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Montag, 11.01.2016

Starker Tobak

Unter der glatten Oberfläche der guten Gesellschaft geschieht Furchtbares. Im Taunuskrimi schaut Autorin Nele Neuhaus hinter die Kulissen einer Idylle.

Von Sabine Ränsch

Ein Opfer des „bösen Wolfs“? Julia (Karin Hanczewski) ist seit ihrer Kindheit stark traumatisiert. Als sie keinen Ausweg mehr sieht, will sie sich von der Brücke stürzen und ihrem Leben ein Ende setzen.
Ein Opfer des „bösen Wolfs“? Julia (Karin Hanczewski) ist seit ihrer Kindheit stark traumatisiert. Als sie keinen Ausweg mehr sieht, will sie sich von der Brücke stürzen und ihrem Leben ein Ende setzen.

© ZDF/C. Lüdeke

Der Fall „Nixe“, mit dem die Geschichte ihren Anfang nimmt, ist schon für sich grausig. Die Leiche eines jungen Mädchens, das niemand vermisst, wird am Mainufer gefunden. Das Mädchen muss über lange Zeit ohne Tageslicht eingesperrt gewesen, missbraucht und schwer misshandelt worden sein. In einem Zweiteiler zeigt das ZDF die Verfilmung des Taunuskrimis „Böser Wolf“ von Autorin Nele Neuhaus.

Sehr lange tappt das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) und Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) bei seinem sechsten Fall im Dunkeln. Nach und nach führen sie die Ermittlungen auf die Spur eines organisierten Kinderschänder-Rings. Bei der Vertuschung ihrer Verbrechen scheuen die Täter nicht vor skrupelloser Gewalt zurück.

Viele handelnde Personen, verschiedene Handlungsstränge, die zunächst ohne erkennbare Verbindung nebeneinander herlaufen, und düstere Bilder verlangen dem Zuschauer einiges ab. Erst am Schluss fallen die Puzzlestücke rasch nacheinander an die richtigen Stellen und ergeben im Rückblick ein vielschichtiges Sittenbild. Regie führte Marcus O. Rosenmüller.

„Ich bin gespannt, wie die Zuschauer das annehmen, weil es doch starker Tobak ist“, sagt Nele Neuhaus. Wegen der komplizierten Geschichte habe die Verfilmung ein Zweiteiler werden müssen. Und selbst so kostet es Mühe, den Anschluss nicht zu verlieren. Nichts ist so, wie es nach außen scheint. Im Lauf der zwei Folgen stellt sich heraus, dass die Bösen nicht alle böse und die Guten nicht alle gut sind. Und auch, wie leicht Unschuldige unter furchtbaren Verdacht geraten.

Grandios die kleine Louisa, gespielt von Bella Bading. Sie ist eine der Schlüsselfiguren und spielt mit kindlicher Ernsthaftigkeit selbst Stars wie Natalia Wörner als Psychiaterin Leonie Verges oder Michael Mendl als Arzt und Wohltäter Josef Finkbeiner an die Wand. Harald Schrott indes überzeugt in der Rolle des glatten Oberstaatsanwalts Markus Maria Frey. „Es ist mein absolut düsterstes Buch, und als ich es fertig hatte, war ich froh“, sagte Neuhaus, die in Berichten über einen realen, nie geklärten Mordfall aus Frankfurt den Ausgangspunkt für ihren Thriller fand.

In Frankfurt engagiert sich die Schriftstellerin in einem Mädchenhaus, das jungen Frauen Zuflucht bietet. (dpa)

„Böser Wolf“, 20.15 Uhr, ZDF; Teil 2 am Dienstag

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