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Dienstag, 15.03.2016

Sieben Stunden Angst, Not und Zerstörung

Arte versucht mit einem Themenabend, Licht in das unübersichtliche Geschehen in Syrien zu bringen.

Von Klaus Braeuer

Seit 2011 tobt in Syrien der Bürgerkrieg, der weite Teile des Landes – wie hier einen Vorort von Damaskus – verwüstete. Arte versucht, mit einem Dokumentationsmarathon die Hintergründe des Konflikts zu erklären.
Seit 2011 tobt in Syrien der Bürgerkrieg, der weite Teile des Landes – wie hier einen Vorort von Damaskus – verwüstete. Arte versucht, mit einem Dokumentationsmarathon die Hintergründe des Konflikts zu erklären.

© dpa

Es begann vor fünf Jahren und wurde bald Arabischer Frühling genannt. Auch in Syrien formierte sich der Protest einer überwiegend friedlichen Jugend. Doch seit 2011 tobt dort ein Bürgerkrieg, mehr als 250 000 Menschen starben, über 100 000 Menschen sind verschwunden, über zwölf Millionen Menschen begaben sich auf die Flucht – nach vorsichtigen Schätzungen. Das alles macht es so schwer für uns, zu verstehen, was dort eigentlich genau vor sich geht. Einen historischen Ablauf und einen Überblick über die heutige Situation bietet der Themenabend am Dienstag auf Arte.

Er umfasst sechs Dokumentationen und dauert insgesamt fast sieben Stunden und beginnt mit der Dokumentation „Verlorene Welten“. Diese zeigt, dass nirgendwo sonst die Spuren der Zivilisation so weit zurückreichen wie im Vorderen Orient. Der Fruchtbare Halbmond mit vielen Kulturgütern reicht vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf. Doch das schützenswerte Weltkulturerbe ist bedroht – die Spur der Zerstörung seitens der fanatischen Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reicht vom Irak bis nach Syrien.

Als trauriger Höhepunkt der Verwüstungen gilt die Vernichtung der Stadt Aleppo und der Oasenstadt Palmyra. Westliche und östliche Kultur mit römischen und orientalischen Elementen ging hier eine einmalige Verbindung ein. Vermutlich auch deshalb zerstört der Islamische Staat gerade dort die Zeugen einer glanzvollen Epoche, die außerdem touristische Attraktionen sind, oder verhökert sie auf dem Schwarzmarkt.

Im Film äußern sich Orientalisten und Museumsdirektoren wie der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Er sagt: „Man tötet nicht nur die Menschen, man nimmt ihnen auch ihre kulturelle Identität. Das macht sprachlos.“ Doch was kann der zivilisierte Westen dagegen tun? Es werden bereits antike Handschriften zumindest virtuell gesichert, aber soll man Kunstwerke ausfliegen, um sie vor der Zerstörung zu bewahren?

In der zweiten Dokumentation „Inside Rakka“ ab 21 Uhr erklären IS-Deserteure die Mechanismen der Terrororganisation. Als ihre Hauptstadt bezeichnen sie das syrische Rakka, dort waren auch die meisten der etwa 100 Aussteiger stationiert. Nun sind sie in der Türkei. Die Aussteiger wollen den IS vorführen, mit all den falschen Versprechungen, der Gewaltverherrlichung, den Gehirnwäschen, der Korruption und den willkürlichen Erschießungen. Klar wird: Der IS ist weder islamisch noch ein Staat.

Manche Deserteure sind stolz darauf, dass sie den Absprung mithilfe von Ausschleusern geschafft haben, manche auch nicht, weil sie gehen mussten, und allen ist klar, dass ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt wurde. Die folgende Doku „Vermisst!“ zeigt Willkür, Grausamkeit und Folter in Syrien und belegt, wie das Regime des immer noch herrschenden syrischen Machthabers Assad seine politischen Gegner ausschaltet. Auch die bis 3 Uhr folgenden Beiträge – teilweise Kurzfilme von Amateuren – offenbaren, wie komplex und erschütternd die Situation in Syrien ist. (dpa)

„Thema Spezial: Syrien“, 20.15 Uhr, Arte

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