erweiterte Suche
Mittwoch, 08.03.2017

„Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“

Dresdens Staatsoperette wird in der neuen Saison 70 Jahre alt: Zum Fest lässt sie Nachbarn streiten, eine Fürstin Csardas tanzen und mästet ihr Haustier.

Von Bernd Klempnow

Sie ist die legendäre „Rössl“-Wirtin: Waltraut Haas – hier im Kultfilm von 1960 mit Peter Alexander als Zahlkellner Leopold. An diesem Sonntag ab 11Uhr ist Waltraut Haas Gast der „Rössl“-Matinee der Staatsoperette und plaudert über ihre 70-jährige Karriere.
Sie ist die legendäre „Rössl“-Wirtin: Waltraut Haas – hier im Kultfilm von 1960 mit Peter Alexander als Zahlkellner Leopold. An diesem Sonntag ab 11 Uhr ist Waltraut Haas Gast der „Rössl“-Matinee der Staatsoperette und plaudert über ihre 70-jährige Karriere.

© ddp images

Eine neue, schicke Bude, die jeden Tag mit begeisterten Zuschauern voll ist – die Staatsoperette Dresden ist in ihrem neuen Quartier, dem Kulturkraftwerk, auf Erfolgskurs. Doch nicht nur den Sängern, Musikern und Tänzern geht es im neuen Haus der heiteren Muse gut, sondern auch dem imaginären Haustier – dem Ohrwurm. Kein anderes Theater der Landeshauptstadt mästet ihn derart und wird es in der nächsten Saison 2017/18 noch intensiver tun. Angekündigt sind Stücke mit Evergreens wie „Das macht die Berliner Luft, Luft, Luft“, „Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe“, „Und der Haifisch, der hat Zähne“ sowie „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“. Konkret sind das die Operettenklassiker „Frau Luna“ und „Die Csardasfürstin“ sowie die „Dreigroschenoper“. Am Mittwoch stellte die Staatsoperette ihre Vorhaben auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vor. Intendant Wolfgang Schaller zog Bilanz und blickte voraus: „Für den sich abzeichnenden Erfolg der Eröffnungsspielzeit haben die Mitglieder der Staatsoperette alle Kräfte angespannt und werden derzeit vom Publikum dafür reich belohnt. Mit einem vielgestaltigen und attraktiven Repertoire gehen wir in die neue Spielzeit, die ein Fest wird und ebenso Höhepunkte bietet.“

Frau Luna und die Groschenoper

Im Oktober 2017 feiert sein Haus 70-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass steht ab Ende September „Die lustige Witwe“ im Spielplan, die 1947 die erste Operettenpremiere in der Spielstätte in Leuben war und im Frühjahr 2016 als letzte dortige Neuinszenierung den Abschied vom alten Haus einleitete. Zudem sind vier Premieren geplant. Als erste gibt es die Uraufführung des kabarettistischen Nachbarschafts-Musicals „Zzaun!“. Das Stück erhielt 2015 beim ersten Wettbewerb für neue deutschsprachige Musicals den ersten Preis. Die Musik ist laut Schaller „ein atemberaubender Mix aus Pop-Balladen, Rocksongs, Revuenummern und kabarettistisch angehauchten Schnellsprech-Einlagen. Die Geschichte beschreibt auf liebenswert-böse Art, wie aus einer Bagatelle eine Feindschaft von universellem Ausmaß entstehen kann“.

Zunächst verwundern mag die Ansetzung der „Dreigroschenoper“ von Brecht/Weill. Der Intendant hat eine Erklärung: „Was liegt näher, als unsere Sänger, Musiker und Tänzer die ,Dreigroschenoper’ interpretieren zu lassen – benutzte doch Kurt Weill Formen und Protagonisten der Operette der Zwanzigerjahre für dieses großartige Werk.“ Und mit „Frau Luna“ und der „Fürstin“ will das Haus „nicht nur unserem Namen alle Ehre machen, sondern einen zeitgemäßen Umgang mit dem Genre Operette präsentieren“.

Zwölf weitere Inszenierungen aus dieser und vergangenen Spielzeiten bietet die Bühne sowie umfangreiche Extras. Das Orchester wird unter seinem Chefdirigenten Andreas Schüller unter anderem zum Neujahrskonzert Johann Strauss und Gioachino Rossini gegenüberstellen. Das Ballett unter Radek Stopka bringt mit der Tango-Operita „Maria de Buenos Aires“ eine fürs Haus neue Ästhetik ins Repertoire und bereitet zudem die Familienproduktion „Backstage“ vor, die dem Zuschauer hautnah den Alltag eines Tänzers nahebringt. Auch Gastspiele wird es wieder geben. So präsentiert unter anderem Dagmar Manzel ihr Liebeslieder-Programm „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ – auch da wird der Ohrwurm triumphieren.

Die Eintrittspreise bleiben unverändert. Mit Dreier- und Viererabos reduziert sich der Kartenpreis bis zu 40 Prozent. Der Vorverkauf startet am 4. Mai.