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Donnerstag, 05.05.2011

Unter alten Holzdielen

In Weißenfels sind zwei Papierstücke aufgetaucht, die der Barockkomponist Heinrich Schütz beschrieben hat – vor rund 350 Jahren.

Zwei rund 350 Jahre alte Handschriftenfragmente des Barockkomponisten Heinrich Schütz (1585 – 1672) sind bei der Sanierung eines Wohnhauses in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) entdeckt worden. Die etwa handtellergroßen Papierstücke wurden im Oktober 2010 unter einem Holzfußboden gefunden. „Schütz hatte die Stücke um 1650/1660 geschrieben“, sagte die Geschäftsführerin des Heinrich-Schütz-Hauses, Henrike Rucker. Neben dem Notenfragment einer Psalmvertonung handele es sich beim zweiten Stück um ein Textfragment, in dem drei Kammerjungfrauen, genannt werden.

Außerdem wurden auch zahlreiche Scherben von Keramikgeschirr aus dem 15. bis 19. Jahrhundert sowie weitere Gebrauchsgegenstände wie ein Krug, drei Läusekämme und eine Nähnadel geborgen. Ein Teil der Gegenstände könnte zum Haushalt von Schütz gehört haben.

Schütz lebte zwischen 1657 bis 1672 dauerhaft in Weißenfels. Er starb aber in Dresden, wo er auch begraben liegt. Die Stücke werden erstmals vom 14. Mai bis 31. Oktober im Weißenfelser Fürstenhaus und ab Mai 2012 in der neuen Dauerausstellung im Schütz-Haus gezeigt. Das Schütz-Haus wird derzeit für 1,8 Millionen Euro saniert.

Bereits bei den ersten umfassenden Sanierungsarbeiten 1985 wurde im Haus ein handschriftliches Notenfragment des Komponisten gefunden. „Das jetzt gefundene Notenstück passt dazu und stammt somit vom selben Notenblatt“, sagte Rucker. Die beiden Fragmente gehörten ursprünglich zu einer Doppelseite einer Bassstimme einer nicht mehr erhaltenen Komposition zur Vertonung des 10.Psalms der Bibel.

Die Papierfunde im Weißenfelser Haus belegen, dass noch lange nach dem Tod von Schütz ein größerer Dokumentenbestand aus dem Nachlass des Komponisten existierte. „Erst bei einem Umbau um 1878 kamen die jetzt gefundenen Fragmente unter die Dielung“, sagte Restaurator Bernd Dombrowski. Zudem ließen mit dem Papier verklebte Putzreste darauf schließen, dass das Material im 18. und 19.Jahrhundert auch als Tapetenmakulatur verarbeitet wurde.

Heinrich Schütz komponierte mehr als 500 Werke, hauptsächlich Kirchenmusik für die Hofgottesdienste. Die wenigen erhaltenen Blätter befinden sich in der Landesbibliothek in Kassel. (dpa)