Samstag, 29.12.2012

Russischer Kritikerpreis für Adassinsky - Solo in Dresden

Der russische Tänzer und Schauspieler Anton Adassinsky spielt kurz vor dem Jahreswechsel mit der Zeit. Dabei schlüpft er in die Rolle eines alten Königs. Eine Auszeichnung krönt das Jahr für ihn.

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„Derevo“-Gründer Anton Adassinsky.
„Derevo“-Gründer Anton Adassinsky.

©dpa

Dresden. Der russische Avantgarde-Schauspieler Anton Adassinsky ist als Mephisto nun preisgekrönt. Er bekam den Preis der russischen Filmkritik als bester Darsteller einer Nebenrolle, teilte Adassinskys Ensemble Derevo in Dresden mit. Der im sibirischen Krasnojarsk geborene 53-Jährige hatte im „Faust“-Film von Regisseur Alexander Sokurow den Mephisto gespielt; an der Seite von Hanna Schygulla. Der Streifen errang 2011 bei den 68. Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen und sorgte international für Aufsehen.

Am Freitag konnte sich Adassinsky im Dresdner Festspielhaus Hellerau verbeugen - ganz allein auf großer Bühne. Denn erstmals trat er ohne seine Mitspieler vom Tanztheater Derevo auf. Im Soloprogramm „Sake, Mond und Pferd“ liefert Adassinsky in der Rolle eines alten Königs ein Spiel mit der Zeit. Die scheint dem Monarchen im Nacken zu sitzen. Rastlos versucht er, wachsenden Druck mit Alkohol zu betäuben - was natürlich nicht folgenlos bleibt.

Es gibt viele Stränge und Deutungsmöglichkeiten in dieser Allegorie auf die Zeit. So schwirrt ein überdimensionaler Uhrzeiger als Speer durch die Luft und tötet den Tag in Gestalt einer Frau. Denkbar auch, dass der König selbst als Abbild der Zeit agiert. Manche im Publikum schienen ratlos, der Applaus fiel eher mager aus. Als Risiko erwies sich, dass Adassinsky ohne Mitspieler auf sich allein gestellt blieb und so nicht von Interaktionen profitieren konnte.

Adassinsky hatte aber schon zuvor angedeutet, dass der Soloabend eine Ausnahme bleiben könnte. Die Szenen waren als „unwiederholbare Improvisation“ angekündigt. Ganz anders verhält sich das mit den Auftritten von Derevo in Hellerau, wo das Ensemble eine feste Spielstätte hat. Unter dem Titel „Zwischen den Zeiten“ gestalten die Russen hier schon seit geraumer Zeit den Jahresausklang.

Derevo (russisch: Baum) entstand 1988 im damaligen Leningrad. Das Ensemble gehört zu den bekanntesten Tanztheater-Compagnien seines Landes und genießt den Ruf, eine ganz eigene Ästhetik entwickelt zu haben. Dafür gab es auf Festivals in aller Welt Preise. Seit 2003 hat das Ensemble im Festspielhaus Hellerau eine Residenz.

Das neue Jahr beginnt für Derevo mit einem Gastspiel. Im Januar reist die Truppe zum Mime-Festival ins Royal Opera House nach London. In Dresden steht zu Ostern die „Göttliche Kommödie“ auf dem Programm. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

  1. Beck, Manfred

    Das hat Anton gut gemacht und die SZ kam bei diesem Artikel mal ohne Hetze gegen Russland aus. Es geht doch und bitte weiter so! Gruß aus DD, Manfred Beck

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