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Samstag, 14.04.2018

Schmerzgrenze überschritten

Ed Sheeran, Mark Foster und Alice Merten gewinnen Echo-Preise. Unter Buhrufen und Pfiffen werden auch die Rapper von Kollegah geehrt.

Von David Schwarz

Rapper Kollegah setzt Campino einen Heiligenschein auf, weil für den Tote-Hosen-Sänger mit dem Echo für Kollegah die Toleranz ein Ende hat.
Rapper Kollegah setzt Campino einen Heiligenschein auf, weil für den Tote-Hosen-Sänger mit dem Echo für Kollegah die Toleranz ein Ende hat.

© Andreas Rentz/Getty Images

Campino steht auf der Bühne und spricht an, was schon im Vorfeld der Echo-Preisverleihung die Gemüter erhitzte: Wo hört die künstlerische Freiheit auf? Wo ist die Grenze? Er kenne sich als Sänger der Toten Hosen mit Provokation aus, sie könne konstruktiv sein, sagte er in seiner Dankesrede für den Echo, den er in der Kategorie Rock National erhielt. Für ihn sei die Grenze der Toleranz überschritten, „wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht“, sagt er. Großer Applaus, stehende Ovationen. Campino wirkt ein wenig nervös. Diese Debatte, so sagt er, sei wichtig und nötig.

Und dann das: Kollegah und Farid Bang gewinnen tatsächlich den Echo. „Das ist ja fast schon wie ein Trostpreis nach Campino“, sagte Farid Bang zu dem Preis für das Album „Jung, brutal, gut aussehend 3“. Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht, meinte Kollegah. Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum zeigt er eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle. Schon im Vorfeld hatte es heftige Kritik an der Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ aus dem Song „0815“ gegeben. „Dass ausgerechnet am 12. April, dem Holocaust-Gedenktag in Israel, die Echo-Verleihung von dieser Nominierung überschattet wird, ist makaber und beschämend“, hatte etwa Peter Maffay gesagt. Ähnlich hatten sich das Internationale Auschwitz-Komitee und der Zentralrat der Juden geäußert.

Campino geht es nicht nur um einen Rap-Song, sondern „vielmehr um einen Geist, der zurzeit überall präsent ist“, betont der 55-Jährige. „Nicht nur in der Musik, sondern auch in den sozialen Medien, im täglichen Fernsehtrash, in der Politik.“

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Die anderen Auftritte des Abends werden wohl weniger in Erinnerung bleiben, obwohl viele internationale Stars zur Echo-Gala nach Berlin gekommen sind. Zum Auftritt von Luis Fonsi gesellt sich überraschend Helene Fischer, die ihren 17. Preis gewinnt. Der bislang immer nur nominierte Mark Forster gewinnt seinen ersten Preis als Künstler Pop National.

Nicht alles glänzt so golden wie der Teppich, über den die Stars vor der Show gegangen waren. Gewinner des Abends ist Popstar Ed Sheeran, der drei Preise abräumt, sich allerdings nur per Videobotschaft aus Japan bedankt. Und der Newcomer National, Wincent Weiss, plaudert in einer Laudatio hauptsächlich von den Alkoholeskapaden der vergangenen Nacht.

Thema bleiben wird die Debatte über künstlerische Freiheit und über deutschen Rap, der kommerziell erfolgreich ist, aber mitunter Grenzen überschreitet. (dpa)