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TV-Tipp

Willkommen bei den Honeckers

Erich Honecker ist seit 23 Jahren tot. Um den DDR-Staatschef geht es in einem Fernsehfilm – und um die Zeit nach dem Mauerfall, als fast alles möglich schien.

02.10.2017
Von Jutta Schütz

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Die Frisur sitzt: Margot Honecker (Johanna Gastdorf) wacht eisern darüber, dass kein Fotograf negative Bilder von ihrem Mann Erich Honecker (Martin Brambach) machen kann.

© dpa

Die französische Kinokomödie „Willkommen bei den Sch’tis“ über einen strafversetzten Postbeamten begeisterte einst ein Millionenpublikum. Der Fernsehfilm, der am Einheitstag gesendet wird, knüpft nun zumindest mit dem Titel an die urkomische Satire von 2008 an: „Willkommen bei den Honeckers“.

Erzählt wird die Geschichte des jungen, ostdeutschen Kellners Johann Rummel nach dem Mauerfall, der unbedingt Journalist werden will – „ohne Abitur, ohne Kontakte“. Die Eintrittskarte: ein Interview mit dem früheren SED-Chef Erich Honecker im chilenischen Exil. Tatsächlich kommt der Möchtegern-Reporter 1993 mit Tricks an den schwer kranken Ex-Staatsratsvorsitzenden heran. Er schafft es, Honecker und dessen Frau Margot in ihrem abgeschirmten Haus in Santiago de Chile zu besuchen und Seelenverwandtschaft vorzutäuschen: „Was können wir noch tun, um den Sozialismus zu alter Stärke zu verhelfen?“ Hummel bekommt seine große Story. Doch welchen Anspruch hat der Film mit dem prominenten Sendeplatz am 27. Jahrestag der Deutschen Einheit?

Die ARD kündigt ein „beeindruckendes Schelmenstück“ an. Der Streifen beruht auf der wahren Geschichte eines „Bild“-Journalisten. Die filmische Verdichtung mache die Story nicht unwahrer. „Wir wollen dabei nichts beschönigen, aber auch nicht verurteilen.“ Die Geschichte bleibe ambivalent, genau wie die damalige Zeit.

Und so soll wohl für jeden etwas dabei sein. Ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Freundschaft, aber auch ein bisschen Maueropfer und ostdeutsche Befindlichkeit. „Ich find den Honecker doch auch Scheiße, der hat mir mein Abi verbaut, da ist es doch nur gerecht, wenn ich mir da mal was zurückhole“, meint Jungjournalist Rummel, als sein Freund Maik beim Honecker-Interview nicht mitmachen will – weil es moralisch nicht korrekt sei.

Es gibt im Film etliche Ostklischees, angefangen bei den Hochhaus-Neubauten, über groß gemusterte Tapete in den Wohnungen bis zu düsteren Kneipen. Ironisch gemeint tauchen DDR-Fahnen, geballte Fäuste und Kampflieder im Hintergrund auf. Doch wie glaubhaft ist es, dass der unbedarfte Rummel alle Phrasen der Alt-SED-Funktionäre drauf hat? Auch eine Szene am FKK-Strand darf nicht fehlen. Ach, soll ja eine Komödie sein. Immerhin: Großartig präsentiert sich Schauspieler Martin Brambach in der Rolle des greisen Honecker – mit zuckenden Mundwinkeln, fast brechender Stimme und schlurfendem Schritt. „Diese Lügen, diese vielen Lügen“, seien manchmal nur schwer zu ertragen, murmelt er. „Was wollen diese Menschen jetzt von mir – warum lassen die mich nicht in Frieden sterben?“ Honecker stirbt im Mai 1994 im Alter von 81 Jahren.

Johanna Gastdorf als Margot Honecker trifft genau den eiskalten Blick und distanzierten, misstrauischen Gestus der einstigen DDR-First-Lady. Der Film greift auch eine bekannte Foto-Szene auf. Frau Honecker steht im Garten vor ihrem Haus und versucht, per Wasserstrahl vordringende Fotografen zu vertreiben. „Haut ab, Ihr Aasgeier“, schreit sie. Margot Honecker wurde 89 Jahre alt, sie starb im Mai 2016.

Zum Schluss des Films bemalen zwei Kinder an einer Litfasssäule ein Honecker-Foto. Eines fragt: „Wer ist das überhaupt?“ Die Antwort: „Kenn ich nicht“. Dann rennen sie weg. (dpa)

„Willkommen bei den Honeckers“, 20.15 Uhr, ARD