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Mittwoch, 09.05.2018

Sympathie für die Widerständigen

Rosemarie Schuders Romane waren Bestseller in der DDR. Die Schriftstellerin ist mit fast neunzig Jahren gestorben.

Von Karin Großmann

Rosemarie Schuder war eine anerkannte literarische Größe und publizierte nach ’89 weiter.
Rosemarie Schuder war eine anerkannte literarische Größe und publizierte nach ’89 weiter.

© picture alliance/ZB

Mit großen historischen Romanen hat sich Rosemarie Schuder in der DDR einen Namen gemacht. Wie ihr Verleger jetzt mitteilt, ist die Schriftstellerin am Sonnabend wenige Wochen vor ihrem neunzigsten Geburtstag gestorben.

Ihre Karriere begann Schuder als Journalistin in ihrer Geburtsstadt Jena. Bei Recherchen in Naumburg stieß sie auf den unbekannten Meister, der die Stifterfiguren für den Dom geschaffen hatte. Das gab den Anlass für ihren ersten Roman. „Der Ketzer von Naumburg“ erschien 1955. Es folgten sensationelle 22 Auflagen. Das Buch ist bis heute lieferbar. Für eine neue Ausgabe schrieb der Katlenburger Bücherpfarrer Martin Weskott das Nachwort.

In der Historie hat die Autorin ihr Feld gefunden. Von dort zog sie feine Fäden in die Gegenwart. Ihr Vorbild, sagte sie in einem Gespräch, war der Schriftsteller Lion Feuchtwanger. Wie er wollte sie anschreiben „gegen Dummheit und Gewalt, gegen das Versinken in Geschichtslosigkeit“. Folgerichtig interessierte sich Rosemarie Schuder für die Widerständigen, die Nichtangepassten und Grenzüberschreiter. Immer wieder thematisierte sie das Verhältnis zwischen Kunst und Macht. In ihrem zweibändigen Romanwerk über Johannes Keppler schilderte sie den Kampf des Philosophen und Astronomen mit der Kirche. In weiteren Romanen porträtierte sie den Maler Michelangelo und den Arzt Paracelsus.

Rosemarie Schuder war eine unangefochtene Größe in der ostdeutschen Literaturlandschaft und schrieb auch nach 1989 weiter. Als ihr Hausverlag Rütten & Loening zur lotterigen Tochter des Aufbau-Verlags verkam, fand sie neue Publikationsmöglichkeiten. Ihre letzten drei Bücher erschienen im Niederlausitzer Verlag in Guben. Er brachte sogar den Familienroman ihrer Mutter heraus. Schuder selbst gehörte von 1951 bis 1990 der CDU an.

Ein Standardwerk verfasste Rosemarie Schuder gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Gerichtsreporter Rudolf Hirsch, der mit seinen Kolumnen in der Zeitschrift Die Wochenpost als „Zeuge in dieser Sache“ große Popularität erlangte. In ihrem Essayband „Der gelbe Fleck“ erforschten die Autoren Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses in der deutschen Geschichte. Das Buch von 1987 war das erste populäre Werk in der DDR über Judentum und Antisemitismus und erschien zunächst nur in einer Auflage von 750 Exemplaren.

Rosemarie Schuder führte dieses Thema weiter, unter anderem in ihrer Studie über den liberalen jüdischen Politiker Eduard Lasker. An seinem Beispiel zeigte sie die Methoden der Diffamierung, Ausgrenzung und Verfolgung, die den Antisemitismus in der Ära von Reichskanzler Bismarck beförderten. Schon damals wurden die „Fremden“ in einer verblüffend aktuellen Rhetorik zu Sündenböcken erklärt.

In den biografischen Texten über den Schriftsteller Berthold Auerbach und den Bankier Ludwig Bamberger stellte die Autorin weitere Gegenspieler von Bismarck vor. Unvoreingenommenheit, klarer Stil und gründliche Recherche prägten die Bücher von Rosemarie Schuder.

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