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Montag, 02.10.2017 Der Krimi am Sonntag

Wenn der Große mit der Kleinen ...

Im ersten Schwarzwald-„Tatort“ geht es ohne Erotik sehr intim zu. Nur die neuen Ermittler müssen sich noch finden.

Von Thomas Schade

Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) sind das Ermittlerteam im neuen Schwarzwald-„Tatort“.
Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) sind das Ermittlerteam im neuen Schwarzwald- „Tatort“.

© SWR

Das sind also die Neuen: Hans-Jochen Wagner, 188 Zentimeter, als Friedemann Berg und Eva Löbau, 160 Zentimeter, als Franziska Tobler. Seit Sonntag sind sie als Kriminaloberkommissare im Schwarzwald-„Tatort“ unterwegs. Beide sind keine Neulinge in Deutschlands dienstältester Krimi-Reihe. Wagner war bereits neunmal dabei – stets Gauner oder Opfer. Seine Partnerin wischte einmal als Kommissarin an der Seite von Maria Furtwängler Staub und besetzte dreimal Nebenrollen.

Chef der beiden sollte ja Harald Schmidt werden. Aber der sagte ab, ehe der Dreh begann. So musste Autor Bernd Lange den „Tatort“ umschreiben, aus dem Chef eine Chefin machen. Die heißt nun Cornelia Harms, gespielt von Steffi Kühnert. Anders als der durchgeknallte Farber in Dortmund oder die Exzentriker in Wien und Luzern fällt bei der Freiburger Mordkommission erst einmal keiner durch Marotten aus der Rolle.

Das ist kein Nachteil. Denn im Debüt spielt Godehard Giese eh alle an die Wand als dominanter Arzt Reutter, dessen Tochter Frieda im Wald erschossen aufgefunden wird. Sie war draußen mit Paul und Linus. Beide sind verschwunden. Bei der Suche nach ihnen findet die Polizei eine Kiste voller Waffen.

Aus der Situation entwickelt sich kein Thriller, aber eine recht intime Dreiecksgeschichte, ganz ohne Seitensprünge und Erotik. Dafür lebensnah inszeniert bis zum unbedeutenden Detail. Was passiert, wenn die Kinder dreier befreundeter Nachbarfamilien im Wald spielen und eines ist plötzlich tot? Es ist schon gutes Kino, wie die Eltern zusammenstehen wollen, wie sie dennoch dem Misstrauen erliegen und der Streit eskaliert, weil keiner ausschließen kann, dass einer der Jungen Frieda erschossen hat. Regisseur Robert Thalheim ist in seinem ersten „Tatort“ ein guter Schnitt gelungen. Geschickt mischt er die Szenerie der betroffenen Familien mit dem undramatischen Fortgang der Ermittlungen. So kommt Kommissar Berg fast behäbig daher, aber unerschrocken, als er sonntags den Boss einer Waffenschmiede rausklingelt und sich eine Abfuhr holt. Kommissarin Tobler beginnt gar als graues Mäuschen, über die Maßen betroffen von dem Kindermord. Dennoch bergen beide Rollen das Potenzial, dass die Figuren ihre Blässe ablegen und mehr Profil finden.

Von der angekündigten spannenden Schwarzwaldkulisse war noch nicht viel zu sehen. Für Krimi-Gucker verkraftbar. Schließlich sind wir beim „Tatort“ und nicht beim Heimatfilm.

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