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Donnerstag, 16.02.2017

Wohin nur mit all dem Geld?

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in Deutschland immer größer. Eine Doku auf 3sat beschäftigt sich damit.

Von Klaus Braeuer

Auf der Messe „Masters of Luxury“ können sich Interessierte mit Luxusgütern eindecken. Hier gibt es auch einen Fernseher aus purem Gold – für schlappe sechs Millionen Euro.  ZDF/Docuvista
Auf der Messe „Masters of Luxury“ können sich Interessierte mit Luxusgütern eindecken. Hier gibt es auch einen Fernseher aus purem Gold – für schlappe sechs Millionen Euro. ZDF/Docuvista

© zdf und docuvista filmproduktion

Vom Tellerwäscher zum Millionär – diesen Traum kann heute kaum noch jemand verwirklichen. Wer schon viel Geld hat, wird es vermehren und vererben, wer wenig hat, wird weiterhin wenig haben. So ist es in der Regel. Oder kann man Vermögen umverteilen und Ungleichheit vielleicht sogar ganz beseitigen? Darum geht es in der Doku „Arme Reiche“, die am Donnerstag auf 3sat zu sehen ist.

Was macht der Reichtum mit dem Einzelnen und was mit der Gesellschaft? Die Wissenschaft hat sich bislang wesentlich mehr mit der Armut beschäftigt, doch nun betrachtet sie die Wohlstandsverteilung zunehmend als Ganzes. Lediglich zehn Prozent der Haushalte in Deutschland verfügen über die Hälfte des Privatvermögens.

Eine Million Millionäre und rund 120 Milliardäre gibt es in Deutschland, im Durchschnitt sind sie 59 Jahre alt und überwiegend männlich, so heißt es in der Dokumentation. Thomas Druyen hat an der Wiener Sigmund Freud Privatuniversität den einzigen Lehrstuhl für Vermögenspsychologie gegründet, und er hat fast 500 Multimillionäre und Milliardäre in Deutschland interviewt, deren Netto-Vermögen durchschnittlich 2,3 Millionen Euro beträgt. Druyen will wissen, wie sehr das Geld diese Menschen verändert. Auf der Millionärsmesse in Amsterdam könnte er einen Strampelanzug mit Diamantknöpfen für 15 000 Euro kaufen – ein Schnäppchen für jemanden, der sonst schon alles hat. Die Unternehmerin Marie-Christine Ostermann hingegen lebt vornehmlich für ihren Betrieb, zeigt, dass sich harte Arbeit auszahlt.

Die Millionenerbin Kirsten Schubert erzählt, dass sie im Laufe ihres Lebens misstrauischer geworden sei: „Ich überlege mir schon, mit wem ich in Kontakt trete und wem ich wirklich vertrauen kann.“

Der Film von Franca Leyendecker und Daniela Hoyer ist fundiert recherchiert und bietet viele Daten und Zahlen. Die Autoren gelangen zu dem Schluss, dass vielen Menschen Altersarmut drohe und der Gesellschaftsvertrag auf Dauer so nicht mehr funktionieren könne. (dpa)

„Arme Reiche“, 20.15 Uhr, 3sat