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Dienstag, 21.11.2017

So läuft das Geschäft

Milch ist beliebt. Warum sie so günstig verkauft wird, und was noch hinter dem Geschäft mit ihr steckt, ergründet eine Doku.

Von Klaus Braeuer

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Armes Tier: Hat als Hochleistungskuh nur ein kurzes Leben.
Armes Tier: Hat als Hochleistungskuh nur ein kurzes Leben.

© dpa

Ob die Milch von glücklichen Kühen kommt, weiß niemand so genau. Was jedoch bekannt ist: In Europa geht es pro Jahr um die Produktion von fast 200 Billionen Tonnen Milch und Milchpulver – ein Markt von etwa 100 Milliarden Euro, wie die Macher der Dokumentation „Das System Milch“ erläutern.

„Die Milch macht’s“ – so lautete ein bekannter Werbespruch. Doch in den vergangenen Jahrzehnten gab es weltweit einen enormen Strukturwandel in der Landwirtschaft. Und das Verhältnis des Menschen zur Milch hat sich stark verändert. Sie ist zwar ein gefragter Rohstoff – und dies erst recht, seitdem auch die Chinesen auf den Geschmack gekommen sind. Der Film zeigt aber vor allem, was für ein riesiges Geschäft mit der Milch gemacht wird.

Der Konkurrenzkampf ist groß, der Druck enorm: Die Milch soll, im Gegensatz zur Butter, nicht teurer werden, aber die Höfe moderner und die Kühe leistungsfähiger. Doch das ist schwierig. Die Molkereien als Schnittstelle zwischen Produzenten und Konsumenten spielen dabei eine mächtige Rolle. Ihnen geht es vor allem um neue Kunden und neue Produkte wie ein spezielles Milchpulver für Senioren. Vom ehedem sozialen Aspekt dieser traditionell genossenschaftlich organisierten Betriebe ist heute wenig übrig.

Zwei Landwirte werden im Film porträtiert. Peder Mouritsen aus Norre Nebel in Dänemark ist kein einfacher Bauer – er arbeitet mit seinem Sohn als Unternehmer mit sechs Höfen, 750 Kühen und zwölf Angestellten. Im schwäbischen Donzdorf arbeitet Familie Geiger mit 250 Kühen in einem Familienbetrieb – hier wie dort wird die Monopolisierung der Molkereien beklagt, dass die Milchbauern keinen Einfluss auf Abnahmemengen und -preise haben.

Im Stall kehrt ein fahrender Roboter die Hinterlassenschaften der Kühe weg, und ohne Melkroboter ginge kaum noch was. „Wir bekommen jetzt 27 Cent pro Liter, aber mindestens 40 müssten es sein, um kostendeckend zu arbeiten“, sagt der Jungbauer vom Geigerhof. Der Durchschnitt in der EU auf das ganze Jahr gerechnet liegt bei 33 Cent. Der Konsument im Supermarkt zahlt im Schnitt 68 Cent für einen Liter fettarme Trinkmilch. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Frischmilcherzeugnissen liegt bei jährlich 85 Kilo.

Neben Milchbauern äußern sich im Film auch Molkereivorstände, Politiker, Lobbyisten und Wissenschaftler – über die Folgen für die Umwelt, die Wirtschaft und die Verbraucher, die für Milch im Grunde einen höheren Preis bezahlen müssten. Die Milchkühe kümmert das sicher nicht. Eine normale Kuh kann bis zu 20 Jahre alt werden, eine „Hochleistungskuh“ höchstens fünf. Sie leiden nicht zuletzt unter dem Stress von Leistungsschauen. Auf die grüne Wiese kommen die meisten gar nicht mehr, weil das viel zu aufwendig wäre. Glücklich dürften die wenigsten sein. (dpa)

„Das System Milch“, Dienstag, 20.15 Uhr, Arte

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Korinthenkacker

    200 Billionen Tonnen Milch entspricht 500.000 Kubikmeter Milch pro EU-Bürger, eine halbe Milliarde Liter also... - das scheint mir aber recht hoch gegriffen auch wenn ein Teil zu Butter verarbeitet würde.

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