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Samstag, 30.01.2016

Thielemann zeigt ihm den dicken Daumen

Klarinettist Robert Oberaigner hat mit 35 in Dresden seine Endstation gefunden. Nur die Berge hier könnten größer sein.

Von Bernd Klempnow

Robert Oberaigner ist auf den Tag genau seit zwei Jahren Soloklarinettist der Dresdner Staatskapelle.
Robert Oberaigner ist auf den Tag genau seit zwei Jahren Soloklarinettist der Dresdner Staatskapelle.

© PR

Jüngst beim Konzert in der Semperoper: Die Staatskapelle spielt so lässig-mitreißend Gershwins „Rhapsody in Blue“, dass auch der Dirigent Christian Thielemann hingerissen ist. Er dankt den Musikern und lobt, zeigt gar dem Klarinettisten Robert Oberaigner den nach oben gereckten Daumen. „Ich habe mich gewundert, natürlich gefreut, denn so etwas tut er sonst nicht“, sagt der 35-Jährige. „Allerdings waren wir auch hochmotiviert, wie immer bei Thielemann, weil er Dinge in der Musik freilegt, die man so noch nicht kennt.“

Die Bescheidenheit ist unangebracht. Der Österreicher ist ein großartiger Musikant und vielseitig aktiv. Er spielt in Alte-Musik-Ensembles, sammelt historische Instrumente, gibt Meisterkurse und widmet sich diversen interessanten Projekten. Gerade bereitet er eine CD mit Sonaten des diesjährigen Jubilars Max Reger für Klavier und Klarinette vor. Das sind Stücke, die wie „ein extrem komplizierter Brahms sind, sich aber überraschend öffnen“. Zwar spielt er sonst die Klassiker für sein Instrument wie die Konzerte von Mozart und Weber gern, denn „Mozart ist ja immer ein Genuss“. Dennoch sucht Oberaigner stets nach nicht so abgegrasten Stücken.

Deshalb interpretiert er am Dienstag in der Semperoper das angejazzte Klarinettenkonzert von Aaron Copland. „Junge Instrumentalisten sollten sich nicht nur den Standards widmen, sondern kreativ mit dem Repertoire umgehen.“ Der Copland ist zudem passend, weil er das Aufeinanderhören verlangt. „Das können die Musiker der Staatskapelle auf ungewöhnlich sensible Weise. Der Zusammenhalt und der Qualitätsanspruch aller sind enorm. Dresden ist der ideale Arbeitsplatz.“

Nur eines stört hier. Als gebürtiger Tiroler liebt er die Berge. „Da muss ich rauf, dazu sind sie ja da.“ Und als Bergmensch hat er Sehnsucht nach dem Meer. Beide Wünsche kann Sachsen nicht mal im Ansatz erfüllen. „Geschenkt, denn auch menschlich funktioniert es in der Kapelle super.“ Zudem lebe es sich in Dresden gut. Es mag aus dem Mund eines jungen Menschen komisch klingen, es ist aber so: „Mich reizen keine anderen Orchester oder Städte.“

Konzerttipp: Aufführungsabend der Kapelle mit Werken von Beethoven, Schubert und Copland am 2. 2., 20 Uhr, Semperoper; Kartentel. 0351 4911705

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