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Dienstag, 25.03.2014

Warten auf den Rosenkavalier

Die Semperoper hat absehbar keinen Intendanten. Das Team arbeitet ungerührt und bietet nächste Saison das Allerbeste.

Von Bernd Klempnow

Vor ihrem Auftritt als Rosenkavalier in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss wartet die Mezzosopranistin Daniela Sindram in den Kulissen. Anders als der Rosenbote, der die Semperoper übernehmen soll. „Er wird nicht in kürzester Zeit zu finden sein, auch weil kein guter Mann frei ist“, sagt der Kaufmännische Geschäftsführer, Wolfgang Rothe. Derweil führt er selbst die Oper.
Vor ihrem Auftritt als Rosenkavalier in der gleichnamigen Oper von Richard Strauss wartet die Mezzosopranistin Daniela Sindram in den Kulissen. Anders als der Rosenbote, der die Semperoper übernehmen soll. „Er wird nicht in kürzester Zeit zu finden sein, auch weil kein guter Mann frei ist“, sagt der Kaufmännische Geschäftsführer, Wolfgang Rothe. Derweil führt er selbst die Oper.

© M. Creutziger

Noch einmal grüßt der geschasste Semperoper-Intendant Serge Dorny – und damit macht er Opernfreunden wirklich eine Freude. Als einzige Neuproduktion seiner Wahl hat in der Spielzeit 2014/15 Claude Debussys Oper „Pelléas et Mélisande“ Premiere. Nach fast 50 Jahren läuft das verrätselte Werk wieder in Dresden. Es wird vom katalanischen Regiekollektiv „La Fura dels Baus“ einstudiert, das mit bildgewaltigen Inszenierungen stets für Furore sorgt.

Die meisten anderen Positionen der Spielzeit mit elf Premieren hat noch die 2012 verstorbene Intendantin Ulrike Hessler eingefädelt. Komplettiert wurde das reizvolle Programm vom derzeitigen Übergangsleitungsteam. Die Vorhaben mit neuen Regiehandschriften und geschätzten Künstlern, mit populären Werken und verheißungsvollem Neuen klingen so interessant, dass  man meinen könnte, das Haus käme ohne künstlerischen Kopf aus.

Ein neuer Intendant ist auch absehbar nicht in Sicht. Da in dieser Sparte jahrelang im Vorlauf geplant wird, sind gute Leute so schnell nicht frei. Außerdem wählt Sachsen dieses Jahr. Dem neuen/alten Kunstminister obliegt die Suche nach dem Theaterchef. Vorerst führt der Kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Rothe die Semperoper. Und er macht auch weitere umstrittene Dorny-Entscheidungen rückgängig. Nach der Rücknahme der Kündigung des Semperoper-Balls erhielten sieben von Dorny quasi gekündigte Mitarbeiter wieder Verträge am Haus.

Ein neuer „Freischütz“ zum 30.

Allerdings sucht Rothe kreative Verstärkung. Bis „spätestens Ende April“ will er einen künstlerischen Berater und einen Chefdramaturgen benennen. Als neuen Künstlerischen Betriebsdirektor stellte er gestern bei der Präsentation des Spielplans 2014/15 schon mal Björn Peters vor. Sein Motto: Wir machen das Beste draus. Rothe irrt: Die Mannschaft der Semperoper ist so leistungsfähig und motiviert, sie bietet das Allerbeste. Wer freilich meckern will, der wird sicher fündig.

Die Saison ist auch in anderer Hinsicht eine besondere. Sie ist eine Jubiläumsspielzeit. Die 1945 zerstörte Oper wurde ja im Februar 1985 wiedereröffnet. Zum 30. Jahr dieser dritten Semperoper gibt es einen neuen „Freischütz“. Chefdirigent Christian Thielemann will ihn leiten. Regie führt Axel Köhler, und das ist gut so. Im Gegensatz zu vielen Inszenatoren versteht Köhler nämlich sein Handwerk und die Musik, verzichtet auf Mätzchen oder Spinnereien.

Ob die anderen großen Premieren gelingen, bleibt abzuwarten. Mehrere neue Regisseure kündigte Rothe an. Die Werke haben es in sich. Engelbert Humperdincks heiklen „Königskinder“ kommt kurz vor Weihnachten heraus. Das Stück war letztmals 1937 in Dresden zu erleben. Ebenso schwer zu inszenieren ist die Tier-Oper „Das schlaue Füchslein“ von Leos Janacek. Und an Mozarts „Hochzeit des Figaro“ scheitern seit jeher viele Künstler.

Einen Kraftakt startet das Haus im November. Es feiert den 150. Geburtstag von Richard Strauss mit Festtagen. Vom 6. bis 23. November sind drei Opern des einst in Dresden sehr engagierten Ausnahmekomponisten zu erleben. Ein Ballettabend, Konzerte und Liederabende mit seinen Werken sowie der 1926 in der Semperoper uraufgeführte „Rosenkavalier“-Stummfilm zur Live-Musik der Staatskapelle runden die Festtage ab. Das Projekt für sich ist schon außerordentlich, erstrangig wird es durch die hochkarätigen Besetzungen. Mit den Sängern Renée Fleming, Christa Mayer, Thomas Hampson und Georg Zeppenfeld sind Weltklasse-Interpreten angekündigt. Und am Pult steht mit Christian Thielemann der derzeit beste Strauss-Kenner. Fans von allen Kontinenten reisen an. Einheimische Verehrer sollten sich mit ihren Reservierungen beeilen.

Drei Uraufführungen sollen zeigen, dass das Haus nicht in Traditionen erstarrt. Die wohl spektakulärste ist die Vertonung von Astrid Lindgrens Roman „Die Brüder Löwenherz“. Der umtriebige Berliner Komponist Helmut Oehring sitzt über der Partitur. Das Stück läuft ab März in der Studiobühne. Deren Tage sind gezählt. Im Sommer beginnen im Kantinen-Würfel der Oper Bauarbeiten. Dort soll die künftige Studiobühne entstehen. Die derzeitige wird wieder Probebühne, was bei der Vielzahl von Neuproduktionen die Probensituation am Haus etwas entschärfen dürfte.

Mehr Besucher, mehr Mäuse

Die Semperoper macht also trotz der personellen Querelen wieder Zukunftsmusik. Auch die kassenmäßige Bilanz des Vorjahres ist ordentlich. Mit 269 Vorstellungen im großen Saal und 501 Veranstaltungen der Jungen Szene wurden fast 370.000 Besucher erreicht. Die Auslastung stieg, das Haus nahm rund 17,6 Millionen Euro ein und kann so auf einen unerreichten Kostendeckungsgrad von fast 40 Prozent verweisen. Die Kasse ist also top. Insofern gibt es nächste Spielzeit keine generelle Erhöhung der Ticketpreise. Unverändert gut ist das attraktive Angebot unter anderem mit Familien-, Senioren- und Dresden-Tagen zu deutlich ermäßigten Preisen.

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