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Dienstag, 09.02.2016

Schweighöfer dreht Serie für Amazon

In der sechsteiligen Serie „Wanted“ soll ein Mann im Mittelpunkt stehen, dessen Leben durch einen Hacker-Angriff auf den Kopf gestellt wird. Schweighöfer wird auch selbst Regie führen.

Von Andrej Sokolow

Der Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer dreht demnächst für Amazon.
Der Schauspieler und Regisseur Matthias Schweighöfer dreht demnächst für Amazon.

© dpa

Berlin. In den USA setzt Amazon für seinen Video-Dienst auf einen Altmeister wie Woody Allen, in Deutschland soll Matthias Schweighöfer mit einer eigenen Serie die Zuschauer anlocken. Bei Konkurrenten Netflix drehen Adam Sandler und Angelina Jolie. Die großen Namen sind der Beleg für einen tiefgreifenden Wandel der TV-Branche. Die neuen Streaming-Dienste, die für eine Abo-Gebühr Filme und Serien übers Internet zeigen, gewinnen schnell an Gewicht. Amazon betritt jetzt Neuland in Deutschland mit einer ersten Serie, die hierzulande exklusiv für den Video-Dienst des Online-Händlers produziert wird - und auch im Ausland laufen soll. Schweighöfer ist der kreative Kopf als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller.

Das Projekt „würde mit einem Fernsehsender einfach nicht funktionieren“, sagt der 34-Jährige nach der Ankündigung in Berlin. „Weil es auch ein sehr harter Stoff ist. Da darf kein Redakteur ran und sagen, wir müssen das jetzt hier redaktionell beschneiden.“ Schweighöfer spielt in der Serie mit dem auslandstauglichen Namen „Wanted“ einen Mann, dessen Existenz nach einem Hacker-Angriff aus den Fugen gerät. Er hat zunächst einmal sechs einstündige Folgen, um den Schuldigen zu finden. Schweighöfer als „Showrunner“ verspricht, „es wird definitiv mehr US-Thriller als „Tatort“. Eine weitere Staffel sei durchaus möglich.

Mit der ersten Serie aus deutscher Produktion überholte Amazon den Konkurrenten Netflix, der schon seit dem Deutschland-Start im Herbst 2014 von ähnlichen Plänen spricht. „Wir sehen uns nach einer Sendung um, haben aber noch nicht das Richtige gefunden“, sagte Netflix-Chef Reed Hastings noch im Januar. Ob Krimi oder Komödie - Netflix sei für alle Genres offen. Das Vorpreschen von Amazon dürfte diese Spanne jetzt eingeengt haben.

Die Streaming-Dienste bedienten sich anfangs aus dem großen Pool der Inhalte von TV-Sendern und wirkten entsprechend austauschbar. Doch inzwischen setzen Netflix und Amazon massiv auf exklusive Inhalte, die nur bei ihnen zu sehen sind. So wollen sie sich von einander abheben und die Abo-Gebühr rechtfertigen. Dabei suchen die neuen Player mit ihren Milliarden-Kassen eine schnelle Entscheidung über den Preis. „Wir müssen mehr Geld bieten“, sagt Hastings. „Wenn wir nur genauso viel bieten, werden sie keine Deals mit uns machen.“

Zuletzt zählten die beiden Streaming-Anbieter zu den aktivsten Käufern beim Sundance-Festival, auf dem neue Produktionen gehandelt werden. Die TV-Sender müssen sich zum Teil schon zusammenschließen, um mithalten zu können. Die Exklusiv-Offensive schlägt sich inzwischen auch in Auszeichnungen nieder. Amazons „Transparent“ - die Geschichte eines Familienvaters, der sich als transsexuell outet - gewann als erste Produktion eines Streaming-Anbieters einen Golden Globe für die beste Serie. Inzwischen haben beide Anbieter diverse Preise in den Regalen stehen.

Das Streaming bietet eine im TV-Geschäft bisher einmalige Möglichkeit, den Erfolg einer Sendung zu messen. Während sich Sender auf Quoten, Zielgruppen-Forschung und Umfragen verlassen müssen, haben Netflix und Amazon den direkten Einblick ins Nutzer-Verhalten - anonym, wie stets betont wird. „Wir wissen, wie oft welche Folge angesehen wurde, wann man wegschaltet, an welchem Punkt die Leute eine Serie aufgeben oder sich nicht mehr von ihr lösen können“, sagt Netflix-Produktchef Neil Hunt. Die Daten-Analyse werde neben dem unverzichtbaren Bauchgefühl auch bei Produktions-Entscheidungen berücksichtigt. „Wir sehen sofort, ob etwas erfolgreich ist“, sagt auch der Deutschland-Chef von Amazon Video, Christoph Schneider.

Ob die Eigenproduktionen unterdessen ihre Rolle als Zuschauer-Magnet erfüllen, wissen mit Sicherheit nur die Anbieter selbst. Laut einer Untersuchung der Finanzfirma RBC Capital Markets erklärte in den USA gut die Hälfte der Nutzer, der Zugang zu Exklusiv-Inhalten habe ihre Entscheidung für ein Netflix-Abo nicht beeinflusst. (dpa)

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