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Montag, 12.02.2018

Willkommen, bienvenue, welcome!

In Zittau zeigt man „Cabaret“. Das Stück spielt vor 85 Jahren und ist doch brennend aktuell.

Von Jens Daniel Schubert

Ein aktueller Satz: „Wir sind die Alternative für Deutschland“. Ernst Ludwig sagt ihn, der für die Bewegung Geld aus dem Ausland schmuggelt. Die Bewegung, die die Macht ergreift und, das wissen die Zuschauer, Krieg und Vernichtung in ungeheurem Ausmaß bringt. Am Wochenende hatte „Cabaret“ in Zittau Premiere.

Wer eine flotte Revue im Zeitgeist der Zwanziger mit etwas Betroffenheitswürze aus einer längst vergangenen Zeit erwartet hat, wurde bitter enttäuscht. Dass das Premierenpublikum jubelte und sich fast alle im Saal zu stehenden Ovationen erhoben, zeigt, dass Dorotty Szalma, die Zittauer Schauspieldirektorin, längst dafür bekannt ist, die Stücke auf ihre Relevanz fürs Heute zu befragen. Nicht nur dieser Satz „Wir sind die Alternative für Deutschland“ aus dem Mund eines Nazis, der Fräulein Schneider ganz freundschaftlich abrät von ihrer Ehe mit diesem echten „Mischnik“, der halt Jude ist und kein Deutscher, zeigt heutigen Bezug. Es ist die Gesamtsituation, die beschrieben wird und die betroffen macht. Die politische Verdrossenheit, diese Es-ist-nicht-so-schlimm-Mentalität, die heimeligen Volkslieder, die zum Marsch werden. Mit letzterem geht es in die Pause, die Fahne mit dem Hakenkreuz glüht auf und dem Publikum verschlägt es den Applaus.

Die Kit-Kat-Band sitzt im halbhohen Orchestergraben, der in der Mitte mit einem Podest überbaut ist. Die Band aus fünf Musikern erzeugt einen kargen, aufrüttelnden Sound, der eher an Weill denn an Broadway erinnert. Alle Hits kommen, nachdem der Conférencier alle mit „Willkommen...“ begrüßt hat. Jeder Darsteller macht seine Rolle zu etwas ganz Persönlichem, abseits der großen Vorbilder und doch in Spiel, Gesang und Tanz überzeugend.

Wieder: am 16., 18., und 24. 2., 16. und 17. 3. und 2. 4.; Kartentel. 03581 474747

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