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Montag, 04.01.2016

Wahnsinn nach Plan

Jan Josef Liefers erneut als schneidiger Anwalt: Der Film „Die 7. Stunde“ pendelt zwischen Thriller und albernem Slapstick.

Von Jonas-Erik Schmidt

Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) und Kollegin Marie Luise (Stefanie Stappenbeck) machen sich Vorwürfe, den Tod eines Eliteschülers nicht verhindert zu haben.
Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) und Kollegin Marie Luise (Stefanie Stappenbeck) machen sich Vorwürfe, den Tod eines Eliteschülers nicht verhindert zu haben.

© Conny Klein/ZDF/dpa

Es gab Zeiten in Deutschland, da verstand man unter einem aus der Art geschlagenen Schüler einen „Lümmel von der ersten Bank“, der den Paukern kecke Streiche spielte. Im Vergleich zu den Schülern, auf die Anwalt Joachim Vernau in seinem neuen Fall trifft, waren die „Lümmel“ eher brave Messdiener. Statt um Streiche geht es um den blanken Wahnsinn – um Sex, Gewalt, Mord und Erpressung.

Es ist eine grelle Mischung an Themen, in die Buch-Autorin Elisabeth Herrmann ihren Helden Vernau in „Die 7. Stunde“ schickt. Diesmal soll der Berliner Anwalt eigentlich nur eine Jura-AG an einer teuren Privatschule leiten. Das Haus hält sich für elitär und soll bald in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Recht schnell wird allerdings klar, dass Vernaus Zöglinge ein mysteriöses Doppelleben führen und sich in sogenannte Live-Rollenspiele verstrickt haben. Vorbild sind nämlich – offenbar für jeden zugängliche – Krankenakten vom Dachboden des piekfeinen Campus, der einst eine Nervenheilanstalt war.

„Die 7. Stunde“ ist der vierte verfilmte Krimi von Elisabeth Herrmann mit Jan Josef Liefers als Anwalt Vernau. Er spielt ihn als ebenso weltläufigen wie sympathischen Juristen. Vernau ist weniger verschroben als Liefers beliebter „Tatort“-Professor Boerne, wird allerdings nach und nach zu einem ähnlichen Quotenbringer. Der Fall „Der Mann ohne Schatten“ Anfang 2015 lockte 7,20 Millionen Zuschauer.

Die Themen, die bei der „7. Stunde“ im Hintergrund mitschwingen, sind relativ klar: verselbstständigte Eliten, entkoppelte Parallelwelten, moralischer Verfall bei Kindern, von denen viel zu früh viel zu viel verlangt wird. Der Film zeigt, dass sich so etwas auch mit unterhaltsamen Schauergeschichten und einem lockeren Ton verbinden lässt. So eine wilde Mischung richtig abzuschmecken ist allerdings kompliziert. Gleich zu Beginn wird der Zuschauer mit düsteren Wahnbildern einer Massenmörderin auf Temperatur für einen Thriller gebracht. Wenige Szenen später tapst Vernau mit einer Eisenwanne auf dem Kopf durch einen Hausflur und schlägt geradezu absurd oft an. Es gibt weitere Slapstick-Einlagen. Auch die Schauspieler mussten sich erst an die Themen herantasten. Sie sei ja ein Fan von Brett- und Kartenspielen, sagt Stefanie Stappenbeck, die Vernaus Kanzleikollegin Marie-Luise spielt. Aber: „Live-Rollenspiele haben mir vorher überhaupt nichts gesagt.“ (dpa)

„Die 7. Stunde“, 20.15 Uhr, ZDF

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