Dresden/Reinhardtsdorf Mittwoch, 20.02.2013

Staatsschauspiel zieht an die Grenze um

Das Dresdner Theater macht ein Dorf zur Bühne und ein Grenzgebäude zum Hotel.

Von Katrin Richter

Heiko Barth und Andreas Weiß (v.l.) schleppen Möbel in das Gebäude der ehemaligen Grenzübergangsstelle Schmilka. Dort ziehen in den kommenden Tagen Profi-Schauspieler für ein ganz besonderes Projekt ein.Foto: Daniel Spittel
Heiko Barth und Andreas Weiß (v.l.) schleppen Möbel in das Gebäude der ehemaligen Grenzübergangsstelle Schmilka. Dort ziehen in den kommenden Tagen Profi-Schauspieler für ein ganz besonderes Projekt ein.Foto: Daniel Spittel

Goldene Sitzsäcke bringen zumindest etwas Glamour in den ansonsten spartanisch eingerichteten Raum. Sie sind ein Überbleibsel einer Inszenierung des Dresdner Staatsschauspiels. Jetzt schmücken sie eine provisorische Wohnung, in die bald ein zehnköpfiges Team aus Regisseur und ausgebildeten Schauspielern ziehen wird. Gemeinsam wohnen sie dann im ehemaligen Grenzkontrollgebäude in Schmilka. Allerdings nur für einige Wochen. Das hat einen galaktischen Hintergrund.

Das Staatsschauspiel, die Bürgerbühne Dresden und das Theaterkollektiv Aspik planen ein ganz besonderes Spektakel für den Ort Reinhardtsdorf in der Sächsischen Schweiz. In wenigen Tagen beginnen die Proben zum Stück „Der Fall aus dem All“ mit Science-Fiction, Krimi, Liebe, Intrige und Verrat. Das Besondere daran: Das Stück wird an mehreren Orten rund um Reinhardtsdorf aufgeführt, und die Dorfbewohner spielen mit. Premiere ist am 4. Mai.

Was allerdings fehlte, waren Unterkünfte für Regisseur und Profi-Schauspieler. Mit dem Anmieten des ehemaligen Grenzkontrollgebäudes hat das außergewöhnliche Projekt jetzt eine ebenso ungewöhnliche Unterkunft für die Probenzeit gefunden. Eine kleine Gruppe von Leuten aus der technischen Abteilung des Staatsschauspiels hat in den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass es die Mimen wohnlich haben. Aus dem Theaterfundus sind ausrangierte Requisiten in die Nähe der tschechischen Grenze gebracht worden. Der technische Betreuer der Produktion, Michael Kleinhenn, zählt auf: „Die Betten vom Deutschen Roten Kreuz haben wir gemietet. Die Küchenelemente stammen aus einer ehemaligen Ausstellung des Hygienemuseums. Die Ausstattung beschränkt sich aber eher auf das Nötigste.“ Dafür entschädige das unglaubliche Panorama für die spartanische Einrichtung.

Regisseur Uli Jäckle ließ sich für sein Vorhaben von der bizarr-romantischen Landschaft inspirieren. Die Schönheit der Sächsischen Schweiz wird aufgegriffen und aus einem schrägen Blickwinkel neu betrachtet. „Die Landschaft wird zur Bühne, das Publikum geht von Station zu Station, von Szene zu Szene und hat am Ende eine kleine Wanderung hinter sich: über Wasser, Wald, Wiesen oder Dorfplätze“, erklärt Jäckle. Für das Theater Aspik erarbeitet der freischaffende Regisseur schon seit vielen Jahren im niedersächsischen Heersum Projekte mit Hunderten Menschen im öffentlichen Raum.

Von dem die Straße überspannenden Gebäude in Schmilka ist Jäckle sofort begeistert gewesen, als die Künstlergruppe im Juli für eine Woche das Gebiet für die Inszenierung erkundete. Über 60 Teilnehmer aus Reinhardtsdorf und umliegenden Gemeinden haben für das Landschaftstheaterprojekt ihr Mitwirken signalisiert. Weitere Interessierte können am 25. Februar, ab 18Uhr, im Sport- und Freizeittreff Reinhardtsdorf zum Probenauftakt vorbeikommen.

Der Fall aus dem All: Premiere am 4. Mai um 15 Uhr, es folgen zehn weitere Vorstellungen an den darauffolgenden Wochenenden; Weitere Informationen unter

0351 4913849 oder per E-Mail an buergerbuehne@staatsschauspiel-dresden.de