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Wir sind hier nicht bei den Indern

Nicht Hautfarbe oder Herkunft halten uns zusammen, sondern unsere gemeinsame Kultur.

10.06.2016
Von Werner J. Patzelt

hier nicht bei den Indern
Unser Autor: Werner J. Patzelt

© Ronald Bonß

Ob es Franzosen wohl gerne hören, wenn man ihr Volk eine „Promenadenmischung“ aus Kelten, Romanen und Germanen nennt? Und wäre es nicht herabsetzend rassistisch, hieße man die Mexikaner eine „Promenadenmischung“ aus Azteken und Spaniern? Nun ja, der besorgte Bürger Bittner meinte ja nur die Deutschen. Über diese notorischen Rassist*inn*en wird man schon herablassend reden dürfen, nicht? Zumal wir ja wirklich eine Mischung sind: im Süden und Westen aus den Nachkommen von Kelten und Romanen, überall natürlich von Germanen, im Osten auch von Slawen – und inzwischen bunter denn je mit vielen Deutschen türkischer, iranischer, ostasiatischer, arabischer und afrikanischer Abstammung. Vielleicht nennen wir das Ergebnis unverfänglich eine „bundesrepublikanische Biodiversität“, gern auch die „bundesdeutsche Bevölkerung“ – doch bitte nicht, da latenznazistisch, „das deutsche Volk“.

Was verbindet uns? Das Aussehen wohl nicht. Zwar sind noch immer viele Deutsche weiß oder braun, Letzteres wegen Urlaub, Sonnenstudio oder politischer Gesinnung. Doch natürlich können Deutsche auch schwarz, rot oder gelb sein – wie unsere Nationalfarben. Zwar sind die vietnamesischen Deutschen, vorbildlich integriert, nicht wirklich gelb. Auch „Rote“ gibt es mehr bei Karl May oder in der deutschen Politik, als man am Aussehen erkennen kann. Doch die schwarzen Deutschen sind unübersehbar und nicht bloß bei der CSU. Die Beispiele reichen vom afrokubanischen Deutschen Roberto Blanco über den Berliner Jérôme Boateng bis zum in München geborenen Schauspieler und CDU-MdB Charles Huber.

Zweifellos sind wir alle das deutsche Staatsvolk – wir Afrodeutschen, Arabodeutschen, Sinodeutschen, Turkodeutschen, Slawodeutschen, Germanodeutschen. Und natürlich ist ein Deutscher mit heller Haut kein besserer Deutscher als einer mit dunkler Haut. Wir sind ja nicht bei den Indern mit ihrem einst auch an der Hautfarbe orientierten Kastenwesen. (Ups, hoffentlich war das jetzt nicht zuuu rassistisch …).

Was aber hält uns nachhaltig zusammen? Am besten nicht nur eine gemeinsame Sprache, sondern auch eine – bei aller Vielfalt – gemeinsame Kultur. Und gemeinsame Liebe zum gemeinsamen Land. Also Patriotismus. Gerade Patriotismus. Gerade in einer Einwanderungsgesellschaft.

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