erweiterte Suche
Dienstag, 05.01.2016

Tiefe Wunden, neue Einigkeit

Der Terror von Paris prägt die Erinnerungen an das Jahr 2015. Arte arbeitet die Anschläge jetzt mit einem Themenabend auf.

Von Klaus Braeuer

Vereint in Trauer und Wut: Am Pariser Place de la République versammeln sich am 11.Januar2015 Tausende Menschen, um gegen Terrorismus und Fremdenhass zu demonstrieren.
Vereint in Trauer und Wut: Am Pariser Place de la République versammeln sich am 11. Januar 2015 Tausende Menschen, um gegen Terrorismus und Fremdenhass zu demonstrieren.

© © pac presse

Die Bilanz ist grauenerregend. Am 7. Januar 2015 haben zwei maskierte Terroristen die Redaktion des französischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“ überfallen und dabei elf Mitarbeiter getötet. Am 13. November haben insgesamt sechs Terroristen mehrere öffentliche Plätze in Paris gestürmt und dabei 130 Menschen getötet und 352 verletzt. Die Dokumentation „Je suis Charlie, je suis Paris“ befasst sich ausführlich mit diesen Ereignissen und versucht eine Aufarbeitung. Arte zeigt sie am Dienstag um 20.15 Uhr. Es folgen im Anschluss drei weitere Dokumentationen und eine Gesprächsrunde. Im Film kommen unter anderem der französische Innenminister Bernard Cazeneuve zu Wort, ferner Laurent Sourisseau alias Riss, der Geschäftsführer von „Charlie Hebdo“, sowie Kurt Westergaard, Zeichner der Mohammed-Karikaturen, die 2005 in Dänemark für Aufregung sorgten. Breiter Raum wird der Philosophin Élisabeth Badinter eingeräumt, die der Meinung ist, dass das Satire-Magazin schon länger ein Fanal der Blasphemie gewesen sei, aber eben auch ein starker Ausdruck der Meinungsfreiheit. Damit habe das Magazin für viele gläubige Menschen in Frankreich ein Problem dargestellt, insbesondere natürlich für Fanatiker. Badinter spricht zudem von positiven Folgen der Terrorangriffe, die eine große Einheit und Einigkeit im Lande ausgelöst hätten, die sich wiederum positiv auf die französische Gesellschaft ausgewirkt habe.

Der Autor des Arte-Films, Benoît Bertrand-Cadi, betrachtet dieses Jahr des Terrors aus rein französischer Sicht. Er sagt: „Wir wollten auch zeigen, inwiefern der französische Militäreinsatz in Mali dazu beigetragen hat, dass Paris als Anschlagsziel ausgewählt wurde.“ Das Medienecho auf die Anschläge im November sei mit denen vom Januar nicht zu vergleichen, so Bertrand-Cadi. „Die Attentate in Paris hinterließen tiefere Wunden, die sicher viel später verheilen werden und das politische Schicksal des Landes, aber auch die französischen und europäischen Regierungen schwer belasten könnten. Doch die französischen Medien haben gelernt, wie man über ein solches Thema angemessen berichtet.“ (dpa)

„Je suis Charlie, je suis Paris“, Dienstag, 20.15 Uhr, Arte