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Dienstag, 10.10.2017 TV-Tipp

Viel arbeiten, viel feiern

Von 1950 bis heute: Eine ZDF-Doku zeigt, wie sich aus einem kleinen Schuhladen der Otto-Versand entwickelt.

Von Klaus Braeuer

Der Unternehmer und Mäzen Werner Otto, hier bei einem Auftritt 2008 in Berlin, schrieb mit dem Otto-Versand eine Erfolgsgeschichte, die jetzt von seinen Erben fortgeführt wird.
Der Unternehmer und Mäzen Werner Otto, hier bei einem Auftritt 2008 in Berlin, schrieb mit dem Otto-Versand eine Erfolgsgeschichte, die jetzt von seinen Erben fortgeführt wird.

© dpa

Covermodell Sylvie Meis (39) gesteht gleich zu Anfang: „Wenn der Otto-Katalog da war, dann waren wir ganz glücklich.“ Der Katalog kam seit Beginn der 1950er-Jahre von Deutschlands größtem Versandhändler aus Hamburg, zunächst mit einer Auflage von 300 Stück. Da war es noch ein dünner Schuhprospekt, von Firmengründer Werner Otto (1909 – 2011) per Hand verklebt. Der Katalog, in der ZDF-Doku als „gedruckter Zeitgeist und stilbildendes Element“ bezeichnet, wird auch heute noch zweimal pro Jahr verschickt – mit rund vier Millionen Exemplaren. Bestellt wurde einst per Post und ausgeliefert noch heute durch den eigenen Paketdienst.

„Mein Vater hat mit einem kleinen Schuhladen im heute polnischen Kulm angefangen. Er konnte kaum stillsitzen, er war im Grunde immer in Bewegung“, erzählt sein Sohn Michael Otto (73). „Sein Motto war ,Alles ist im Fluss’ – er konnte viel arbeiten, aber auch viel feiern.“ Beim Tanzen lernte er 1939 seine erste Frau Eva kennen – aus dieser Ehe stammen Michael und die Kunstsammlerin Ingvild (75). Bei der Kur in Bad Pyrmont 1952 tauchte die zweite Frau auf – Jutta war 20 Jahre jünger, von ihr kommt Frank (60), heute als Medienunternehmer deutschlandweit bekannt. Schließlich gab es eine dritte Frau, die 30 Jahre jüngere Maren, mit der er Sohn Alexander (50) und Tochter Katharina (53) bekam.

Autor Florian Huber erzählt die ganze Familiengeschichte chronologisch, unterhaltsam und ohne störende Kritik, auch anhand kleiner Spielszenen. Sie beginnt mit Ottos erster Scheidung, der Pleite 1948 und wie er durch seine Sekretärin auf das Thema Versandhandel kommt, den es in Deutschland schon seit Ende des 19. Jahrhunderts gibt und der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Konkurrenten Gustav Schickedanz („Quelle“) und Josef Neckermann zu neuer Blüte gebracht worden ist.

Zu sehen sind Ausschnitte aus alten Werbefilmen, zu Wort kommen der ungeheuer fleißige Werner Otto selbst, fast alle seine Kinder, ein Enkel sowie Mitarbeiter. Heute ist die Otto Group längst auch als Betreiber von Einkaufspassagen tätig, im Internet sowieso. Die Familie führt das Unternehmen weiter – alles bleibt im Fluss. (dpa)

„Die Otto-Versand-Story“, 20.15 Uhr, ZDF

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