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Mittwoch, 03.05.2017

Wilde Strichmännchen und wesentlich mehr

Abschied von einer Künstlerlegende: Der Dresdner Maler, Grafiker und Bildhauer A. R. Penck ist tot.

Von Michael Ernst

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A. R. Penck, der eigentlich Ralf Winkler hieß, galt als bedeutender Gegenwartskünstler und Vater der „Neuen Wilden“. Der aus Dresden stammende und von der Staatsmacht ungeliebte Künstler wurde 1980 aus der DDR ausgebürgert. Am Dienstag starb Penck im Alter von 77 Jahren.
A. R. Penck, der eigentlich Ralf Winkler hieß, galt als bedeutender Gegenwartskünstler und Vater der „Neuen Wilden“. Der aus Dresden stammende und von der Staatsmacht ungeliebte Künstler wurde 1980 aus der DDR ausgebürgert. Am Dienstag starb Penck im Alter von 77 Jahren.

© dpa

  • A. R. Penck, der eigentlich Ralf Winkler hieß, galt als bedeutender Gegenwartskünstler und Vater der „Neuen Wilden“. Der aus Dresden stammende und von der Staatsmacht ungeliebte Künstler wurde 1980 aus der DDR ausgebürgert. Am Dienstag starb Penck im Alter von 77 Jahren.
    A. R. Penck, der eigentlich Ralf Winkler hieß, galt als bedeutender Gegenwartskünstler und Vater der „Neuen Wilden“. Der aus Dresden stammende und von der Staatsmacht ungeliebte Künstler wurde 1980 aus der DDR ausgebürgert. Am Dienstag starb Penck im Alter von 77 Jahren.
  • Eines der in Dresden bekanntesten – weil sichtbarsten – Werke Pencks ist die sechs Meter große Bronzeplastik auf dem Dach des art‘otels.
    Eines der in Dresden bekanntesten – weil sichtbarsten – Werke Pencks ist die sechs Meter große Bronzeplastik auf dem Dach des art‘otels.
  • Der in Dresden als Ralf Winkler geborene Künstler A. R. Penck 1995 in Dresden vor der von ihm gestalteten Inneneinrichtung des Art’otels.
    Der in Dresden als Ralf Winkler geborene Künstler A. R. Penck 1995 in Dresden vor der von ihm gestalteten Inneneinrichtung des Art’otels.

Dresden. Jetzt wird gewiss überall das Wort von der Legende bemüht. Ob Feuilletons, Galeristen oder Kunstliebhaber und Künstlerkollegen, bei allen war der Maler A. R. Penck über Jahrzehnte umstritten. Doch nun heißt es Abschied nehmen, da sind die Superlative erlaubt. A. R. Penck, überwiegend als „der mit den Strichmännchen“ bekannt, ist am Dienstag in Zürich verstorben. Das gab gestern Abend seine Kölner Galerie Michael Werner bekannt.

Zur Welt gekommen war Penck 1939 in Dresden unter dem bürgerlichen Namen Ralf Winkler. Längst ist auch dies allgemein durchaus bekannt. Dass der Künstler unter diversen weiteren Alias-Namen wirkte (darunter auch Kurz- und Kürzestformen wie TM und Y), dürfte weniger verbreitet sein. Seine künstlerische Vielfalt jedoch – er war nicht nur als bildender Künstler tätig, sondern auch im Jazz anerkannt – hat ihm bleibendes Ansehen verschafft. Die Wildheit an Schlagzeug, Gitarre und am Piano sowie die an der Leinwand, in der Grafik und bei den plastischen Hervorbringungen des Bildhauers Penck, die hat er wohl schon in seiner Frühzeit mit allen Sinnen aufgesogen und ausleben wollen.

Beizeiten studierte der ebenso kompromisslose wie umtriebige und unangepasste Künstler bei Ausnahmegestalten wie Jürgen Böttcher (Strawalde), der seinen einstigen Schüler nun überlebt. Ein Studium an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste blieb ihm verwehrt, desgleichen in der DDR-Hauptstadt Berlin. Als junger Wilder – obwohl damals noch nicht unter diesem Begriff – tobte er sich in untergründigen Künstlergruppen aus und sorgte mit „szenetypischen“ Beschäftigungen für den Broterwerb. Ob als Briefträger, ob als Heizer, Ralf Winkler wurde für seine ausufernden Bestrebungen um die Suche des Individuums nach einer freien Gesellschaft beizeiten beargwöhnt und staatlich kontrolliert. Schikanen waren an der Tagesordnung, wie der ab 1966 als A. R. Penck agierende Multikünstler in späteren Jahren zu betonen nicht müde wurde.

Bis 1980 hielt es ihn im Arbeiter- und Bauernstaat, durfte gar mehrfach an der Documenta in Kassel teilnehmen, dann wurde er ausgebürgert und startete eine Karriere im Westen. Er lebte zunächst in Köln, später in London und Dublin. Eine Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie verband ihn mit namhaften Künstlerpersönlichkeiten wie Jörg Immendorf, Gerhard Richter, Günther Uecker und weiteren Großmeistern. Bei aller gelebten und künstlerischen Vielfalt, ein Penck ist (fast) immer als Penck zu erkennen. Die Urformen seiner Strichmännchen gehen auf urzeitliche Höhlenmalereien zurück (und sein verbreitetster Künstlername auf den Leipziger Geologen, Geografen und Forscher Albrecht Penck).

Er transferierte diese Kunst als Markenzeichen in eine zeitlose Moderne, von der auch seine Grafik und Plastik kündet. Als unübersehbares Wahrzeichen hat er seiner Geburtsstadt auf dem Dach des art’otels die über sechs Meter hohe Bronzefigur Standart (x) hinterlassen. An die 700 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus verschiedensten Schaffensphasen des Meisters sind in diesem Haus bleibend versammelt.

Das reiche OEuvre Pencks ist heute weltweit in namhaften Museen und Galerien zu bestaunen, darunter auch in der Dresdner Städtischen Galerie. Sein Kunstverständnis sorgte wiederholt für Überraschungen, so auch im Überschreiten vermeintlicher Barrieren hin zum Kommerz. Erinnert sei nur an Pencks automobile Verzierung im Auftrag von BMW.

Künstlerische Bekenntnisse lieferte er immer wieder ab, darunter auch mit teils derben Darstellungen von – überwiegend männlichen – Geschlechtsteilen, Kreuzen und Todessymbolen. Das sorgte bei Sammlern für geschäftiges Treiben, bei passionierten Kunstgängern mitunter für Verständnislosigkeit.

Dass A. R. Penck auch ein dichterischer Kopf gewesen ist, sich mit Essays und Gedichten ebenso eingemischt hat wie mit seinen bildkünstlerischen Arbeiten, bedarf heute noch einer Entdeckung. Legenden haben noch stets nachhaltig gewirkt.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Joachim Herrmann

    Über Kunst kann man, sollte man und muss man streiten (dürfen). Nicht Alles und Jedes ist Kunst und schon überhaupt nicht, was die so genannten "Sachverständigen" als Kunst protegieren. Diesen "Künstler" auf das Podest eines der Größten dieser Zeiten zu erheben, zeugt nur von Einem- Realitätsferne und Größenwahn. Dazu noch die Selbstüberhöhung, zwischen zwei der größten Maler aller Zeiten zu stehen. Kunstgattungen, Stile und deren Vielfalt sind zu allen Zeiten von Zeiten, Geschmack, Intelligenz, politischer Klar- und Weitsicht und nicht zuletzt von Vereinnahmung vom Zeitgeist abhängig. Ich gönne diesem "Künstler" die Ansicht, übrigens "Bewertern" gleichwohl das Strichmännchen ein überzeugender Gewinn von Kunst sein sollen. Diesem zu folgen und dazu noch in solcherart Größenordnung verbietet sich einfach. Nur gut, das auch über "Solches" letztlich nicht das Hier und Heute entscheiden, sondern der gesunde Menschenverstand und die Geschichte. Und, das ist keine Bilderstürmerei!!!

  2. Berg

    Wir waren mit Ralph Winkler lose bekannt im Bühlauer Bad als Studenten. Schon damals galt er als großer Bluffer und Scharlatan. Seine späteren "Werke", von Schweinebraden mit Augenzwinkern gesammelt, repräsentieren einen Pinsler, der mit kleinstem Aufwand größtmögliches Staunen hervorrufen wollte. Später im Westen suchte er weltweit nach Abnehmern für seine Leinwände. Noch größer war sein Drang, die Leute zu veralbern, beim Schlagzeug schlagen. Am Schluss hinter der Bühne: "da hab ich wieder mal alle vera......"

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