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Mittwoch, 24.02.2016

Von wahrer Liebe und falschen Schlangen

Rund 160 Schüler des Kreuzgymnasiums führen „Der goldene Topf“ auf und zeigen ein Musical mit Profi-Anspruch.

Von Nadja Laske

Ji Hoon Bang als Anselmus und Paula Mörke als Serpentina bei der Probe. Der Kopfputz ist schon fertig, vollständige Kostüme tragen die Schüler erst in den Vorstellungen.
Ji Hoon Bang als Anselmus und Paula Mörke als Serpentina bei der Probe. Der Kopfputz ist schon fertig, vollständige Kostüme tragen die Schüler erst in den Vorstellungen.

© Sven Ellger

Aaron kann das gut verstehen. All das, was Anselmus hin- und herreißt und ihm ständig im Kopf herumgeistert: Hier die Liebe zu einem Mädchen, da die Aufgaben im Alltag und dort die große Frage, welche Wege im Leben die richtigen sind.

Auch Ji Hoon kommen solche Gedanken bekannt vor. Wie Aaron schlüpft er in die Rolle des jungen Anselmus, der zwischen Traum und Realität umherirrt, und das eine im anderen finden will. Der Dichter E. T. A. Hoffmann hat die Figur erdacht, vor mehr als 200 Jahren. Erstaunlich, wie vertraut sie den Teenagern heute noch erscheint. Das macht es ihnen leichter, die Charaktere aus dem Stück „Der goldene Topf“ auf der Bühne zu leben. Mitte Dezember haben sie begonnen, sich das romantische Kunstmärchen, das in Dresden spielt, als Musical zu erarbeiten. Drei Lehrer schrieben dafür die Texte und die Musik nach Hoffmanns Vorlage. Seit Montag ist das Ensemble vom kleinen Schultheaterraum in die Turnhalle gezogen. Dort steht schon eine große Bühne, davor unzählige Notenständer und Stühle für das Schulorchester. Auch die Schulband und der Schulchor gehören zum Klangkörper. Insgesamt wirken rund 160 Musiker und Sänger mit. Die Hauptrollen sind doppelt besetzt. Es darf nichts schiefgehen, wenn sich ab Ende der Woche abends die Zuschauerplätze füllen. Dann erleben die Gäste, wie Anselmus, der gern ein Poet wäre, aber auch seine Brötchen verdienen muss, nach dem Sinn des Lebens sucht. Die Liebe seines Lebens kann er nur heiraten, wenn ihm eine einträgliche Anstellung gelingt. Vor allem aber muss er die wahre Geliebte erkennen.

„Für die Rollen hat es richtige Castings gegeben“, erzählt Aaron. Seine Lehrer, darunter auch Kornél Magvas, hatten zuvor eine Idee von der Besetzung und luden gezielt dazu ein. Den dritten Tag steht der Deutsch- und Musiklehrer Magvas nun auf, vor, neben der großen Bühne und gibt Regieanweisungen: ein Louis de Funès mit klaren Ansagen und beeindruckender Spielfreude, Mimik, Gestik, ein Schauspiel für sich. Begeisterung, die seine Schüler auch durch lange, anstrengende Proben hindurch mitreißt. „Dieses große Projekt ist wirklich etwas Besonderes“, sagt der Theaterleiter der Schule. Zusammen mit dem Kreuzchor und der Kreuzkirche feiert das Kreuzgymnasium in diesem Jahr sein 800-jähriges Bestehen. Das Musical reiht sich ins Festprogramm ein. Ein hoher Anspruch ist damit verbunden.

„Niemand soll sagen: Ach, da spielen Schüler“, hat Kornèl Magvas seinen Darstellern beim Probieren gesagt. Er will Professionalität, und das ist gar nicht zu viel verlangt. Schließlich singt Aaron Köbsch im Knabenchor des Heinrich-Schütz-Konservatoriums und hat schon auf den Bühnen der Staatsoperette und der Semperoper gestanden. Ji Hoon Bang war Kruzianer und spielt wie seine Bühnenpartnerin Paula Mörke, die die Schlangenfrau Serpentina gibt, im Theaterkurs der Schule. Singen kann auch sie so gut, dass Lehrer Magvas sich keine Sorgen zu machen braucht. Sein Ensemble steht dem Profitheater näher als dem Laienspiel.

Der goldene Topf, ein Musical nach E. T. A. Hoffmann: öffentliche Generalprobe am Donnerstag, Premiere am Freitag, weitere Vorstellung am Sonnabend, jeweils 19.30 Uhr. Karten an der Abendkasse: Erwachsene zahlen 10 Euro, Schüler und Studenten 2 Euro.

Kreuzgymnasium, Turnhalle, Dornblüthstraße 4

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