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Mittwoch, 11.10.2017

Sag mir, wo du stehst

Hartmut König, einst Funktionär im DDR-Jugendverband und Liedermacher, wird 70. Zum Geburtstag erscheint ein Buch.

Von Jutta Schütz, Berlin

Hartmut König in seinem Haus bei Bernau: Der frühere FDJ-Funktionär zieht in seiner Autobiografie eine Lebensbilanz.
Hartmut König in seinem Haus bei Bernau: Der frühere FDJ-Funktionär zieht in seiner Autobiografie eine Lebensbilanz.

© dpa

Die DDR-Jugendorganisation FDJ hatte 1976 rund 2,2 Millionen Mitglieder. Das seien nahezu zwei Drittel aller Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren gewesen, schreibt Ex-Funktionär Hartmut König in seiner Autobiografie, die am Freitag in der Eulenspiegel-Verlagsgruppe erscheint. Einen Tag später wird König 70 Jahre alt.

Für junge Menschen habe es in der DDR viele Angebote gegeben. Der Jugendverband organisierte Talente-Ausscheide, Theatertage, Rockkonzerte, Poetenseminare und Liedersommer, wie der frühere Sekretär des Zentralrates der FDJ schreibt. Sollte da nichts hängen geblieben sein, was heute faire Anerkennung verdiene, fragt König in dem Buch mit dem Titel „Warten wir die Zukunft ab“.

Im Monolog zu dem Buch schreibt König, er habe Anteil an einer Politik gehabt, die am Ende wegen Entfernung vom Volk durch das Volk abgewählt wurde. An allem zu zweifeln, sei damals nicht seine Devise gewesen.

Der Liedermacher war Mitbegründer des Oktoberklubs, für den er das Lied „Sag mir, wo du stehst“ komponierte. Der gelernte Journalist war ab 1976 Sekretär des Zentralrates der FDJ, zunächst für Internationale Beziehungen und dann für Kultur.

König berichtet in dem Buch auch, wie sich Udo Lindenberg selbst in die DDR eingeladen habe. Der Rocksänger habe im August 1983 an Erich Honecker geschrieben, dessen Folge Lindenbergs erstes Gastspiel in der DDR war – mit einem „politisch kalkulierbaren Publikum“ im Palast der Republik. Er habe, so König, im Auftrag von Egon Krenz die Sache verhandelt. Am Rande einer ersten Besprechung zu dem Konzert habe man dann in Ost-Berlin gar zusammen auf einem Herren-Klo gestanden.

König hatte den Antwortbrief für Honecker entworfen, nachdem Lindenberg dem SED-Partei- und DDR-Staatschef eine Lederjacke geschickt hatte. Der Brief endete so: „Übrigens, da Sie gelegentlich auf meine musikalische Vergangenheit zu sprechen kommen, schicke ich Ihnen eine Schalmei. Viel Spaß beim Üben. Mit freundlichem Gruß Erich Honecker.“

1989 stieg König noch zum Vizekulturminister auf. Nach 1990 arbeitete er in einem Zeitungsverlag in Brandenburg. (dpa)

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