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Samstag, 02.01.2016

Wind im Gesicht

Statt im ARD-Studio zu stehen, reist Sven Plöger für eine zweiteilige Doku an die Orte, an denen unser Wetter entsteht.

Von Jürgen Ruf

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Sven Plöger versteht es, Wetterlagen anschaulich zu erklären: Hier demonstriert der ARD-Wettermann das „Genua-Tief“ – mit einem nassen Schwamm als Wolke und der Menükarte als Alpenkette.
Sven Plöger versteht es, Wetterlagen anschaulich zu erklären: Hier demonstriert der ARD-Wettermann das „Genua-Tief“ – mit einem nassen Schwamm als Wolke und der Menükarte als Alpenkette.

© swr/christian zecha

Sven Plöger redet über Wind und Wetter. „Das ist meine Leidenschaft“, sagt der 48-Jährige. Und es ist sein Beruf. Plöger ist Wetterexperte der ARD, er macht und präsentiert im Ersten täglich die Wettervorhersagen. Für die zweiteilige Reportage „Wo unser Wetter entsteht“ hat er das Fernsehstudio nun verlassen und reist für jeweils 45 Minuten an die Orte, von denen das Wetter zu uns kommt.

„Dass sich die Hochs bei den Azoren bilden und die Tiefs bei Island, das wissen wir“, sagt der Diplom-Meteorologe und TV-Moderator. „Aber wieso gerade dort, wie sieht es dort aus, und was erleben die Menschen dort mit ihrem jeweiligen Wetter? Das wollte ich mir vor Ort anschauen.“ Es sei eine Reise geworden zu den Regionen, die man meist nur von der Wetterkarte kenne: Die Heimat der Hochs und Tiefs.

Plöger fuhr mit seinem Kamerateam auf die Azoren, die portugiesische Inselgruppe im Atlantik, die mit windigem und wechselhaftem Wetter von sich reden macht. Er reiste nach Island, tourte unter anderem nach Genua und Grönland. Mit der Doku macht er das Wetter nicht nur sichtbar, er wagt auch Selbstversuche – und stellt sich im Windkanal in eine Brise mit 212 Kilometern pro Stunde. Das war der gemessene Spitzenwert des Orkans Lothar zu Weihnachten vor 16 Jahren, erfasst auf dem Feldberg im Schwarzwald. In Wirklichkeit war der Wert höher, sagt Plöger. Doch bei 212 km/h fiel der Strom aus, die Messung stoppte. Im Windkanal spürte der Fernsehmann die Kraft. „Es ist ein Druck von 400 Kilogramm auf den Körper“, sagt er. „Eine beeindruckende Erfahrung.“

„Ziel der Doku ist es, Menschen für das Wetter zu begeistern, zu unterhalten und Zusammenhänge zu erklären, beispielsweise den Klimawandel sowie die Auswirkungen des Wetters auf unser Leben, unsere Gesellschaft und unsere Zukunft“, sagt Rolf Schlenker, SWR-Wissenschaftsjournalist. Plöger sei dafür der beste Mann. „Er ist seit fast 17 Jahren das Gesicht des Wetters im Ersten. Er weiß, wovon er redet.“

Plöger selbst nennt es „Bildungsfernsehen ohne Zeigefinger, Wissenschaftsdoku mit Spaßfaktor und Aha-Effekten“. Der Film zeige „Land und Leute“ – und nicht nur eine an die Wand projizierte Wetterkarte. Dort steht der in Ulm lebende Meteorologe weiterhin. Im Ersten sowie in den dritten Fernsehprogrammen von SWR, WDR, NDR und RBB sagt er, wie das Wetter wird – von Bad Säckingen im Süden bis nach Finsterwalde im Osten und Oldenburg im Norden.

„Ich freue mich über jedes Wetter“, sagt er. Ein „Sonnenjäger“ sei er nicht, im Gegenteil: Er mag den Regen. Und wünscht sich für das nasse Wetter ein besseres Image: „Ich kann nicht behaupten, dass Regenwetter schlechtes Wetter wäre. Denn ohne Regen gibt es kein Leben und ohne Wolken kein Wetter.“ Der Regen sei „das ehrlichste und wichtigste Wetter, das es gibt“.

Bei Arte lief Plögers Wetterreportage bereits Ende November, nun kommt sie in der ARD zur besten Sendezeit. Im Fernsehen gehören die Wettervorhersagen zu den meistgesehenen Sendungen, so der SWR. Beim „Wetter im Ersten“ vor der abendlichen Tagesschau und in den Tagesthemen schauen im Schnitt zwei bis drei Millionen Menschen zu. (dpa)

Zweiteilige Reportage „Wo unser Wetter entsteht“, 2. und 3.1., jeweils 19.15 Uhr, ARD

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Hardy6712

    Richtig mieses Wetter auch ohne viele Worte wirklich schön zu machen, gelingt eigentlich nur Claudia Kleinert;-)

  2. Nina S.

    Gehören diese Reisen auch zur Grundversorgung, für die die Fernsehgebühr eingetrieben wird?

  3. md

    Super Sendung! Vor allem, wenn man schon an einigen dieser Orte war. Allerdings für manche doch zu hoch, siehe 2. Aber für solche gibt's ja als Ersatz kostenloses Kloppi-TV. :-)

  4. Georg

    @3, was ist am Beitrag 2 falsch? Wozu müssen Gelder verschwendet werden für Dinge die niemand braucht? Ich sehe morgens wie das Wetter ist, da brauche ich nicht reisenden Wetteransager.

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