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Donnerstag, 14.09.2017

Wunderwaffen, schnell herbei!

Ist die Ausstellung „Gewalt und Geschlecht“ nur ein Phantom? Am Donnerstag sollte sie im Militärhistorischen Museum in Dresden eröffnet werden.

Von Birgit Grimm

Das Militärhistorische Museum in Dresden
Das Militärhistorische Museum in Dresden

© dpa

Dresden. Diese Nacht sollte eine besondere werden: „Spektakuläre Militärtechnik steht neben der neuen Sonderausstellung zum Thema ,Gewalt und Geschlecht‘“, so heißt es im Programmheft der Dresdner Museumsnacht. Eine Kuratorenführung durch die neue Schau wollte sich mit den Klischees „aggressiver Mann und friedfertige Frau“ auseinandersetzen. In einem zweiten Rundgang sollten internationale Künstler anhand ihrer Arbeiten im Hause und im Außengelände am Olbrichtplatz ihre Sicht auf Militärgeschichte, Sex und Gender mit dem Publikum diskutieren.

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr hat sich mit „Gewalt und Geschlecht“ erneut ein schwieriges, wichtiges und zugleich publikumsträchtiges Thema vorgenommen. Es soll nach Museumsangaben die größte Sonderschau seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 2011 werden. Am Donnerstag sollte die Vernissage sein. Doch kurz vor dem Höhepunkt herrscht Funkstille. Kein Hinweis auf der Website. Hat sich die fast fertige Ausstellung etwa klammheimlich in Luft aufgelöst?

Auch Beteiligte wie die Autorin Elisabeth Pfister sind ratlos: Sie schrieb für den Katalog, der im Dresdner Sandstein Verlag auf sein Erscheinen wartet, einen Essay über Frauen, die sich zu Schwerverbrechern hingezogen fühlen. Die Ausstellungsmacher hatte Pfister mit einer Dame bekannt gemacht, deren Liebesbriefe an einen Inhaftierten zu sehen sein sollen. „Es war eine tolle Kooperation“, sagt Elisabeth Pfister. „Ich bekam einen korrekten Vertrag und ein ausführliches Katalogkonzept. Alles war, wie es sein soll. Allerdings fand ich es schon ein wenig verwunderlich, dass für so eine Schau im Vorfeld keine Werbung gemacht wurde. Allmählich frage ich mich: Ist diese Ausstellung etwa ein Phantom?“ Das ist sie sicher nicht. Aber wurde sie nun komplett abgesagt oder nur verschoben? Und wenn ja, warum? Erst auf hartnäckiges Nachfragen der Sächsischen Zeitung gab das Museum am Mittwoch Antworten.

Jan Kindler, Kommunikationschef des Museums, sagte: „Aus technischen und baulichen Gründen konnten wir den geplanten Termin nicht halten.“ Einen neuen Termin gebe es noch nicht, aber in Bälde, also im Herbst, aller Voraussicht nach vielleicht sogar im Oktober, könne die Ausstellung eröffnet werden.

Gemunkelt wird allerdings auch von Budgetüberziehungen und internen Querelen. Außerdem ist der Wissenschaftliche Leiter des Hauses, Gorch Pieken, der auch diese Ausstellung kuratierte, zurzeit nicht in Dresden zu erreichen. Er ist in Berlin-Gatow zugange, der Luftwaffen-Zweigstelle des Bundeswehrmuseums. Strafversetzung eines Zivilangestellten? Wohl eher eine dringend notwendige Rettungsaktion für die Museumsnacht am Sonnabend. Denn ein Ungemach kommt selten allein: Die historische Messerschmidt 262 will nicht mehr fliegen. Damit löste sich auch die zweite Attraktion der Museumsnacht in Luft auf. „Sie ist defekt, das Risiko für die Piloten ist zu groß“, erklärt Kindler. Sicherheit geht vor. Die angekündigte Flugschau auf dem Freigelände wurde gecancelt.

Das Museum hat stattdessen nun eine Kabinettausstellung unter dem Motto „Wunderwaffen?“ herbeigezaubert und aus Gatow fliegende Geschosse aus der NS-Zeit wie eine V 1 oder eine Lenkbombe namens FritzX nach Dresden geholt. „Der wissenschaftliche Hintergrund für diese kleine Sonderschau ist in der Dauerausstellung ja mit der V 2 schon vorhanden. Sonst hätten wir das in der Kürze der Zeit nicht gepackt“, sagt Kindler.

Auf die Sonderschau „Gewalt und Geschlecht“ will man in der Museumsnacht mit der Fassadenprojektion „Violence in motion“ aufmerksam machen. Auch ohne die geplanten Höhepunkte wird es gewiss nicht langweilig werden in der Museumsnacht am Olbrichtplatz.

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