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Montag, 11.09.2017

Triumph der Liebe

Guillermo del Toro gewinnt als erster Mexikaner den Hauptpreis beim Filmfest in Venedig. Auch für eine deutsche Koproduktion gibt es eine Auszeichnung.

Von Aliki Nassoufis

Mit Tränen in den Augen steht der Mexikaner Guillermo del Toro auf der Bühne und umklammert mit beiden Händen seinen Preis, als wolle er ihn nie mehr hergeben. Tatsächlich hat er gerade Festivalgeschichte geschrieben: Für seine bildgewaltige Liebesgeschichte „The Shape of Water“ gewann er am Samstagabend den Goldenen Löwen des Filmfestivals Venedig – und ist damit der erste mexikanische Regisseur, dem diese Auszeichnung verliehen wird. Angesichts der düsteren Themen, die im diesjährigen Wettbewerb dominiert hatten, ist der Preis aber gleichzeitig auch ein Triumph der Liebe und ein Appell für mehr Menschlichkeit.

Es ist eine fantasievolle und berührende Geschichte, die del Toro erzählt. Im Mittelpunkt steht eine stumme Putzfrau, die nachts in einem Labor arbeitet. Dabei entdeckt sie ein im Wasser lebendes Wesen, das dort gefangen gehalten wird. Die beiden nähern sich an und verlieben sich ineinander. Als Forscher das vermeintliche Monster töten wollen, entschließt sich die Frau, das Wesen zu befreien.

Nach Werken wie „Pans Labyrinth“ kreiert del Toro damit einmal mehr ein fantastisches Kunstwerk, das durch seine Bilder, ungewöhnlichen Einfälle und die tiefe Sympathie für Außenseiter fasziniert. „Wenn du dir selbst treu bleibst und machst, woran du glaubst – bei mir sind das Monster – dann läuft es gut“, sagte del Toro bei der Preisverleihung. „Ich glaube an die Liebe, das Leben und das Kino.“ Er sei zwar 52 Jahre alt, wiege 300 Pfund und habe bereits zehn Filme gedreht: „Aber egal, wie alt du bist, du musst alles riskieren.“ Sein Film fiel auch deswegen auf, weil viele der anderen 20 Beiträge im insgesamt starken Wettbewerb um politische Krisen, gesellschaftliche Missstände und persönliche Tragödien kreisten und so auf teils drastische Weise die Realität spiegelten. Dazu gehörte etwa die Flüchtlingsdoku „Human Flow“ des in Berlin lebenden Chinesen Ai Weiwei – der Künstler ging aber leer aus.

Stattdessen gab es Jubel für die andere deutsche Koproduktion „Foxtrot“, in der der Israeli Samuel Maoz vom Tod eines jungen Soldaten erzählt. Über verschiedene Zeitebenen und in teils skurrilen Sequenzen fängt er die Tragik des Geschehens, aber auch die Absurdität des Soldatenalltags ein. In Venedig gab es dafür den Großen Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung – in Israel wurde Maoz für seine Militärkritik allerdings schon selbst angegriffen. „Wenn ich meine Heimat kritisiere, dann tue ich das, weil ich mir Sorgen mache“, erwiderte der Regisseur nach der Preisverleihung. „Ich tue es aus Liebe.“ Er hoffe, dass sein Film zu mehr Dialog führe.

Überhaupt wurden beim Filmfest vor allem mutige Werke ausgezeichnet: Der Ire Martin McDonagh erzählt in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ vom Kampf einer Mutter um Gerechtigkeit, spricht in der Tragikomödie aber noch Aspekte wie Polizeiwillkür und Rassismus an. Er wurde mit der Trophäe für das beste Drehbuch geehrt. Kamel El Basha gewann den Preis für den besten Schauspieler. In „The Insult“ verkörpert er einen Palästinenser, dessen Streit mit einem Libanesen zu einer politischen Krise führt.

Und mit Charlotte Rampling stand in „Hannah“ die Frau im Mittelpunkt, deren Mann verhaftet wird und die selbst an der Isolierung durch ihre Umgebung verzweifelt – für ihre intensive und nuancierte Darstellung durfte die 71 Jahre alte Britin am Samstag den Preis als beste Schauspielerin entgegennehmen. (dpa)

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