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Dienstag, 21.03.2017

Wirbeln in neuer Dimension

Die Breakdancer von The Saxonz planen ein eigenes Tanzzentrum. Es könnte sofort losgehen. Nur ein Problem gibt es.

Von Henry Berndt

Santana Süßenbach ist erst seit wenigen Wochen im Breaking-Kurs dabei. Von Felix Roßberg hat sie sich schon einige Schritte abgeschaut.
Santana Süßenbach ist erst seit wenigen Wochen im Breaking-Kurs dabei. Von Felix Roßberg hat sie sich schon einige Schritte abgeschaut.

© Sven Ellger

Wer weiß, vielleicht wird ja auch aus Otto mal ein richtiger „Saxon“, wenn er groß ist. Der Elfjährige ist erst seit einem Jahr beim „Breaking“ dabei, wie es die Insider nennen, dreht sich aber schon spektakulär kopfüber auf den Händen. Auch die „Pretzel“ hat er drauf, zieht das ausgestreckte Bein durch ein angewinkeltes. Rossi zeigt ihm, wie er die Schritte noch ergänzen kann. „Jeder soll an seinem eigenen Stil arbeiten“ , sagt der Kursleiter. Wann immer Otto kann, ist er bei den Kursen der Saxonz im Kinder- und Jugendhaus Emmers in Pieschen dabei. Und auch zu Hause tanzt der Fünftklässler vom St.-Benno-Gymnasium. „Ich schmeiß einfach die Mugge an und los geht’s“, sagt er.

Es sind Typen wie Otto, für die Felix „Rossi“ Roßberg (28) und Philip „Lehmi“ Lehmann (29) von den Saxonz das hier alles machen. Ihre Kurse für zwei Altersgruppen an drei Tagen in der Woche sind restlos ausgebucht. Insgesamt sind es 60 Teilnehmer. Schon seit Monaten werben die Saxonz nicht mehr. „Wir sind an einem Punkt, wo wir nicht mehr weiterkommen“, sagt Lehmi. „Dabei haben wir so viele Ideen.“ Um die umsetzen zu können, bräuchte die Gruppe eigene Räume, die sie Montag bis Sonntag 24 Stunden täglich nutzen kann. Ein eigenes Tanzzentrum in Dresden, das wäre ihr Traum. Alle ihre Kursteilnehmer könnten sie mit dort hinnehmen und gleich noch ein paar Talente aus den Schulen. „Obwohl es so etwas wie Talent für mich gar nicht gibt“, sagt Lehmi. „Sondern nur Fleiß und Ehrgeiz.“

Am Anfang soll natürlich das Breaking im Mittelpunkt des Tanzzentrums stehen. „Wir kommen aus der Szene und haben die meiste Erfahrung“, sagt Lehmi. Seit acht Jahren gibt er Kurse, weiß inzwischen nicht nur, was er weitergeben will, sondern auch wie. In Sachsen gebe es nur eine Handvoll Leute, die das Breaking in dieser Qualität lehren könnten, gibt er selbstbewusst zu Protokoll. Die meisten davon seien Teil der Saxonz, jener 2013 gegründeten Tanzgruppe, die in den vergangenen Jahren zweimal inoffizieller Deutscher Meister wurde und die zuletzt auch durch einen grandiosen Imagefilm für das Bundesland Sachsen und ihren Auftritt beim offiziellen Festakt des Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden bekannt geworden ist.

Die Idee mit dem Tanzzentrum ist etwa zwei Jahre alt. Seitdem sind Lehmi und Rossi, zwei der Köpfe und Urgesteine der Saxonz, auf der Suche nach einem geeigneten „Second Home“, wie sie es nennen. Ihrem zweiten Zuhause. „Wir werden dort mit Sicherheit einen großen Teil unserer Zeit verbringen“, sagt Rossi. „Deswegen muss neben dem Platz auch das ganze Flair stimmen.“ Eine alte Industriehalle wäre dafür perfekt. Solange es zumindest Wasser und Strom gibt, würden sich die Tänzer um alles andere selbst kümmern. Mitbringen würden sie zunächst nur ein paar Matten und einen 15 mal 10 Meter großen Sprungboden, der bis dahin noch bei Rossis Eltern eingelagert ist.

„Sobald wir den Raum haben, könnte alles ganz schnell gehen“, sagt Lehmi. Und Hilfe naht. Bei einem Auftritt in der Saloppe lernten er und Rossi jüngst die Macher von „Lass es uns tun“ kennen. Dahinter steckt eine Initiative junger Leute, die gemeinsam Projekte in Dresden fördern will und dabei Leute zueinander bringt, die voneinander profitieren können. Über „Lass es uns tun“ sind die Saxonz so an ihren „Mentor“ Daniel Senf gekommen, einen jungen Geschäftsmann, der bereits mehrere Firmen gegründet hat. Er will den Saxonz bei ihren ersten Schritten in der freien Wirtschaft helfen. „Das find ich megafett“, sagt Lehmi. „Von der ganzen BWL haben wir ja bislang null Plan.“

Dass sie dagegen Plan von guter Jugendarbeit haben, bewiesen sie erst am Sonntag wieder beim „Saxonz Dance Off“ im Festspielhaus Hellerau. Nachwuchs-Tänzer aus ganz Sachsen standen sich dort in Battles gegenüber, gefeiert von Hunderten Zuschauern. Natürlich war auch Otto am Start. Auf der Tanzfläche.