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Montag, 04.01.2016

Weniger Karneval, noch mehr Narren

Das TV-Jahr bringt viel: Krimi-Helden, Unglücke und Pseudo-Promi-Flüstereien. Es werden sogar Puppen gecastet.

Von Bernd Klempnow

Mainz kann weiter singen und lachen, andere Karneval-Sendungen werden 2016 nicht mehr in ARD und ZDF zu sehen sein. Die ursprünglich neun Sendungen des nicht von jedermann nachvollziehbaren ungehemmten Frohsinns werden auf fünf reduziert.
Mainz kann weiter singen und lachen, andere Karneval-Sendungen werden 2016 nicht mehr in ARD und ZDF zu sehen sein. Die ursprünglich neun Sendungen des nicht von jedermann nachvollziehbaren ungehemmten Frohsinns werden auf fünf reduziert.

© dpa

Ideen, Rat und Lebenshilfe – das darf der Zuschauer auch 2016 im Fernsehen kaum erwarten. Für gute Unterhaltung oder Spannung sollte er dankbar sein, denn auch dort sinkt das Niveau seit Langem kontinuierlich. Ergo: Besser auswählen, was man schaut. Ein Überblick über Trends des TV-Jahres 2016. Es soll keiner sagen, die SZ hätte nicht empfohlen oder gewarnt.

Der „Tatort“ aus Dresden

Nachdem die neuen MDR-Verantwortlichen in Weimar ein geistreiches wie witziges Ermittlerduo mit Nora Tschirner und Christian Ulmen an den Start gebracht haben, kann man auch für den „Tatort“ 2016 aus Dresden hoffen. Nicht, weil eine reine Jungdamen-Riege ermittelt. Nicht, weil der großartige Mime Martin Brambach die Chefrolle übernimmt. Als Drehbuchautor wurde Ralf Husmann gewonnen – der Erfinder der mehrfach prämierten Comedy-Fernsehserie um Büroekel Bernd Stromberg. Stromberg-Spruch gefällig: „Richtige Helden sind immer alleine. So wie Tarzan. Der macht auch nicht erst ’nen Arbeitskreis und greift dann an die Liane.“

Sport vorerst im Ersten und Zweiten

Wichtige Sportarten sind weiterhin bei ARD und ZDF zu erleben. So haben die Öffentlich-Rechtlichen die TV-Rechte für die Handball-EM vom 15. bis 31. Januar in den polnischen Städten Danzig, Kattowitz, Breslau und Krakau erworben. Ebenso klar sind die Absprachen zur Fußball-EM im Juni und Juli in Frankreich. Das ZDF überträgt das Eröffnungsspiel, die ARD das Finale. Das Erste überträgt außerdem zwei der drei Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft: Deutschland gegen Ukraine am 12. Juni (Lille) sowie Nordirland gegen Deutschland am 21. Juni (Paris). Das ZDF zeigt die Vorrundenbegegnung der deutschen Elf gegen Polen am 16. Juni (Saint-Denis).

Vergessene Persönlichkeiten

Kaum bekannten Persönlichkeiten der Zeitgeschichte widmen sich zunehmend Spielfilme im Ersten, um Historie aufwühlend, lehrreich und eindrucksvoll zu erzählen. „Der gute Göring“ macht den Anfang am 10. Januar. Es geht um Hermann Görings Bruder Albert, der im Dritten Reich zahlreiche Menschenleben gerettet hatte. Ende Januar folgt „Der General“ über den hessischen Generalbundesanwalt Fritz Bauer, der die Frankfurter Auschwitz-Prozesse initiiert hatte. Ihm war es maßgeblich zu verdanken, dass sich die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft mit dem Thema Holocaust auseinandersetzte. Ulrich Noethen spielt Bauers einsamen Kampf gegen die Vertuschung nationalsozialistischer Verbrechen und die Schlussstrich-Haltung der Regierung Adenauer.

Unglücke im Focus

Wenn es traurig oder blutig wird, wenn es kracht, dann greifen die privaten Sender solche Themen dramatisch ausgeweitet gern auf. RTL jedenfalls verfilmt das Unglück um den Untergang des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“. Und um sich einen seriöseren Anstrich zu geben, begleiten künftig noch mehr eigene Dokumentationen die TV-Events, die den jeweiligen Filmstoff aus realer Perspektive unter anderem mit Zeitzeugen beleuchten.

Erfreuliche Jubiläen

Bekannte vom Fernsehsofa feiern in diesem Jahr runde Feste. Das beliebte „Tatort“-Team in Münster mit den Schauspielern Axel Prahl und Jan Josef Liefers erlebt im Frühjahr seine 30. Folge. Das Münchner Ermittler-Team Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) sind 25 Jahre im Dienst. Und am 16. Oktober kommt der 1 000. „Tatort“ mit Maria Furtwängler und Axel Milberg auf Sendung. Sein Titel ist wie der vom ersten Krimi vom November 1970: „Taxi nach Leipzig“.

Weniger Karneval

Das „Helau“ und „Alaaf“ gehören zum Karneval genauso dazu wie die zahllosen Büttenreden und Gardetänze im Programm der öffentlich-rechtlichen Sender zur närrischsten Zeit des Jahres. Doch das beliebte Karnevalprogramm wollen ARD und ZDF jetzt massiv kürzen – denn dieses spezielle TV-Angebot holte im vergangenen Jahr unterirdische Quoten in der Zielgruppe der besonders umbuhlten 14- bis 49-Jährigen. So werden die ursprünglich neun Sendungen auf insgesamt fünf reduziert. Besonders die regionalen Ableger wie „Frankfurt Helau“ und „Bütt an Bord“ fallen dem neuen Karnevalkurs der Sender zum Opfer. Beim ZDF ist „Karnevalissimo“ und eine der beiden Köln-Sitzungen von den Programmänderungen betroffen. Damit machen es die Öffentlich-Rechtlichen nur den Privatsendern nach, die bereits seit Jahren Karneval in Minimalvarianten der schlechten Quoten wegen bieten.

Neue Castingshows

Nachdem Castingshows aus dem Bereich Musik wie „Popstars“, „Got to Dance“ und „Die Band“ nicht mehr funktionieren sowie die „Superstar“- und die „Supertalent“-Suche schwächeln, sollen neuen Ideen ein Publikum finden: RTL startet voraussichtlich im Frühsommer mit „Die Puppenstars“ als erster Castingshow-Reihe, in der Puppen und ihre Spieler antreten.

Noch mehr D-Promi-Geflüster

Sieben Millionen Zuschauer schalten Anfang des Jahres täglich das RTL-Dschungelcamp ein, um C- und D-Prominenten beim Kakerlaken-Essen zu sehen. Damit ist „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ Deutschlands erfolgreichste TV-Show. Also schlussfolgern die Produzenten: Das Volk will noch mehr von solchen Exhibitionisten wissen und bietet Blondinen wie Daniela Katzenberger weiterhin eine Bühne.

Kochshows ohne Ende

2016 kehrt ein bekanntes Gesicht ins Programm zurück: Tim Mälzer. In sechs Folgen von „Kitchen Impossible“ stellt sich der Star-Koch in jeder Folge einem anderen Spitzen-Koch als Herausforderer. Dazu reisen die Kontrahenten getrennt in Länder. Von einem ortsansässigen Garer wird ihnen dort das Leibgericht der Stammgäste serviert. Noch am selben Abend müssen Tim Mälzer und sein Konkurrent dieses Gericht selbst zubereiten – obwohl ihnen die Zutatenliste und das Rezept fehlen.

Zudem: Im März wird das „Das perfekte Dinner“ von Vox zehn Jahre alt! Deshalb gibt es nicht nur Spezialausgaben vom „Perfekten Promi Dinner“, sondern erstmals „Bauer sucht Frau“ am Herd.

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