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Samstag, 13.01.2018

Wird Facebook wieder zum Gute-Laune-Bär?

Das Unternehmens will private Nachrichten besser platzieren. Das mobilisiert prompt Kritiker.

Von Carsten Rave

© dpa

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Facebook-Pläne kritisiert, die Nachrichtenströme auf seiner Plattform zu ändern. „Ich halte die Facebook-Maßnahme für problematisch“, sagte Sprecher Hendrik Zörner am Freitag. „Facebook ist als Kommunikationsmedium von hohem Stellenwert und hoher Bedeutung. Aber das eigene Kommunikationsspektrum auf den Gute-Laune-Bär zu reduzieren, geht an der Bedeutung von Facebook und der Kommunikation von Menschen schlechthin vorbei.“

Facebook-Gründer Zuckerberg hatte in der Nacht zu Freitag angekündigt, dass die Nutzer künftig mehr Beiträge von Freunden und der Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen sollen. „Facebook ist kein journalistisches Medium“, sagte Zörner weiter. „Spätestens jetzt wird deutlich: Verlässliche Informationen kommen nur von Medien. Das ist der Nebeneffekt dieser neuen Veränderung.“

Am Donnerstag hatte der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm vorgeschlagen, eine gemeinsame Plattform von privaten Verlegern und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu gründen, um den US-Giganten wie Facebook und Google einen Teil der Marktmacht zu nehmen. Zörner: „Ich warne nur vor allzu großer Euphorie, denn es ist nicht zu unterschätzen, dass viele Menschen überzeugt werden müssen, dass es nicht reicht, sich allein bei Facebook zu informieren.“

Facebook habe sich zu einem wichtigen Lieferanten von Nachrichten und Informationen für die Nutzer entwickelt, schreibt der US-amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis in einem Blog-Beitrag. Facebook könne seine Verantwortung nicht einfach aufkündigen, die die Plattform als wichtiger Lieferant von Nachrichten und Informationen in der Gesellschaft inzwischen eingenommen habe. Es sei zu befürchten, dass die ursprünglichen Sorgen von Medienunternehmen wahr würden, dass ihnen der Teppich unter den Füßen weggezogen werde.

Er sei zuversichtlich, dass Facebooks Bemühungen, sinnvolle Interaktionen fördern zu wollen, letztlich „zu mehr Höflichkeit in unseren Gesprächen führen könnte, die die Gesellschaft dringend braucht“, schreibt Jarvis. „Die Frage ist: Wird Facebook Höflichkeit, Intelligenz und Glaubwürdigkeit oder bloße Konversation schätzen und messen?“ Er würde sich wünschen, dass Facebook die Qualität von Nachrichten befördern werde. (dpa)

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