an unsere Künstler zahlen und arbeiten selbst seit Jahren größtenteils unbezahlt“, sagt Hilger. Eintritt zahlende Besucher, ehrenamtliche Helfer, Sponsoren und die EU halten die Ostrale am Leben. EU-Fördermittel gibt es aber nur, weil die Ostrale europaweit Projekte realisiert. Das kostet Kraft und Kreativität, die hier gebraucht werden.

.„Unter einer Million Euro wird nirgendwo sonst eine Ausstellung dieser Größenordnung realisiert“, sagt Andrea Hilger. „Wir wollen die Ostrale weiterentwickeln. Angesichts der ständigen Unterdeckung ist jedoch aus heutiger Sicht keine Fortführung, geschweige denn weitere Professionalisierung möglich“. Deshalb wird die Ostrale in Dresden zur Biennale und ab 2017 nur noch aller zwei Jahre stattfinden. In den Jahren dazwischen will Andrea Hilger mit ihrem Team internationale OstraleProjekte realisieren.