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Freitag, 04.03.2016

Thielemann und der Zorn Gottes

Die Staatskapelle und ihr Chef wollen in der Saison 2016/17 über ihre „Ehe“ reden. Sie musizieren unübliche Arrangements, lassen Tokio vibrieren – und meditieren.

Von Bernd Klempnow

Ist mit der Kapelle in „schönster Harmonie“: Christian Thielemann, Chefdirigent seit 2012.
Ist mit der Kapelle in „schönster Harmonie“: Christian Thielemann, Chefdirigent seit 2012.

© dpa

Das sind Vorlaufzeiten. Obwohl der Vertrag von Christian Thielemann als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle noch bis 2019 geht, stehen alsbald Gespräche über eine mögliche Verlängerung an. „Wir verstehen uns menschlich und künstlerisch hervorragend. Man müsste eigentlich nur darüber reden, welche Stellschrauben nachzuziehen sind“, sagte Thielemann am Donnerstag in Dresden. Noch in diesem Jahr würde man die Gespräche beginnen. „Keine Sorge, wir sind dran.“

Dann stellte der 56-Jährige das Pensum der Kapelle in der kommenden Saison vor. 54 Konzerte gibt der Klangkörper in Dresden – neben seinen Aufgaben als Orchester für Opern- und Ballettabende im Semperbau. Zudem geht er siebenmal auf Tourneen und gestaltet – traditionell seit 2013 – die Salzburger Osterfestspiele und erstmals eine einwöchige Tokio-Residenz, letzte mit der halbszenischen „Rheingold“- und Aufführungen der „Alpensinfonie“.

Werke von 58 Komponisten aus fünf Jahrhunderten erklingen. Der Chef selbst setzt seinen Bruckner-Zyklus fort, mixt „ungewöhnliche Kombinationen etwa mit Ravel und Schönberg, bei denen Sie nicht das Weite suchen sollten“. Drei deutsche Erst- und eine Uraufführung wird es geben. Die meisten steuert die 84-jährige Sofia Gubaidulina bei, die erneut Capell-Compositrice ist. Das war die Russin bereits vor zwei Jahren. „Die Zusammenarbeit war so inspirierend, dass wir sie erneut eingeladen haben.“ Zwei große, meditative Werke hat die Staatskapelle in Auftrag gegeben, darunter den Abendfüller „Der Zorn Gottes“, den der Chef aus der Taufe hebt.

Neu ist auch, dass es im März einen Außerordentlichen Kammerabend in der Schlosskapelle geben wird, der mit Pausen fast fünf Stunden lang ist und Wurzeln, Inspirationen und Wege von Gubaidulina aufzeigt. Ebenfalls neu: Erstmals stehen bereits vor Beginn der Saison sämtliche Programme und Gäste der populären, außerdienstlich gestalteten Kammerabende fest.

Es lohnt also, im Programm zu blättern, das viel Neues und viel Vertrautes bietet. Freuen dürfen sich die Dresdner etwa auf das Kapellendebüt von Franz Welser-Möst am Pult. Eine grandiose Begabung, „um die man fast Angst haben müsste“, kommt mit dem 24-jährigen Pianisten Daniil Trifonov, der der neue Capell-Virtuose ist. Viele tolle Solisten konnte Thielemann gewinnen. Eingeladen sind unter anderem der Bariton Matthias Goerne, der Pianist András Schiff und der Geiger Nikolaj Znaider. Und die Kapelle feiert mit ihrem ehemaligen Chefdirigenten Herbert Blomstedt dessen 90. Geburtstag. Das Konzert am 3.Juli 2017 wird live auf den Theaterplatz übertragen.

Der Vorverkauf startet am 21. März in der Schinkelwache Dresden, Kartentel. 0351 4911705

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