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Mittwoch, 10.01.2018

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Das größte jährliche Event der Jüdischen Gemeinden kommt erstmals nach Ostdeutschland: Im Februar findet in Dresden die Jewrovision statt.

Von Oliver Reinhard

Wie die Profis: Auf der letztjährigen Jewrovision in Karlsruhe zeigten insgesamt 1200 Kinder und Jugendliche, was sie sängerisch, tänzerisch und showmäßig so draufhaben. Foto:
Wie die Profis: Auf der letztjährigen Jewrovision in Karlsruhe zeigten insgesamt 1 200 Kinder und Jugendliche, was sie sängerisch, tänzerisch und showmäßig so draufhaben. Foto:

© Zentralrat der Juden/Gregor Zielke

Schon der Titel macht klar, dass es vor allem um eine Menge Spaß geht: Jewrovision heißt der größte jüdische Gesangs- und Tanzwettbewerb Deutschlands und Europas – obwohl die Anspielung auf den großen Eurovision Song Contest ein wenig in die Irre führt. Denn die Jewrovision ist ein Nachwuchswettbewerb für jüdische Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 19. Was vor 16 Jahren mit 120 Kids startete, ist mit über 60 teilnehmenden Jugendzentren und Gemeinden, aus denen die rund 1 200 Kandidaten kommen, längst das größte jährliche Event der Jüdischen Gemeinden in Deutschland. Nun findet es zum ersten Mal im Osten statt, vom 9. bis zum 11. Februar in Dresden.

Kein Team aus Ostdeutschland

Er ist das Herzstück eines bundesweiten Jugendtreffens, der Mini-Machane. Die Teilnehmer feiern gemeinsam den Shabbat, die jüdischen Traditionen, den Zusammenhalt. Im Wettbewerb präsentieren die Kandidaten dann bekannte Popsongs, versehen mit eigenen Texten, performt mit Tanzeinlagen vor selbst gebauten Kulissen als möglichst überzeugender Show-Act. Eine Jury aus Branchenprofis – in Dresden mit den Schauspielerinnen Susan Sideropoulos und Rebecca Simoneit-Barum – kürt dann den Sieger. Die Veranstalter rechnen mit 2 000 Zuschauern in der Dresdner Messe, zusätzlich zu den 1 200 Beteiligten.

Dass der Zentralrat der Juden Sachsens Landeshauptstadt zum Austragungsort kürte, hat ein bisschen mit Zufall zu tun, ist durchaus ungewöhnlich und folgt einem höheren Ziel. Das Gewinnerteam der Jewrovision 2017 stammt zwar aus Hamburg, doch wegen Terminproblemen mit dem dortigen Veranstaltungsort brach man mit der Tradition des Sieger-Ortes und entschied sich für Dresden. Obwohl sich weder in Dresden noch in Sachsen noch überhaupt in Ostdeutschland Kandidaten für den Wettbewerb beworben haben. Aber es sei jetzt „einfach an der Zeit, dass der Wettbewerb in den neuen Bundesländern ausgetragen wird, um die Gemeinden zu stärken und zu zeigen, dass es auch dort jüdisches Leben gibt“, sagte Zenralratsgeschäftsführer Daniel Botmann der Jüdischen Allgemeinen.

Denn das Jüdische Leben in Ostdeutschland lässt sich an Intensität, Vielfalt und Verankerung noch immer nicht mit dem im Westen vergleichen. Verfügen Orte wie München, Frankfurt, Hamburg oder Berlin über Gemeinden mit vielen Tausend Mitgliedern und durchaus lebendiger Nachwuchs-Szene, sind die Gemeinschaften im Osten wesentlich kleiner und vor allem ungleich überalterter. Auch durch den Wegzug junger Leute gen Westen. So hat etwa die Leipziger Gemeinde 1300 Mitglieder, zählt die in Chemnitz knapp 700 und die Dresdner gerade 300. Aber, so heißt es aus der Landeshauptstadt, allein die Aussicht auf die Jewrovision habe schon viele junge Gemeindemitglieder neugierig gemacht; eine coole Show ist für diese Zielgruppe eben doch ungleich attraktiver als eine Buchlesung.

Genau darauf setzt auch der Zentralrat der Juden mit seiner Dresden-Wahl: „Die Jewrovision wird sowohl eine Signalwirkung nach innen als auch nach außen haben“, sagt Geschäftsführer Botmann. Er hofft auf „einen Schub an positiver jüdischer Energie“ für die Region, die junge Juden vielleicht dazu bewegen kann, „selbst wieder in ihrer Gemeinde aktiv zu werden und sich zu engagieren“. Als Nahziel hat man die künftige Zusammensetzung der Jewrovision im Auge: „Wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass auch die Gemeinden in den neuen Bundesländern in die Lage versetzt werden, Teams für den Wettbewerb aufzustellen.“ Das Fernziel ist allerdings weiter gesteckt. Es geht um den Auf- und Ausbau funktionierender Strukturen der jüdischen Jugendarbeit. Genauer: um den Ausbau bestehender und die Gründung neuer Jugendzentren in Ostdeutschland mit professioneller Führung.

Statement gegen Antisemitismus

Aber dem Zentralrat ist nicht nur die Stärkung der jüdischen Gemeinden nach innen ein Anliegen. Auch die Jewrovision soll als Event und Statement nach außen wirken. „Das ist gerade in der heutigen Zeit wichtig, in der wir einen Zuwachs an Rechtspopulismus und Rechtsextremismus erleben“, so Geschäftsführer Daniel Botmann. Der Präsident des Zentralrats der Juden konkretisiert: „Das Thema Antisemitismus hat in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen beherrscht. Wir wollen dem etwas entgegensetzen und unser modernes, junges jüdisches Leben zeigen“, so Josef Schuster.

Jewrovision am 10. Februar ab 20.15 Uhr in der Messehalle Dresden. Der Eintritt kostet 10 Euro (ermäßigt 7 Euro). Kartenreservierung unter ticket@jewrovision.de

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