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Yücel bekommt Leipziger Medienpreis

Wer in der Türkei kritisch berichten will, lebt gefährlich. Zahlreiche Journalisten sitzen dort in Haft. Die Autorin Asli Erdogan war selbst im Gefängnis. Nun bekommt sie in Leipzig einen Medienpreis. Der andere Preisträger ist noch hinter Gittern.

06.10.2017

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Der Türkei-Korrespondent der „Welt“, Deniz Yücel.

© dpa

Leipzig. Die türkische Autorin Asli Erdogan leidet nach eigenen Angaben noch immer unter ihrer Haftzeit in einem Gefängnis in der Türkei. „Gefängnis ist wie Krieg“, sagte sie am Freitag in Leipzig. Die Erinnerung daran bleibe ein Leben lang. Der diesjährige Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien der Medienstiftung der Leipziger Sparkasse geht an Erdogan und den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel. Yücel konnte den mit 30 000 Euro dotierten Preis nicht persönlich entgegennehmen, weil er seit Monaten wegen des Vorwurfs, Terroristen unterstützt zu haben, in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt.

Der Leipziger Medienpreis wird jährlich Menschen oder Institutionen verliehen, die sich mit hohem persönlichen Einsatz für eine objektive Berichterstattung einsetzen.

Asli Erdogan hatte über die Haftbedingungen in türkischen Gefängnissen und die Unterdrückung der Kurden berichtet. Die in Istanbul geborene Schriftstellerin, die auch als Kolumnistin der kurdischen Tageszeitung „Özgür Gündem“ gearbeitet hatte, war unter anderem wegen Volksverhetzung mehrere Monate in der Türkei in Haft. Schwer krank wurde sie im Dezember freigelassen. Erst vor wenigen Wochen wurde eine Ausreisesperre gegen sie aufgehoben.

„Im Gefängnis habe ich vor allem durch die Unterstützung aus Europa meine Kraft erhalten können“, sagte Erdogan. Warum sie ausgerechnet jetzt - kurz vor der Preisverleihung - die Türkei habe verlassen dürfen, wisse sie nicht. „Ich verstehe nicht, was in diesem Land passiert.“ Sicher sei aber: „Meine Freiheit habe ich der internationalen Solidarität zu verdanken“, sagte Erdogan.

Für Yücel sprach in Leipzig seine Schwester Ilkay. An den Haftbedingungen habe sich nichts verändert - noch immer werde der Journalist ohne Anklage in einer Einzelzelle festgehalten.

„Die Liste unserer türkischen Preisträger wird immer länger“, sagte Harald Langenfeld, Vorstandsvorsitzender der Medienstiftung Leipzig. Das zeige, wie prekär die Lage derer sei, die in der Türkei die freie Rede verteidigten. Im vergangenen Jahr bekamen Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“, und sein Kollege Erdem Gül den Preis. (dpa)