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Montag, 08.02.2016

Was sagt das Auto über sexuelle Vorlieben aus?

Die Wiener Ermittler Bibi Fellner und Moritz Eisler zeigten einmal mehr, dass sie das beste Duo im Stall der „Tatort“-Pärchen sind.

Von Oliver Reinhard

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Der Musikproduzent einer Castingshow im TV hat eine etwas bizarre Sex-Übung nicht überlebt. Die Wiener Kommissare Bibi Fellner und Moritz Eisler (Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer) übernehmen.
Der Musikproduzent einer Castingshow im TV hat eine etwas bizarre Sex-Übung nicht überlebt. Die Wiener Kommissare Bibi Fellner und Moritz Eisler (Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer) übernehmen.

© dpa

Zur „Tatort“-Tradition gehört zwingend, dass es zwischen gemischtgeschlechtlichen und halbwegs altersgleichen Ermittlern irgendwann knistern muss. Wenigsten vorübergehend. Wie in Ludwigshafen bei Odenthal und Kopper, in Hamburg bei Lorenz und Falke, in Münster bei Thiel und Börne ... Die Weimarer Dorn und Lessing fielen sogar schon in Folge drei übereinander her. Im eleganten und altmodischen Küss-die-Hand-Wien ist sowas wie in Weimar natürlich undenkbar. Hier knistert‘s in züchtiger Dosierung schon seit 14 Folgen zwar immer mal wieder zwischen den tatorttypischen Single-Ermittlern Bibi Fellner und Moritz Eisler (Adele Neuhauser und Harald Krassnitzer). Doch geknuspert wurde bisher noch nicht. Obwohl es manchmal schon ein bisschen danach aussah, wie gestern im Fall „Sternschnuppe“.

Als die beiden wegen eines besonders bizarren Todesfalls inklusive exklusiver Sexpraktiken zwecks Recherche zum Sexualtherapeuten gehen, der sie für ein Pärchen hält und obendrein als gut zueinander passend einstuft, ist die pubertäre Verlegenheit köstlich groß. Auf jeden Fall groß genug, um zu ahnen, dass hinter den gegenseitigen Abstreit- und Beiseiteschieb-Bemühungen wohl doch noch etwas anderes steckt als Verlegenheit.

Aus der sexuellen Unterforderung von Bibi und Moritz sowie der Schwüle des Falles schlagen Autor Uli Brée und Regisseur Michi Riebl hübsches Humorkapital. Etwa als Bibi auf Moritz‘ Golf herabschaut und die wirklich böse rhetorische Frage stellt: „Kennst du die Theorie, wonach die Autowahl auf die Wahl der Geschlechtspartner schließen lässt?“ Als sei das nicht genug, schlägt das späte, aber drahtige Ermittlermädchen auch noch vor, anderntags lieber mit ihrem Auto zu fahren, einem arg prahlhansigen Pontiac Firebird. Der dann leider nicht anspringt, hehe.

Sonst aber läuft in diesem „Tatort“ nahezu alles wie geölt. Wie fast immer, wenn die Ösen an den Start gehen, denn die Wiener gehören zum Besten, was der „Tatort“ aufzubieten hat. Zwar sind die menschenverachtenden Abgründe von Casting-Shows ein reichlich ausgebeulter Themenhut. Doch Brée, Riebel, Fellner und Krassnitzer lassen den Fall gekonnt immer tiefer hinabgleiten in eine psychologisch klaftertiefe und am Ende durchaus bewegende Tragödie beinahe antiken Ausmaßes.

Denn der SM-Tod des manipulativen Musik-Managers war natürlich kein Selbstmord; er ist erstickt an einem Songtext im Rachen, einst geschrieben von einem Talent, dann vom späteren Toten geklaut – für einen neuen „Star“ seiner TV-Show. Die Ermittlungen führen Bibi und Moritz in die Abgründe der Branche zu abgehalfterten Ex-Talenten, karrieresüchtigen Jungsternchen, skrupellosen Show-Redaktionen – aber leider nicht mehr zurück zu ihrem eigentlichen Thema.

Ob in Fall 15 endlich mal nicht nur geknistert, sondern auch geknuspert wird?

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. kein Fan

    Ich muss zugeben, mir gesten den "Tatort" auch, anfänglich, angeschaut zu haben. Von Anfang an auffällig: Produktplacement von VW. Die Szene, in der der Zusammenhang zwischen Automarke und Sexuapräferenzen erstmals diskutiert wird, ist begleitet von einem Rundum-Schwenk der Kamera um ein Wolfsburger Modell Andere Fahrzeuge haben in Folge Pannen... ein Schelm, der hier geschickt verpackte Werbung negiert. Schauen Sie sich die Folge unter dem Aspekt des Produkplacements nochmal an, verfübar in der ARD-Mediathek. Und das nennt sich ÖR, für den ich Zwangsabgabe zahlen muss. Herr Flath, greifen Sie ein !

  2. Bernd

    @1 Das fiel mir auch auf... Dafür wird aber konsequent der Bautzn'er Senfbecher umgedreht, wenn Tim Mälzer kocht und die Kamera von hinten aus dem Kühlschrank filmt...Lustig. Wobei, so unschuldig bin ich beim Thema product placement auch nicht.....

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