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Dienstag, 12.09.2017 TV-Tipp

Spannend wie ein Thriller

Die Doku „Terrorjagd im Netz“ zeigt Alternativen zur Massenüberwachung und was die Politik tut, um die zu verhindern.

Von Marco Krefting

Christian Weichselbaum, Chief Data Scientist von KIVU Technologies aus Wien, erklärt in der Doku „Terrorjagd im Netz“, wie man legal an relevante Daten herankommen kann.
Christian Weichselbaum, Chief Data Scientist von KIVU Technologies aus Wien, erklärt in der Doku „Terrorjagd im Netz“, wie man legal an relevante Daten herankommen kann.

© Arte/Friedrich Moser

Die Bilanz des Terrors von 2005 bis 2017 in der westlichen Welt: 14 Anschläge, 32 Attentäter, 429 Tote und 2 472 Verletzte. Darunter Würzburg, Ansbach und Berlin. Die Arte-Doku „Terrorjagd im Netz“ geht aber noch weiter in die Details: Jedes Mal sei einer der Täter polizeibekannt gewesen. Jedes Mal habe ein Netzwerk dahintergesteckt. Jedes Mal habe es elektronische Kommunikation gegeben und einen digitalen Fußabdruck, der eindeutig auf Radikalisierung hinwies. Wie konnte das trotz Massenüberwachung passieren?

Der Film ist Teil des Themenabends „Welt 3.0 – Die Macht der Algorithmen“ am Dienstag. Er analysiert Hintergründe zu Terroranschlägen, zeigt Mängel bei der massenhaften Datenkontrolle auf und stellt Alternativen vor. Dabei ist die Dokumentation so inszeniert, dass sie teils als Thriller durchgehen könnte: So treffen sich IT- und Terrorexperten auf menschenverlassenen Straßen im nächtlichen Wien, um an einer Überwachungslösung zu arbeiten. Die soll Sicherheit in der Terrorabwehr garantieren und gleichzeitig die Privatsphäre schützen.

Der Whistleblower Edward Snowden darf darauf hinweisen, dass die breite Überwachung die Anschläge von Boston und Brüssel nicht verhindert habe. Und selbst der ehemalige Leiter der Cyber-Security der britischen Regierung zweifelt an der Wirksamkeit der bisherigen Methoden.

Nur: Ein Befürworter, ein Verteidiger der Massenüberwachung kommt nicht zu Wort. Ein kleines Manko des Films. Der geht zu einem großen Teil aber auf die Alternativen zum massenhaften Datensichern ein: Ein kleines Start-up will nur über öffentlich zugängliche Kanäle potenzielle Terroristen entlarven. Datenanalyst Christian Weichselbaum erklärt, dass er dafür bloß Informationen von sozialen Netzwerken, von Blogs und einigen Websites im Darknet, dem anonymen Teil des Internets, brauche. Die Macher der Doku weisen auch auf den riesigen Markt für Überwachungstechnologien hin und auf juristische Versuche, die Erfinder zum Schweigen zu bringen. Das lässt die Doku fast schon zum Politkrimi werden. Doch es ist keine Fiktion. (dpa)

„Terrorjagd im Netz“, 20.15 Uhr, Arte

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