erweiterte Suche
Montag, 13.11.2017 Der Krimi am Sonntag

Wenn’s knallt auf dem Striezelmarkt

Der „Tatort“ aus Dresden war wieder mal nett anzuschauen, stagniert aber in Mittelmäßigkeit. Wie fanden Sie den Film? Stimmen Sie in unserem Voting ab.

Von Heinrich Maria Löbbers

23

Verdächtiger Versicherungsmann: Die Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Sieland (Alwara Höfels) treffen den Tatverdächtigen Ellgast (Arnd Klawitter) in seinem Schützenverein.
Verdächtiger Versicherungsmann: Die Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Sieland (Alwara Höfels) treffen den Tatverdächtigen Ellgast (Arnd Klawitter) in seinem Schützenverein.

© MDR

Dresden. Der große Baum steht schon. Rundherum werden auf dem Dresdner Altmarkt dieser Tage eifrig die Stände aufgebaut. Und jetzt stellen wir uns mal vor, auf dem Striezelmarkt, wenn er denn demnächst wieder losgeht, würde scharf geschossen. Auch noch auf einen Weihnachtsmann. Was da los wäre. Schluss mit Klingglöckchen und so weiter. Absoluter Ausnahmezustand. Jedenfalls genug Stoff für einen kompletten „Tatort“, nicht nur wie in „Auge um Auge“ für eine Szene.

Irgendwann werden sie dem Gestriezel bestimmt einen eigenen Fall widmen. Diesmal aber war der Striezelmarkt nur Nebenschauplatz, und Kommissar Schnabel sprach ihn auch noch etwas merkwürdig aus: mit doppeltem „z“ statt langem „i“ – ausgerechnet der gebürtige Dresdner Schauspieler Martin Brambach.

Wie schon bei den vorherigen Dresden-„Tatorten“ hat man als Einheimischer auch diesmal den Eindruck, dass der Film übertrieben mit Lokalkolorit aufgeladen ist. Eigentlich geht’s ums Versicherungswesen, aber nicht ohne ein bisschen Pegida, etwas Säxismus, Barockbauten, Elbkulisse und DDR-Überbleibsel. Weil die simple Story offenbar nicht ausreicht, kommt plumpe Gesellschaftskritik dazu, ein bisschen Flüchtlingsproblematik und Wutbürgertum sowieso. Blut muss trotzdem fließen, und zum Schluss gibt’s einen Showdown.

Das Problem des Dresden-„Tatorts“ als solchem ist die Mittelmäßigkeit. Auch diesmal. Nicht schlecht, man hält schon die 90 Minuten durch, aber da ist nichts, was beeindruckt oder hängen bleibt. Stangenware eben. Die Krimis können sich nicht entscheiden. Soll’s witzig sein oder spannend? Von beidem nur ein bisschen funktioniert jedenfalls nicht richtig. Nicht, dass es nix zu lachen gäbe, aber eine Zote nach der anderen, das wirkt so, als solle der Kultstatus mit der Brechstange erreicht werden. Auch das Ermittlertrio ist ja nicht schlecht. Nur entwickelt es sich nicht weiter. Die beiden Zicken mit ihrem ewig gleichen, langweiligen Privatkummer und ihr bräsiger Macho-Chef mit seinem Hang zum völkischen Jammer-Ossi fechten jedes Mal die gleichen Sträuße aus und mögen sich ja eigentlich doch. Überraschend ist nichts mehr.

„Ich mache mir Sorgen um diese Stadt“, sagt Kommissar Schnabel an einer Stelle, seiner Kollegin geht es aus ganz anderen Gründen ebenso. Möglicherweise muss man sich aber auch Sorgen um den „Tatort“ aus dieser Stadt machen.

Leser-Kommentare

Seite 1 von 5

Insgesamt 23 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Berg

    Leider muss ich wieder diese beiden schnoddrigen angehosten ungekämmten Frauen anprangern. Sowas entlässt man so aus den Polizeischulen? Dazu nuscheln und mehrfach genüsslich kauen, während gesprochen werden soll. Unverständliches Gestammel kommt dabei raus, ihr Helden im Sound-Studio. Und weil wir grade dabei sind: nun auch im Tatort diese elektronischen Zweiton-Klänge in Moll, die jedem musikalischen Menschen auf den Docht gehen. Ärgerlich. Dazu: ein tödlicher Schuss aus 150 Meter durch die Scheibe mit einer Pistole?? Habt ihr das wenigstens mal ausprobiert??

  2. Susi

    Unrealistisch bis zum geht nicht mehr !

  3. gast

    ..und es musste ja natürlich wieder eine syrische "ge"- Flüchtete darin eingebaut werden. Noch dazu laue Story. Schläft man sehr gut bei solchen filmischen "Meisterwerken"

  4. Amtsträger

    Besser als sehr viele andere Tatorte aus anderen Städten und die Gesellschaftskritik war ein sehr gut gespielter Mikrokosmos der hier seit Pegida herrschenden Zustände. Man muss dafür oder dagegen sein oder man will beide Seiten nicht an sich ranlassen. Solche Spannungen wie zwischen Brambach/Höfels erlebe ich seit 2 Jahren beinahe täglich hier im Amt. So wie es bei den 3 Polizisten zu beobachten war sieht der Alltag aus. Kein Wunder das in der Süddeutschen Zeitung die Dialoge ausdrücklich gelobt wurden!

  5. Berg

    Und jetzt wende ich mich ganz vorsichtig an alle Tatortversteher: kann mal jemand bitte in einem Satz schreiben, warum dieser Mann erschossen wurde? Danke im voraus.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 5

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.