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Montag, 14.03.2016 Der Krimi am Sonntag

Tod des Bikini-Mädchens

Im behäbigen Schweizer „Tatort“ treffen traurige Kommissare auf wilde Wüstensöhne.

Von Rainer Kasselt

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Ava Fleury (Ella Rumpf Capron) ist ein kleines Luder mit schlechten Zensuren, weiß aber ihren Charme wie ihren Körper gezielt einzusetzen. Doch den Schweizer „Tatort“ macht das nicht besser.
Ava Fleury (Ella Rumpf Capron) ist ein kleines Luder mit schlechten Zensuren, weiß aber ihren Charme wie ihren Körper gezielt einzusetzen. Doch den Schweizer „Tatort“ macht das nicht besser.

© ARD/SRF

Die Schweizer können Schokolade und Käse, Fernsehkrimis können sie nicht. Wenn man die „Tatort“-Reihe in die Kategorien gut, durchschnittlich und schlecht unterteilt, passen die Luzerner Krimis zuverlässig ins letzte Drittel. Der zehnte Schweizer „Tatort: Kleine Prinzen“ bildet da keine Ausnahme.

Er bietet ein Schälchen billige Erotik, ein Tässlein müden Zorn und ein Tellerchen abgenutzter Klischees. Das von einem Lkw überfahrene Mädchen war schon vorher tot. Der verzweifelte Vater jagt den Täter im Alleingang. Der geile islamische Emir pflegt ein mittelalterliches Frauenbild. Die Drehbuchautoren drehen sich im altbekannten Kreise. Darunter leiden vor allem die beiden Kommissare. Sie rennen länger als eine Stunde hinter bemühten falschen Fährten her, sprechen Stehsatzsätze wie: „Wir müssen reden.“ Der Zuschauer weiß längst, wie der Hase läuft, da stochern die Polizisten noch im Dunkeln.

Zu allem Überfluss wird ihnen der Fall von der Bundespolizei entzogen. Der Mörder des Mädchens, ein eifersüchtiger arabischer Schüler eines teuren Eliteinternats, ist Bruder des Emirs, der in der Schweiz diplomatische Immunität genießt. Die braven Eidgenossen wollen alles, nur keine Staatsaffäre. Auch keine sonderlich originelle Erkenntnis.

Irgendwie muss dem Regisseur Markus Welter geschwant haben, dass mit diesem Fall kein Staat zu machen ist. Also griff er beherzt zu weiteren Klischees, zu Drogen, Gewalt und Sex. Die Schülerin Ava, ein kleines Luder mit schlechten Zensuren und hübscher Larve, wird gefühlte zwanzig Mal im knappen Bikini gezeigt. Sie flirtet mit der Videokamera, geizt nicht mit ihren Reizen und säuselt lasziv: „Komm küss mich!“ Von einem Kuss ihres Kollegen träumt schon lange Kommissarin Liz Ritschard, einschichtig von Delia Mayer gespielt. „Seit wann hast du ein Privatleben?“, fragt sie halb spöttisch, halb verärgert. Dauer-Single Reto Flückiger, physisch präsent von Stefan Gubser dargestellt, hat mal wieder eine Kurznacht-Affäre. Diesmal mit einer verheirateten Dame aus gehobenen Kreisen, wennschon, dennschon. Er gönnt sich ja sonst nichts. Irgendwann wird ihm ein Licht aufgehen, dass Liz die Richtige sein könnte.

Doch diese verblüffende Lösung heben sich die Schweizer „Tatort“-Macher noch auf. Es fällt ihnen ja sonst nichts ein.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Barbie

    Konsequent schlecht.Da regt sich aber keiner drüber auf.

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