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Samstag, 14.05.2016 TV-Tipp

Super luftig

Ein Werbeclip machte Friedrich Liechtenstein bekannt. Für Arte tingelt der Entertainer zu den „romantischsten Orten der Gegenwart“: den Tankstellen.

Von Rafael Barth

Einmal volltanken, bitte! Der „Supergeil“-Sänger Friedrich Liechtenstein erkundet auf seine Weise Zapfstationen aller Art. Hier in den Kant-Garagen Berlin.
Einmal volltanken, bitte! Der „Supergeil“-Sänger Friedrich Liechtenstein erkundet auf seine Weise Zapfstationen aller Art. Hier in den Kant-Garagen Berlin.

© ZDF

Für die meisten Leute sind Tankstellen gesichtslose Unorte, die nach Benzin riechen und spätestens dann an der guten Laune kratzen, wenn’s ans Zahlen geht. Für Friedrich Liechtenstein hingegen sind Tankstellen die „romantischsten Orte der Gegenwart“. Der singende Berliner Althipster erklärt das so: Die Zahl der Zapfstationen nimmt seit Jahren ab. Von mehr als 45 000 Ende der Sechzigerjahre allein in Westdeutschland sind heute weniger als 15 000 übrig geblieben. Und immer, wenn etwas verschwindet, kämen Nostalgie und Romantik ins Spiel.

Dass Liechtenstein nicht nur Freund erklärungsbedürftiger Thesen ist, sondern ein gut trainierter Selbstdarsteller, sieht man am Pfingstmontag auf Arte. Der Sender zeigt ab 11.30 Uhr bis in den Spätnachmittag hinein die zehnteilige Dokureihe „Tankstellen des Glücks“. Dafür reiste Liechtenstein in Deutschland, Frankreich, Italien umher, sprach und schäkerte mit Betreibern, Kunden, Künstlern. Da verliert die Tankstelle schnell ihr Schmuddel-Image, zumal wenn es sich um eine solch exquisite Anlage handelt wie im dänischen Skovshoved, entworfen von Designlegende Arne Jacobsen. Gemeinsam mit dem Pächter schwärmt der Gast von der glatten Fliesenfassade, dem pilzrunden Vordach, der rot leuchtenden Uhr. Irgendwie geil.

Dieses Adjektiv braucht man zwingend in einem Text über Friedrich Liechtenstein. Der Künstler war ganz schön weit unten, bevor ihn der Edeka-Werbeclip „Supergeil“ vor zwei Jahren hoch brachte. Auf Youtube wurde das Video mehr als 16 Millionen Mal angeklickt. Nun also sieht man Liechtenstein auf Arte, goldlackiert sind seine Fingernägel, die Sonnenbrille, der Oldtimer-Mercedes. Er singt und swingt und bringt einer Gruppe wildfremder Menschen den Hüftschwung bei. Countrysänger Gunter Gabriel, der früher „viele Weiber“ hatte, entschuldigt sich urplötzlich bei allen, die er enttäuscht hat. Wahrscheinlich überkam ihn Tankstellenromantik.

„Tankstellen des Glücks“, Montag ab 11.30 Uhr, Arte

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