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Freitag, 01.04.2016

Tipps für Extreme

Manche fragen sich: Wie werden wir die AfD wieder los? Dabei ist das doch ganz einfach!

Von Werner J. Patzelt

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Politikwissenschaftler Professor Werner Patzelt.
Politikwissenschaftler Professor Werner Patzelt.

© Ronald Bonß

Manche wird es gefreut, noch mehr Leute zornig gemacht haben: Die AfD hat jene Repräsentationslücke rechts von der CDU geschlossen, deren Bestehen viele einst bestritten. Was aber wäre zu tun, damit über die kommende Bundestagswahl hinaus Freude oder Zorn anhalten können, je nach Vorliebe? Obendrein ein kleines Ratespiel: An wen geht wohl welcher Rat – mit Gift für wen?

Vor allem: Lasst die Wandlungskrise unseres Landes hin zu einer Einwanderungsgesellschaft andauern! Tut so, als wäre die einstweilige Linderung unseres Problemdrucks durch die Politik verschlossener Grenzen ein Erfolg unserer etablierten Parteien und ihrer Politik. Versucht es mit einem „Weiter so!“ bei der Aufgabe, aus der Million derer, die 2015 ins Land gekommen sind, solche neuen Mitbürger zu machen, die sich mit unserer Gesellschaft und Kultur identifizieren, ja auch ihrerseits zur Finanzierung unseres Sozialstaats beitragen. Haltet die AfD von jeglicher Regierungsverantwortung fern, damit sie sich – ganz ordnungsgemäß – allen diesen Problemen als Oppositionspartei ohne Zwang zuwenden kann, auch „zu liefern“.

Sodann: Arbeitet darauf hin, dass die CDU nach rechts „klare Kante“ zeigt! Verhindert, dass sie nicht radikalen Deutschen auch weit rechts der Mitte eine politische Heimat bietet. Ermutigt die CDU, ihre Kanzlerin als alternativlose Garantin bisheriger Verhältnisse zu inszenieren. Erklärt der Union, dass sie andernfalls die kommenden Wahlen verliert. Macht die CDU-Chefin den Wähler*innen von SPD und Grünen sympathisch. Gerade dann werden besonders viele Leute auf dem Wahlschein ihr Kreuz nicht bei der AfD setzen.

Obendrein: Stellt die AfD als eine rechtsradikale, rundum grundgesetzfeindliche extremistische Partei hin! Zeigt, dass sich im entstehenden Bundesprogramm Rassismus und Latenznazismus austoben. Verhindert die Parteitage der AfD, attackiert die Büros ihrer Abgeordneten, zündet die Autos ihrer Mandatsträger an. Und macht klar, dass Deutschland gar keine Opposition braucht, weil doch jeder das Recht hat, sich der gründemokratischen, sozialchristlichen Mehrheit anzuschließen.

Kurzum: Lasst alles beim Alten! Konserviert das Bestehende! Dann wird die AfD verschwinden – und sich nie wieder eine Repräsentationslücke auftun. Versprochen. Oder wenigstens so getan, als ob.

›› Alle Beiträge lesen Sie gesammelt im Spezial zur Kolumne „Besorgte Bürger“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 9 Kommentare

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  1. Volker Volkmar

    „Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“?, lässt Goethe seinen Faust sagen. Soll das ganz nun ein Aprilscherz vom „PEGIDA- und AfD-Deuter und -Versteher“ Prof. Patzelt sein oder eine augenzwinkernde Glosse zum Umgang mit der regime-kritischen, (noch) außer-parlamentarischen Bewegung PEGIDA und der nicht mehr nur außer-parlamentarischen AfD (Alternative für Dresden). Wichtig erscheint mir v.a.: „Macht klar, dass Deutschland gar keine Opposition braucht, weil doch jeder das Recht hat, sich der rot-grün-demokratischen, sozial-christlichen Mehrheit anzuschließen.“ Genau hier liegt das Problem. Die Menschen haben es satt, von Leuten regiert (und zum Teil bevormundet) zu werden, die seit Jahren - und nunmehr auch im Osten seit Jahrzehnten - in Parlamenten sitzen, wo sie dann doch zum Teil anderes tun (auf ihrem Handy oder dem PC spielen) und dieselben Phrasen dreschen. Wie wir es aus dem Westen kennen. Ob sie nun in Regierungsverantwortung sind oder in der Opposition.

  2. Andre

    Vielen Dank, Professor Patzelt, für diesen nachdenklich machenden Text. Ich habe den Text zwei mal gelesen, da ich ihn mindestens einmal durch den Ironiefilter schicken musste. Und der wird bei morgens erst nach dem zweiten Espresso zugeschaltet. Die Ursachen dafür, dass Deutschland heute da steht wo es steht, sind sicher einigermaßen komplex. Eine der wichtigsten aus meiner Sicht ist, dass die CDU links an der SPD vorbei in Richtung Grüne gezogen ist und dabei rechts der Mitte ein riesiges politisches Vakuum hinterlassen hat. Dort sitzt jetzt die AfD. Ja was haben Sie denn erwartet Frau Kanzlerin? Aus dieser Position zu behaupten, alles rechts der Mitte sei schlecht, ist grotesk. Schlecht ist rechtsextrem gerade so wie auch linksextrem, nicht aber die alte politische Heimat der CDU. Dieses Deutschland ist aus den Fugen geraten, weil so viele Menschen ihre politische Heimat verloren. Weil der Kanzlerin Alternativlosigkeit nur sagen will: Hör auf zu denken, ich entscheide für dich.

  3. Dieter Dietrich

    @1: Ihnen ist nichts hinzu zu fügen!!! Ach, doch: Ein weiteres Hoch auf den akademischen Haus-und-Hof Politologen der SZ! Es geht bergab.

  4. Das 7. Geißlein

    Über diesen Beitrag von Herrn Professor Patzelt kann man wirklich nur am 1. April lachen. Seine Naivität und sein gespieltes Verständnis von Pegida und AFD sprengen alle nach dem Faschismus-Dilemma mühsam aufgerichteten innergesellschaftlichen Grenzen in unserem Land. Er propagiert hier einen TABU-Bruch durch die Christdemokraten. Erinnert sei an das weise Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein. "Wo sei der Wolf" hatte dieser neonaive Professor kürzlich in der SZ (ohne Kommentarmöglichkeit!) gefragt. Dessen gefräßiger Charakter wurde nach Mehl- und Kreidekosmetik erst nach dem Malheur des Gefressenwerdens einer demokratischen Mehrheit an Naivlingen deutlich. Wenn die ungeschminkten Wölfe nicht hin und wieder auf dem Neumarkt antreten würden, könnte man diese Stadtgesellschaft ruhig weiter schlafen lassen. Aber mit seiner Aufforderung, die CDU möge den rechten Rand mit absorbieren, wird Herr Patzelt zum Chefkosmetiker. Ich hoffe, was die Zukunft angeht, das 7. Geißlein irrte sich.

  5. Berg

    Dass Patzelt nun auch noch Comedian sein will, steht ihm nicht gut zu Gesicht. Den Text hätte eher Gernod Hassknecht vortragen können. Vom Professor für Polit-Vielfalt erwarte ich nicht, von hinten durch die Brust getroffen zu werden, sondern gerade heraus fundierte Faktenargumentationen und Ursache-Wirkung-Prinzipien.

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