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Donnerstag, 21.01.2016

Vertonter Champagner

Auf dem 11. Semperopernball tanzen die Debütanten nach einem Walzer des russischen Komponisten Anton Lubchenko.

Am 29. Januar tanzen die Ball-Debütanten nach einem Walzer von Anton Lubchenko.
Am 29. Januar tanzen die Ball-Debütanten nach einem Walzer von Anton Lubchenko.

© Robert Michael/PR

Für den Jubiläumsball im vergangenen Jahr komponierte Anton Lubchenko ein Stück für vier Flügel und vier Pianisten aus vier Ländern: England, Russland, Frankreich und die USA. Die Komposition galt dem Jahrestag der Deutschen Einheit und dem Wiederaufbau der Frauenkirche. Dem diesjährigen Ball widmet Lubchenko, der auch dirigiert, einen Walzer - den ersten Walzer, der extra für den Tanz der Debütanten geschrieben wurde.

Mit welchen Worten würden sie Ihre Musik für den Semperopernball beschreiben?

Ich wollte eine festliche Atmosphäre schaffen, so dass die Musik die Aura eines Märchens spiegelt, die uns jedes Jahr von dem Semperopernball geschenkt wird. Es ist doch unmöglich, einen depressiven Walzer zu komponieren, oder mit einem Trauervorspiel und einem dämonischen Charleston anzufangen, wenn alles herum voll von Licht und Farben ist! Ich wollte eine Melodie für den Walzer finden, die sich schon mit den ersten Tönen einprägt und die man leicht mit einem Glas Champagner in der Hand singen könnte. Ich hoffe, so wird es sein!

Wie kam es dazu, den Debütanten eine Art Hymne zu geben?

Diese Idee hatte der Hauptinspirator des Semperopernballs Hans-Joachim Frey. Er ist ein großer Freund der russischen Kultur. Sein Brucknerfest Linz bringt jährlich die besten russischen Musiker mit den europäischen zusammen. Für den vorherigen Semperopernball hat mich Hans-Joachim Frey gebeten, ein Stück für vier Flügel und Bläser zu komponieren, das dem 25. Jahrestag der Deutschen Einheit und dem 10. Semperopernball gewidmet war. Für mich als russischer Komponist, der sich fest auf die europäischen musikalischen Traditionen stützt, war es eine große Ehre. Ich denke, dass es für jeden Künstler eine vorrangige Aufgabe sein sollte, Kulturbrücken zwischen Russland und Europa zu bauen. In diesem Jahr darf ich für eins der besten Orchester Europas, die Dresdner Staatskapelle, ein Stück komponieren, dessen Bestandteil ein Debütantenwalzer ist. Außerdem werde ich das ganze Programm des Abends dirigieren. Mich freut diese Verantwortung sehr.

Was ist für Sie als Künstler die besondere Herausforderung?

Wissen Sie, die Musik zu komponieren ist eigentlich keine komplizierte Sache, wenn man es ehrlich und mit dem Herzen macht. Ich gehöre nicht den musikalischen Innovatoren, die feine mathematische Systemen für Musikkompositionen erfinden. Ich respektiere zwar die Avantgarde, aber ich selbst versuche, die Musik nach dem gleichen Rezept zu komponieren, wie es die großen Vorgänger gemacht haben: Tschaikowsky, Schumann, Brahms, Rachmaninow, Prokofjew, Mahler, Strauss, Kurt Weill. Für sie war die Musik ein Selbstausdrucksmittel, eine Kurzschrift ihrer Erlebnisse. Das ist viel einfacher als eine klanglich-mathematische Formel zu erfinden, die wie eine Zeitung am nächsten Tag schon veraltet ist. Viel mehr Aufregung verursacht mir die Verantwortung, am Dirigentenpult zu stehen und mit einem solchen legendären Orchester wie die Staatskapelle Dresden, die von Maestro Thielemann geleitet wird, zu arbeiten. Ich habe mit vielen westlichen Orchestern gearbeitet, in Kanada, Österreich, Frankreich, Deutschland, aber dieses Orchester ist besonders wichtig für mich.

Wie lange dauerte die Arbeit an der Partitur?

Ich habe den Auftrag im Oktober 2015 bekommen und fing sofort an zu komponieren mit einer großen Inspiration. Leider fehlte mir oft die Zeit, die Ideen aufzuschreiben. Ich benutze immer einen Kugelschreiber, niemals den Computer. Die Partitur ist in den Pausen zwischen meinen Auftritten und Vorstellungen entstanden - in Linz, St. Petersburg, Moskau, Beijing. Am 24. Dezember 2015 habe ich sie schließlich in Wladiwostok fertiggestellt.

Wir verlosen zwei Flanierkarten!

Die Sächsische Zeitung verschenkt eine durchtanzte Nacht. Für den 11. Semperopernball am 29. Januar verlosen wir ein Mal zwei Flanierkarten im Wert von rund 500 Euro. Unsere Preisfrage: Auf welches Fortbewegungsmittel möchte der Komponist Anton Lubchenko nicht verzichten? Kleiner Tipp: Die Antwort gibt er in diesem Interview.

Senden Sie Ihre Antwort per E-Mail bis zum 26 Januar, 10 Uhr mit der Betreffzeile Semperopernball an sz.online (at) ddv-mediengruppe.de. Die Glücksfee entscheidet, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wie heißt das Stück und wie lang ist es?

Das Stück heißt „Festliche Musik für Dresden“. Das klingt vielleicht nicht besonders originell. Aber es ist ehrlich und dem 11. Semperopernball gewidmet. Die drei Teile „Präludium“, „Charleston“ und „Walzer“, folgen einem Thema. Insgesamt dauern sie ungefähr zehn Minuten.

Ist das Ihr erster Walzer?

Nein, natürlich nicht der erste. Einer meiner Walzer, der nicht wenig gespielt wird, ist der Walzer aus meiner Oper „Doktor Schiwago“. Allerdings dient er dazu, die Erinnerungen des vorrevolutionären Rußlands zu beschreiben und ist von ziemlich melancholischen Charakter.

Tanzen Sie selbst?

Es gibt vier Sachen, die ich absolut nicht kann: Auto fahren, zeichnen, singen und tanzen. Ich versuche es auch gar nicht erst, einfach, um die anderen Menschen zu schonen. Allerdings finde ich Ersatz: Statt eines Autos fahre ich Rad, was mir sehr gefällt. Jeden Sommer verbringe ich ein paar Wochen in Helsinki und fahre viel Rad. Die Zeit nutze ich außerdem, um Noten zu zeichnen, das braucht ziemlich viel Zeit. Und was das Singen und Tanzen anbetrifft - man sagt, dass ich beim Dirigieren halblaut vor mich hin brülle und manchmal ein wenig vor dem Dirigentenpult tanze. Na, da ist nichts zu machen!

Interview: Nadja Laske