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Dienstag, 21.11.2017

Whisky, Gewalt und Zärtlichkeit

In der Komödie „Angels’ Share“ bricht ein junger Schotte aus der Spirale von Raub und Elend aus.

Von Rainer Kasselt

Robbie (Paul Brannigan, r.) muss gemeinnützige Arbeit ableisten. Weil er an seinem ersten Arbeitstag zu spät kommt, wird er von Harry (John Henshaw), dem gutmütigen Betreuer der Gruppe, verwarnt.
Robbie (Paul Brannigan, r.) muss gemeinnützige Arbeit ableisten. Weil er an seinem ersten Arbeitstag zu spät kommt, wird er von Harry (John Henshaw), dem gutmütigen Betreuer der Gruppe, verwarnt.

© © joss barratt/sixteen films

Der junge, jähzornige Robbie kommt vor Gericht mit einem blauen Auge davon. Er hat einen Gleichaltrigen schwer verprügelt. Weil seine Freundin Leonie schwanger ist, brummt ihm der Richter 300 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. Doppeltes Glück für Robbie: Er befreundet sich mit dem schwergewichtigen Betreuer Harry, der ein Herz für den arbeitslosen Glasgower Proletarierjungen hat und ihn unter seine Fittiche nimmt.

Nach der Geburt seines Sohnes schwört Robbie, dass er nie wieder einen Menschen verletzen wird. Er will aus dem Kreislauf von Gewalt, Diebstahl und Elend heraus. Leonie hält zu ihm, obwohl ihre Familie dagegen ist. Eindringlich sagt sie dem stolzen Vater: „Man kriegt nur eine Chance im Leben. Du weißt, was das heißt.“ Er versteht, beim geringsten Rückfall wird Leonie ihn verlassen. Paul Brannigan spielte sich mit dieser Rolle in die Herzen der Kinofreunde.

Die Komödie „Angels’ Share – Ein Schluck für die Engel“ drehte der englische Meisterregisseur Ken Loach 2012. Er gewann bei den Filmfestspielen in Cannes den Jurypreis. Auch diesmal bleibt Loach seinem Anspruch treu und ergreift Partei für die Schwachen und Ausgegrenzten. Mit einem kräftigen Schuss Humor und einer noch stärkeren Dosis Solidarität.

Bei einem Ausflug in eine Whiskydestillerie heckt Robbie einen abenteuerlichen Plan aus. Er hört von einer Veranstaltung im Hochland, wo ein Fass des teuersten Whiskys der Welt versteigert werden soll. Unterstützt von seinen Freunden aus dem Sozialdienst, lässt sich Robbie unbemerkt im Keller einschließen. Nachts füllt er vier Flaschen des teuren Gesöffs aus dem Fass ab und ersetzt die Menge durch billigeren Whisky. Unentdeckt entkommt Robbie mit den kostbaren Flaschen. Nun muss er sie nur noch an einen reichen Kunden bringen – und da passiert ein Malheur.

Als „Angels’ Share“ wird der Anteil des Whiskys bezeichnet, der bei der Lagerung im Fass verdunstet. Wer ihn atmet, sei den Engeln im Himmel ein Stück näher, behaupten die Schotten.

„Angels’ Share“, Mittwoch, 20.15 Uhr, Arte

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