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Montag, 16.04.2018

Wo die Rache wohnt

Im jüngsten Franken-Tatort rastet Theaterstar Dagmar Manzel als Kommissarin aus.

Von Rainer Kasselt

Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) rätseln, woher das Armband am Handgelenk der Toten stammen könnte.
Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid), Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) rätseln, woher das Armband am Handgelenk der Toten stammen könnte.

© BR/Luis Zeno Kuhn

Endlich zwei Kommissare, die gut miteinander können und sich nicht ständig in den Haaren liegen. Paula Ringelhahn ist eine herbe, bodenständige und leidenschaftliche Polizistin, in der DDR sozialisiert, seit Jahren bei der Nürnberger Mordkommission. Sie handelt oft spontan, liebt Harmonie und Humor. Felix Voss, Heißsporn aus Hamburg, kommt gern ironisch durch die Hintertür, irritiert mit schlaksigem Charme Frau wie Feind. Im Verhör haut er auf die Pauke und wechselt übergangslos zu Flötentönen. Voss steckt nicht den Chef raus. Ein sympathisches, sich ergänzendes Ermittlerpaar. Ideal besetzt mit Dagmar Manzel, 59, und Fabian Hinrichs, 43. Die Idee dazu hatte Autor-Regisseur Max Färberböck. Er inszenierte 2015 den ersten Franken-Tatort mit den beiden Ausnahme-Schauspielern. Eine Ballade von Untreue und Mord. Der vierte gemeinsame Fall des Duos, der Tatort „Ich töte niemand“, stammt wieder aus Färberböcks Feder. Ein ungleich härterer Krimi. Zwei Libyer, seit 15 Jahren in Deutschland zu Hause, werden brutal erschlagen. Der Täter ist ein klischeebehafteter Ausländerfeind, im Hintergrund zieht ein elitärer deutscher Herrentyp die Fäden.

Es geht in diesem bis in kleinste Rollen stark besetzten Film um Ehre, Würde und Anstand, um den fatalen Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt. Der angesehene Erlanger Uni-Assistent Ahmad, Ziehsohn der Opfer, wird von islamistischen Fundamentalisten gedrängt, deren Tod zu rächen. Er übt die Tat brutal aus. Eine gespenstische Szene das Zusammentreffen des jungen Arabers mit dem rechten Herrenmenschen. Jener meint, Geist von seinem Geiste zu erkennen: „Sie wissen noch, was es bedeutet, für eine Überzeugung einzustehen.“ Eine zweite dramatische Duell-Szene ist die Auseinandersetzung von Paula Ringelhahn mit der Tochter des Rechten. Diese hat ihren Mann, den Polizisten Leitner, als angeblichen „Verräter an den Werten der Familie“ mit einem Medikamentenmix in den Tod gejagt. Paula liebte Leitner und rastet total aus. Sie foltert die Mörderin und will sie umbringen – in besinnungsloser Wut von Dagmar Manzel und höhnisch kalt von Ursula Strauss gespielt.

Dieser in schwarzen Farben und viel Schattenlicht gehaltene Film zeigt eindringlich, wie rasch vernunftbegabte Menschen durch überkommene Ehrbegriffe oder emotionale Extremsituationen aus der Bahn geschleudert werden können. Egal, welcher Herkunft sie sind.

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