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Montag, 25.01.2016

Verrucht in Grenzen

Mit Stars wie Rolf Hoppe setzt das ZDF den Bestseller-Roman „Die Pfeiler der Macht“ in Szene. Es locken dramatische Gefühle und üppige Ausstattung.

Von Ulrike Cordes

Die Londoner Bankiersdynastie Pilaster gibt ein Beispiel für Aufstieg und Fall im 19.Jahrhundert. Vorn im Bild der Dresdner Schauspieler Rolf Hoppe als Seniorchef Seth Pilaster.
Die Londoner Bankiersdynastie Pilaster gibt ein Beispiel für Aufstieg und Fall im 19. Jahrhundert. Vorn im Bild der Dresdner Schauspieler Rolf Hoppe als Seniorchef Seth Pilaster.

© dpa

In Englands viktorianischem Zeitalter zwischen 1837 und 1901 konnte man hoch aufsteigen und tief fallen. Es war die beginnende Moderne samt Industrialisierung, zugleich noch eine traditionelle Klassengesellschaft, in der Geburtsstatus und strikte Moral dem Einzelnen enge Grenzen setzten. Kurzum: eine Welt wie geschaffen, um darin in süffigen Storys zu schwelgen. Das gelang dem britischen Autor Ken Follett 1994 in seinem internationalen Romanbestseller „Die Pfeiler der Macht“, einem Sitten-Schinken, gespickt mit Liebe, Sex, Tod, Geld und bitterer Armut.

Das ZDF hat daraus in Irland einen Zweiteiler gedreht, mit neunjähriger Vorbereitung und einem Acht-Millionen-Euro-Etat. Der Film übersetzt das Geschehen um die Londoner Bankiersdynastie Pilaster an diesem Montag und Mittwoch in üppig-stimmungsvolle TV-Bilder. Regisseur und Grimme-Preisträger Christian Schwochow („Der Turm“) inszenierte das teils hochkarätig besetzte Werk, auf das die Verantwortlichen stolz sind. „Es ging uns darum, Folletts Themen bei der Metaebene zu packen und zu fragen, inwieweit unsere Herkunft über unseren Lebensweg und unsere Lebensleistung entscheidet“, sagt Redaktionsleiterin Heike Hempel. Und erklärt, dass die Produktion von Constantin Television und Network Movie „in der Liga moderner amerikanischer Serienproduktionen“ mitspiele.

Neben Stars wie Axel Milberg, Yvonne Catterfeld, Rolf Hoppe, Stephanie Stumph und David Bennent verkörpern der Brite Dominic Thorburn und die Niederländerin Laura de Boer das im Mittelpunkt stehende, so ungleiche wie attraktive Liebespaar im Taumel der Jahrzehnte. Hugh Pilaster, der als geduldeter Außenseiter im Geldinstitut seiner Familie arbeiten darf, verliebt sich jung in die Arbeiterin und Prostituierte Maisie. Deren Erzeuger hat nach dem Bankrott seine Stelle verloren und ist nach Amerika ausgewandert. Dorthin zieht es später auch Hugh, nachdem er für eine Verbindung mit der lebenstüchtigen Schönheit keine Zukunft sieht.

Die intrigenreiche, oft in trübes Licht getauchte Geschichte nimmt an Dramatik im zweiten Teil zu. Als angesehener Banker kehrt Hugh an der Seite seiner Ehefrau, der Sängerin Nora (Catterfeld), nach London zurück und muss feststellen, dass Maisie mit seinem reichen Jugendfreund Solly (Albrecht Schuch) verheiratet ist. Und dass deren kleiner Sohn sein eigener ist.

„Ohne Sozialromantik möchten wir hier zeigen, wie es ist, in eine Welt hineingeboren zu werden, die Grenzen setzt“, sagt Regisseur Schwochow. „Die Frage ist dann doch, wie gehe ich mit den Grenzen um? Füge ich mich oder nicht?“

Zu den Zeitumständen habe er ausgiebig bei Experten in London und Cambridge recherchiert. Aspekte wie Bankkrisen, Frauenemanzipation und Armut werden im Film jedoch immer nur gestreift. Dafür sorgen lustvoll aufspielende Darsteller für Gefühlswelten und erotische Szenen, von denen man sich packen lassen kann. Pure Augenweiden bilden Häuser, Parks, Inneneinrichtungen, Kostüme. Mit 1 000 Komparsen drehte man 50 Tage lang in und um Dublin, zum Teil auf berühmten Landsitzen. Mengen handgefertigter Kleider, Frisuren, Kutschen kontrastieren dabei mit detaillierten Einblicken in Spielhöllen, Bordelle und Straßen des Elends. (dpa)

„Die Pfeiler der Macht“, 25. und 27. Januar, jeweils 20.15 Uhr, ZDF

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