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Freitag, 13.05.2016

Vorsicht, Deutsche!

„Besorgte-Bürger“-Kolumnist Werner J. Patzelt stellt fest: Schluss mit den Vorwürfen. Wir wollen auch mal schuld sein.

Von Werner J. Patzelt

Unser Autor: Werner J. Patzelt
Unser Autor: Werner J. Patzelt

© Ronald Bonß

Recht hat er, der besorgte Bürger Bittner: An allem sind die Fremden schuld! An der Zerstörung von Irak, Libyen und Syrien die Amerikaner, Engländer und Franzosen. Am schlechten Wirtschaften und Regieren in Afrika, den dortigen Fluchtursachen, im Wesentlichen ebenso. Am Großwerden des Islamischen Staates und an Boko Haram wohl auch der eine oder andere Araber, ja Afro-Afrikaner, womöglich gar muslimischen Bekenntnisses. Russen, wer weiß, an Problemen im Kaukasus und im Osten der Ukraine.

Wie schade, dass an solchem Elend nicht wir Deutschen ein wenig mit schuld sein dürfen. Das kränkt ungemein; immerhin ist der Tod ein „Meister aus Deutschland“. Doch halt! Natürlich ist auch die BRD schuldig an den Verbrechen des westlichen Kapitalismus; sie gehört dieser ehrenwerten Gesellschaft ja führend an. Und die Heimat der Richter und Henker praktiziert Herabsetzung und Ausgrenzung nun wenigstens im eigenen Land, wenn sie als Zivilmacht schon nicht mehr durch Kriegführung anderswo das Elend der Menschheit mitbewirken darf.

Innerdeutsch Fieses gedeiht sogar richtig gut. Wir zogen so viele Nicht-Deutsche an, dass jetzt schon ein Fünftel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund hat; welch tolle Herde von Sündenböcken! Wir ließen eine Million an „Schwächsten der Schwachen“ ins Land, damit wir jemanden haben, an dem sich die deutsche Lust am Hassen und Eliminieren wenigstens mit Brandanschlägen austoben kann.

Und wenn schon nicht mehr Selfies mit der Kanzlerin, versprechen wir zwar gute Unterkünfte und ein bedingungsloses Grundeinkommen nebst der Akkulturation durch Deutsch- und Integrationskurse. Doch dann, patsch, sind es Massenquartiere, die auf Zuwanderer warten; gibt es dort junk food; muss man zum Arzt unter den Augen neidischer Biodeutscher; ja erfährt man – menschenverachtend „Willkommenskultur“ genannt – dauernde soziale Kontrolle durch die Zivilgesellschaft vor Ort, Verlangen nach Assimilation statt Beheimatung unter seinesgleichen, ja nachgerade Arbeitszwang zum Nutzen der Teutonen. Schlimmer geht’s nimmer.

Also wehrt Euch, Ihr guten Menschen jeder Couleur, und zeigt, wer da wem wofür dankbar zu sein hat! Denn wie kulturlos wären wir, ließe man uns mit diesen Deutschen allein …

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