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Mittwoch, 15.02.2017

Rumpeln mit System

Die Sterne zelebrieren in Dresden ein Vierteljahrhundert schrammeliger Gitarrenkunst.

Von Philipp Demankowski

Frank Spilker, Gitarrist und Sänger der Band Die Sterne.
Frank Spilker, Gitarrist und Sänger der Band Die Sterne.

© dpa

Die Sterne sind auch 25 Jahre deutsche Popgeschichte. Obwohl der Hamburger Band wahrscheinlich nichts ferner liegt, als in den Popmusikkanon ihres Heimatlandes eingeordnet zu werden. Das Jubiläum jedenfalls führte die Band mal wieder auf große Tour und nach dem letzten Konzert vor zwei Jahren auch wieder in den Dresdner Beatpol. Anlässlich des Jubiläums setzte es eine große Lobhudelei in Form des Tributalbums „Mach’s besser“, gefüllt mit 24 Coverversionen von Bands und Künstlern, die man durchaus im Dunstkreis der Sterne verorten kann. Gesinnungsgenossen, die vielleicht musikalisch einen etwas anderen Ton anschlagen, aber doch das Gleiche wollen: Popmusik, zu der man tanzen kann, dabei aber nicht das Hirn ausmachen muss.

Das hat den Urmitgliedern – Sänger und Gitarrist Frank Spilker, Bassist Thomas Wenzel und Drummer Christoph Leich – sowie der ständigen Aushilfs-Keyboarderin Dyan Valdes offensichtlich gefallen. Zumindest wird der stets etwas tollpatschige Conférencier Spilker nicht müde, Liebe und Lob über die Bands auszuschütten, die sich an Sterne-Kompositionen versucht hatten. Mitunter probierte die Band gar, die Coverversionen nachzuspielen.

Dem Anlass entsprechend gerät das Konzert zu einem kleinen Triumphzug durch die eigene Geschichte. Neuere Nummern wechselten sich ab mit den nicht kaputt zu kriegenden Hits der Neunziger, etwa „Die Interessanten“, „Was hat dich bloß so ruiniert?“ oder der „Universal Tellerwäscher“. Viel Futter also für die treuen Fans von früher, die in großer Zahl den Beatpol aufsuchten und die auffällig gut kaschieren konnten, dass auch sie inzwischen etwas in die Jahre gekommen sein müssten.

Da stört es dann auch niemanden, dass beim Konzert die Diskrepanz zwischen den raffinierten Albumproduktionen und den schrammeligen Live-Auftritten mehr als deutlich wird. Das hat einen ganz eigenen Charme bei den Sternen. Dass allerdings gerade die Berliner Electropunks Egotronic als Vorband gewählt wurden, die mit ihren sloganhaften Texten den größtmöglichen Widerpart zur ausgeklügelten Depressionslyrik Frank Spilkers bilden, ist zumindest schade. Als die Sterne dann aber mit ihrer allerersten Single „Fickt das System“ nicht nur den Kreis, sondern auch das Konzert schließen, wirkt dieser Vorwurf dann doch fast lächerlich.